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10.09.2011

17:40 Uhr

Einsatz an Ground Zero

„Wir wussten, dass ein Krieg begonnen hatte“

VonNils Rüdel

Er war am 11. September 2001 Captain bei der NYPD und befahl den Einsatz am Ground Zero. Im Interview mit Handelsblatt Online spricht James F. Albrecht über die chaotischen Stunden in Manhattan vor zehn Jahren.

Die Anschläge veränderten sein Leben: Heute doziert Ex-Polizist James F. Albrecht über Terrorismus. privat

Die Anschläge veränderten sein Leben: Heute doziert Ex-Polizist James F. Albrecht über Terrorismus.

New YorkWie war der Morgen des 11. September bei Ihnen auf der Wache?
Es war ein ganz normaler Dienstag, schön ruhig. Ich saß in meinem Büro und las die Einsatzberichte der Nacht. Als Police Captain war ich an jenem Tag Einsatzkommandant für den gesamten Stadtteil Queens in der Tagschicht. Um halb sieben Uhr morgens hatte ich noch meine Eltern zum Flugzeug gebracht. Sie wollten nach Las Vegas fliegen, und natürlich habe ich mir nichts Schlimmes dabei gedacht. Um sieben war dann Dienstbeginn.

Wie erfuhren Sie von der Katastrophe?
Es war gegen viertel vor neun, da kam eine Kollegin rein und sagte, es habe einen Flugzeugabsturz am World Trade Center gegeben. Ich fragte, was für ein Flugzeug. Sie wusste es nicht. Also schalteten wir den Fernseher an, wie alle anderen auch. Dort sah ich dann live die zweite Explosion. Ich dachte, das ist nicht wahr, das kann doch gar nicht sein.

Rückblick - die Bilder von 9/11

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Rückten Sie sofort aus?
Unmittelbar nach der zweiten Explosion war Ausnahmezustand. Über Funk wurde die höchste Alarmstufe vier ausgerufen - so weit ich mich erinnern kann, war das noch nie vorgekommen. Sämtliche Bereitschaftspolizisten der ganzen Stadt wurden in Marsch gesetzt, auch meine Staffeln. Ich kommandierte einige Beamte zum World Trade Center, andere sollten zu den U-Bahnstationen ausschwärmen, um Panik zu verhindern. Ich rief auch alle Polizisten zum Dienst, die frei hatten. Man wusste ja noch gar nicht genau, was eigentlich passiert war.

Wann wussten Sie es?
Als ich meine Notfalltasche mit Wasser, Helm und Taschenlampe packte, kam die Nachricht, dass ein Flugzeug ins Pentagon in Washington gestürzt war. Wir wussten jetzt, es hatte ein Krieg begonnen.

Dann machten Sie sich nach Ground Zero auf.
Wir fuhren in einem Bus Richtung Manhattan, meine Streifenwagen vor uns her. Normalerweise hat man auf dem Long Island Expressway einen tollen Blick auf die Skyline, doch an diesem Tag war der Anblick schrecklich: Ich sah die Türme, den schwarzen Rauch. Ich war erschrocken, aber sicher, wir würden eine Menge Leute retten können. So wie 1993, beim ersten Anschlag aufs WTC. Doch dann hörte ich eine Kollegin durchs Funkgerät brüllen: „Passt auf, das Gebäude kommt runter!“ Ich konnte es nicht glauben, bis ich mit eigenen Augen sah, wie der Südturm in sich zusammenstürzte. Ich dachte: Das wird Tausende Tote geben.

Sie fuhren dann trotzdem mitten rein…
… ja, wir parkten etwa 500 Meter von den Trümmern entfernt und gingen den Rest zu Fuß. Ich hielt meine Kollegen an und sagte: Das ist kein normaler Tag heute. Passt gut auf euch auf, wir wissen nicht, was noch alles passieren kann.

Kommentare (15)

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Moika

10.09.2011, 18:06 Uhr

Man kann vielleicht sagen: wir befinden uns mit dem Terrorismus im Krieg - und kann Terroristen da bekämpfen, wo man sie antrifft. Aber man kann keinen Krieg gegen den Terrorismus führen führen, das ist rethorischer Unsinn.

shit_happens

10.09.2011, 18:19 Uhr

eigentlich ganz einfach: eine Oberflasche von republikanischem US-Präsidenten + 5 Billionen, die man abziehen kann + creatürlich anerzogener Dummheit: das macht aus 4.000 Toten beim Erstereignis, reden wir doch nicht von den Asbest-Toten danach,, wie geschrieben steht: knapp 500.000 Tote.

Hochintelligent.

Man kann nur stolz sein auf unsere Regierungen...

Account gelöscht!

10.09.2011, 19:16 Uhr

Auch heute, 10 Jahre danach, wird in den USA nicht hinterfragt, wie es dazu kommen konnte/mußte. Lediglich die Symptome werden bekämpft. Ein Krieg? Eher ein Phantomkrieg.

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