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04.05.2012

06:15 Uhr

EM-Boykott-Beschluss

Deutsche Politiker warnen vor Bruch mit der Ukraine

VonDietmar Neuerer

ExklusivDass die EU-Kommission die Fußball-EM in der Ukraine boykottiert, ist ganz im Sinne vieler Deutscher. Doch was in einer Umfrage befürwortet wird, könnte fatale Folgen für den Westen haben, warnen Politiker.

"Timoschenko kann sich nicht mehr bewegen"

Video: "Timoschenko kann sich nicht mehr bewegen"

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BerlinPolitiker von FDP und SPD haben vor einer weiteren Zuspitzung des Konflikts mit der Ukraine gewarnt. Er respektiere zwar, dass die EU-Kommission der Fußball-Europameisterschaft fernbleiben wolle. „Es ist allerdings wichtig, nicht alle Gesprächsfäden mit der Ukraine abreißen zu lassen“, sagte der hessische Justizminister und stellvertretende Ministerpräsident Jörg-Uwe Hahn (FDP) Handelsblatt Online. Das helfe weder der ehemalige ukrainischen Regierungschefin Julia Timoschenko noch den vielen Menschen in der Ukraine, die für eine Öffnung des Landes kämpften. „Von daher darf dieser Schritt nicht den Abbruch der Beziehungen bedeuten.“

Harsche Kritik an der Boykott-Ankündigung der EU-Kommission äußerte der SPD-Außenpolitiker Niels Annen. „Alle Beteiligten, nicht zuletzt auch die EU Kommission, sollten sich (…) die Worte von Polens Präsident Komorowski und Premierminister Tusk zu Herzen nehmen, die eindrücklich vor einem Rückschlag bei den Bemühungen um die Westintegration der Ukraine gewarnt haben“, sagte das SPD-Bundesvorstandsmitglied Handelsblatt Online. „Der Wettlauf um Schlagzeilen hilft weder Frau Timoschenko noch der Ukraine.“ Klar sei aber auch, dass die „inakzeptable Lage“ der ehemaligen Regierungschefin „unverzüglich“ beendet und „umfassende“ medizinische Versorgung sichergestellt werden müsse. „Die Bemühungen der Bundesregierungen mit Kiew zu einer politischen Lösung zu kommen sind daher zu begrüßen“, sagte Annnen. Gegebenenfalls sollten weitere Staaten der Region in diese Bemühungen mit einbezogen werden.

Die Vorrunden-Gruppen bei der Euro 2012

Gruppe A

Polen
Griechenland
Russland
Tschechien

Gruppe B

Niederlande
Dänemark
Deutschland
Portugal

Gruppe C

Spanien
Italien
Irland
Kroatien

Gruppe D

Ukraine
Schweden
Frankreich
England

Die Spiele der deutschen Mannschaft

Samstag, 9. Juni 2012: Deutschland - Portugal, 20.45 Uhr in Lwiw

Mittwoch, 13. Juni 2012: Niederlande - Deutschland, 20.45 Uhr in Charkow

Sonntag, 17. Juni 2012: Dänemark - Deutschland, 20.45 Uhr in Lwiw

Polens Regierungschef Donald Tusk hatte gewarnt, der Ruf des Nachbarlandes könne gewaltigen Schaden nehmen. Das ukrainische Außenministerium wehrte sich gegen die Vorwürfe des Westens und erklärte, der Sport dürfe nicht instrumentalisiert werden. Russland bot unterdessen an, Timoschenko medizinisch zu behandeln.

Hahn sagte, jetzt müssten die einzelnen EU-Mitgliedstaaten für sich entscheiden, ob sie der Boykott-Ankündigung Brüssels folgen wollten. Lobend äußerte sich der FDP-Politiker dazu, dass sich in Deutschland bereits viele Politiker gegen einen Boykott entschieden hätten. „Das ist gut so“, sagte er. „Wir sollten uns aber mit Ratschlägen gegenüber anderen Ländern zurückhalten und nicht den moralischen Zeigefinger Europas spielen“, fügte er hinzu. Das Sportereignis Fußball-Europameisterschaft habe den Fokus der Öffentlichkeit bereits direkt auf den wunden Punkt des Systems Wiktor Janukowitsch gelegt. Das sei mehr, als die Politik zuvor habe erreichen können.

Kommentare (47)

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Account gelöscht!

04.05.2012, 06:46 Uhr

Deutsche Politclowns waren ...
Hat nicht Siggi Pop vorgeschlagen, die Karten zurückzugeben?
Kroch die EU in China nicht zu Kreuze und bettelte um Geld?
Fand die Formel-1 nicht in Bahrain statt?
Sollen die olympischen Winterspiele nicht in Putinland stattfinden?
In all diesen Ländern ging es nicht um Menschenrechte, es ging um Geld, Gas und Öl.

Hagbard_Celine

04.05.2012, 07:47 Uhr

Die Ukraine ist ein unverzichtbarer Teil Europas, ebenso Weißrussland und Russland. Wer mitten in Europa Gräben aushebt handelt verantwortungslos und ohne Geschichtsbewusstsein.

Ein Volk in Sippenhaft zu nehmen um ein Mitglied eines Netzwerkes freizupressen ist ein Rückfall in das Mittelalter und zeugt von einem gestörten Verhältnis zur Demokratie.


mono

04.05.2012, 07:49 Uhr

Es ist unerträglich wie arrogant dieses verlogene Gutmenschentum-Pack moralisch richtiges Handeln für sich beansprucht. Die Instrumentalisierung von Sportereignissen für punktuelle politische Forderungen bedeutet, konsequent weitergeführt, deren Ende.

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