Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.06.2013

12:51 Uhr

Eklat bei Russland-Besuch

Merkel will sich nicht das Wort verbieten lassen

Angela Merkel kommt früher aus Russland zurück als geplant. Ihr Auftritt bei der Eröffnung der Beutekunst-Schau in St. Petersburg wurde überraschend abgesagt – wegen Unstimmigkeiten mit Kremlchef Putin.

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist zu Besuch in Russland. dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist zu Besuch in Russland.

St. PetersburgVor dem Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in St. Petersburg ist es zu einem Eklat gekommen. Eigentlich sollte sie heute Abend gemeinsam mit Russlands Präsident Wladimir Putin die Beutekunst-Ausstellung eröffnen. Doch der Programmpunkt ihrer Russlandreise wurde überraschend gestrichen. Beide wollten in der berühmten Eremitage die Schau „Bronzezeit – Europa ohne Grenzen“ eröffnen. Dort wird auch spektakuläre Beutekunst wie der Goldschatz von Eberswalde ausgestellt, den Sowjetsoldaten nach dem Zweiten Weltkrieg nach Moskau brachten.

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte am Freitag vor dem Abflug in Berlin, die russische Seite habe entgegen ursprünglichen Planungen die Grußworte von Merkel und Putin abgesagt. Merkel wollte wohl nicht nur kurz durch diese bedeutende Ausstellung gehen, ohne etwas zu sagen und auch die deutsche Position darzustellen. Merkel hätte in ihrem Grußwort die Rückgabe von Beutekunst gefordert, verlautete aus Delegationskreisen. Daraufhin sei die gemeinsame Eröffnung am Abend abgesagt worden. Seibert sagte, dies sei von beiden Seiten entschieden worden.

Anlass der Reise ist die Teilnahme der Kanzlerin an einem Wirtschaftsforum. In St. Petersburg, wo Merkel am Mittag landete, trifft sich die Kanzlerin mit Putin beim internationalen Wirtschaftsforum. Russland wirbt bei seinem wichtigsten Wirtschaftstermin des Jahres traditionell um Investoren für seine noch aus Sowjetzeiten stammende rückständige Industrie.

Begleitet wird Merkel von einer Wirtschaftsdelegation. Mit dabei sind Vorstandsvorsitzende und Aufsichtsratschefs von elf deutschen Unternehmen, unter anderem aus den Branchen Energie, Technologie, Maschinenbau und Finanzen. Auch der Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft ist dabei. Dessen Vorsitzender Eckhard Cordes erhofft sich von dem Treffen neue Impulse zur Schaffung eines gemeinsamen Wirtschaftsraums in Europa.

Merkel trifft Putin: Zwischen Kremlkritik und Beutekunst

Merkel trifft Putin

Zwischen Kremlkritik und Beutekunst

Angela Merkel trifft bei Russlands wichtigstem Wirtschaftstermin in St. Petersburg erneut auf Kremlchef Putin. Doch diesmal geht es nicht nur um Politik. Sie warten auch mit einer kulturpolitischen Sensation auf.

Der Kunstraub in Europa erreichte während des Zweiten Weltkrieges das größte Ausmaß. Deutsche und sowjetische Einheiten nahmen in großem Umfang Kunstwerke und Bücher aus den von ihnen besetzten Gebieten mit. Die von deutscher Seite während der NS-Zeit geraubten Kulturgüter wurden kurz nach Kriegsende größtenteils zurückgegeben.

Russland sieht Beutekunst wie die Troja-Funde von Heinrich Schliemann als Wiedergutmachung für Schäden aus dem Zweiten Weltkrieg. Erst seit 1990 wird auf der Grundlage von deutsch-russischen Verträgen über einen Austausch verhandelt.

Ein Großteil der auf sowjetischen Befehl abtransportierten Kunstschätze lagert im Moskauer Puschkin-Museum. Nach Expertenschätzungen befinden sich in russischen Depots noch rund eine Million Kunstobjekte und mehr als vier Millionen Bücher.

Kommentare (61)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

RumpelstilzchenA

21.06.2013, 10:30 Uhr

Sind die Goldbarren der BRD aus den USA schon zurückgeliefert worden?

Der_ewige_Spekulant

21.06.2013, 10:35 Uhr

Daumen hoch für Putin.

Aber die Beutekunst muss Russland zurück geben. Z.B. gegen eine angemessene Entschädigung.

keeper

21.06.2013, 10:50 Uhr

na also: die Beutekunst aus Russland wird mit in den USA gelagerten Goldbarren bezahlt.
Die Buba kann sich ja dann neue Barren auf dem Weltmarkt kaufen - und diese mit den Target-Forderungen begleichen.

Sollen die Buba-Heinis halt mal bei den richtigen Bankstern anfragen, mit welchen Bonussystemen sich die CDOs am besten verscherbeln lassen ... ;-)

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×