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12.04.2011

04:40 Uhr

Elfenbeinküste

Gbagbo soll der Prozess gemacht werden

Der blutige Machtkampf in der Elfenbeinküste ist entschieden. Jetzt soll Wahlverlierer Gbagbo vor Gericht. International wurde der Sieg des Wahlgewinners Ouattara begrüßt.

Elfenbeins Ex-Präsident Laurent Gbagbo in dem Hotelzimmer, in dem er festgehalten wird. Quelle: dapd

Elfenbeins Ex-Präsident Laurent Gbagbo in dem Hotelzimmer, in dem er festgehalten wird.

Abidjan/Paris Dem abgewählten und entmachteten Präsidenten der Elfenbeinküste, Laurent Gbagbo, soll der Prozess gemacht werden. Sein gewählter Nachfolger, der international anerkannte Präsident Alassane Ouattara, kündigte am Montagabend in einer Fernsehansprache die juristische Aufarbeitung des monatelangen Machtkonflikts an. Gbagbo, der sich am Montag nach tagelanger Belagerung in seiner Residenz ergeben hatte, solle ebenso wie seine Mitarbeiter, die Verbrechen begangen hätten, zur Rechenschaft gezogen werden.

Zugleich versicherte Ouattara, dass für die Sicherheit Gbagbos und dessen Familie gesorgt werde. Gbagbo, der sich nach den Wahlen im vergangenen November geweigert hatte, die Macht an Ouattara zu übergeben, wird seit Montagnachmittag in einem Hotel in der Hafenstadt Abidjan festgehalten, in dem sich das Hauptquartier Ouattaras und der UN-Mission Unoci befinden.

Am Abend hatte Gbagbo seine Anhänger in einer kurzen Fernsehansprache aufgefordert, die Kämpfe einzustellen. Gbagbo hatte sich am Montagnachmittag in seiner Residenz ergeben, die von französischen Soldaten und den Republikanischen Truppen Ouattaras umstellt war. Seine Festnahme beendete den seit fünf Monaten andauernden blutigen Machtkonflikt in dem westafrikanischen Land. Gbagbo hatte bereits fünf Jahre ohne Mandat regiert, da die Wahlen nach dem offiziellen Ende seiner Amtszeit im Jahr 2005 wegen organisatorischer Probleme und innenpolitischer Konflikte immer wieder verschoben worden waren.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton begrüßte die Festnahme Gbagbos. Ouattara sagte Ashton Unterstützung zu. Für die Zukunft kündigte Ashton eine langfristige Unterstützung der EU beim Wiederaufbau des Landes an. US-Präsident Barack Obama sieht einen „Sieg des demokratischen Willens des Volkes, das viel zu lange durch die Instabilität nach seiner Wahl gelitten hat“. Für Ouattara und die Bevölkerung gelte es nun, sofort mit der „harten Arbeit der Aussöhnung“ zu beginnen, hieß es in einer schriftlichen Erklärung. Outtara müsse im Namen aller Bürger regieren, auch jener, die ihn nicht gewählt hätten. Eine demokratische Elfenbeinküste, die die Rechte des Volkes respektiere, werde stets in den USA einen Freund haben.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) begrüßte Gbagbos Festnahme. „Das lässt uns hoffen, dass der Bürgerkrieg jetzt ein schnelles Ende findet“, sagte er am Montag in Berlin. Das Land habe jetzt eine echte Chance für einen friedlichen und demokratischen Neuanfang. Deutschland sei dabei zu Unterstützung bereit. Westerwelle appellierte an Ouattara, Gewalt- und Racheakte zu unterbinden. Er stehe vor „gewaltigen Herausforderungen“.

Der britische Außenminister William Hague forderte einen fairen Prozess für Gbagbo. Der habe zwar „gegen demokratische Prinzipien“ verstoßen, müsse „aber mit Respekt behandelt werden“, sagte Hague am Montag. Großbritannien hoffe, dass die Ivorer nun einen demokratischen und friedlichen Weg in die Zukunft finde.

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