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13.04.2011

03:52 Uhr

Elfenbeinküste

UN befürchtet Verfolgung von Gbagbo-Anhängern

Die UN warnen vor einer Jagd auf Anhänger der Wahlverlierers Gbagbo. Der blutige Machtkampf in der Elfenbeinküste hat bereits schon jetzt viele Opfer gefordert. Die EU und Paris wollen der Wirtschaft mit Finanzspritzen helfen.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigt sich besorgt über das Schicksal der Gbagbo-Anhänger in der Elfenbeinküste. Quelle: dpa

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigt sich besorgt über das Schicksal der Gbagbo-Anhänger in der Elfenbeinküste.

New YorkNach der Machtübernahme des rechtmäßig gewählten Präsidenten in der Elfenbeinküste hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon den Wahlsieger Alassane Ouattara vor einer Verfolgung seiner politischen Gegner gewarnt. Ouattara müsse dafür sorgen, dass den Anhängern seines Gegenspielers Laurent Gbagbo nichts passiere, sagte ein UN-Sprecher am Dienstag in New York.

Das habe Ban in einem langen Telefongespräch mit Ouattara deutlich gemacht. Jedes weitere Blutvergießen in dem westafrikanischen Land müsse jetzt verhindert werden, sagte der UN-Generalsekretär. Ouattaras wichtigste Aufgabe sei es jetzt, das Land zu einen. Der bisherige Präsident Gbagbo hatte sich trotz einer klaren Wahlniederlage fünf Monate lang geweigert, sein Amt abzugeben. Nach blutigen Kämpfen war er am Montag festgenommen worden.

Die Europäische Union unterstützt den Wiederaufbau in der Elfenbeinküste mit 180 Millionen Euro. Mit dem Geld sollen vor allem Medikamente, Wasser und Sanitäreinrichtungen bereitgestellt und die Landwirtschaft unterstützt werden. Zudem würden damit Schulden der Elfenbeinküste bei der Europäischen Investitionsbank beglichen.

Die französische Regierung kündigte am Dienstag eine Sonderhilfe in Höhe von 400 Millionen Euro an. Mit dem Geld sollten in einem ersten Schritt die dringendsten Bedürfnisse der Bevölkerung gestillt werden, ließ Wirtschaftsministerin Christine Lagarde mitteilen.

US-Präsident Barack Obama sicherte Ouattara in einem Telefonat Unterstützung beim Wiederaufbau zu. Die Präsidenten hätten in dem Telefonat zudem klar gemacht, dass alle etwaigen Gräueltaten im aufgeklärt und die Täter zur Verantwortung gezogen werden müssten - egal auf welcher Seite des Konfliktes sie gestanden hätten. Sowohl die Vereinten Nationen sowie der Internationale Strafgerichtshof sollten bei Ermittlungen unterstützt werden. Die USA bezeichnete Obama als „starken Partner“ einer neuen Regierung.

Am Dienstag schwiegen die Waffen in der wochenlang umkämpften Hafenstadt Abidjan. Doch noch immer gelten mehrere Stadtteile als nicht sicher, ist ungewiss, ob die Anhänger Gbagbos den Kampf auch wirklich einstellen. Auch Ouattara ist noch nicht in den Präsidentenpalast umgezogen, sondern hat sein Hauptquartier weiterhin in einem Hotel in Abidjan, das auch Sitz der UN-Mission UNOCI in dem westafrikanischen Land ist.

Wenige Stunden nach der Festnahme Gbagbos am Montag rief Ouattara zur Versöhnung auf. In einer Fernsehansprache appellierte er an die Bevölkerung, Ruhe zu bewahren, und ermahnte seine Anhänger, auf Gewalt und Rache gegen Gbagbos Parteigänger zu verzichten. Zugleich kündigte er eine juristische Aufarbeitung der politischen Gewalt während des monatelangen Konflikts an. Auch Gbagbo hatte seine Anhänger im Fernsehen aufgerufen, nun die Kämpfe einzustellen.

Während des Machtkampfes waren nach UN-Schätzungen allein in den vergangenen Tagen fast 540 Menschen getötet worden. Mehr als eine Million Menschen vor allem aus der Hafenstadt Abidjan sind vor der Gewalt geflohen. Ein Sprecher des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) ging sogar von noch mehr Opfern aus. Nicht nur Gbagbos Sicherheitskräfte sollen Verbrechen begangen haben. Im Westen des Landes wurden nach dem Fund hunderter Leichen auch Ouattaras Truppen ethnischer Morde bezichtigt.

Von

dpa

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