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23.04.2014

12:58 Uhr

Emissionen

China könnte Elektroauto-Verkauf ankurbeln

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) wirbt in China verstärkt für Elektroautos. Sollte dort die Nachfrage anziehen, könnte das auch die ambitionierten E-Auto-Pläne der Bundesregierung hierzulande anschieben.

Autoshow in China

Deutsche Autobauer in China: Fluch und Segen

Autoshow in China: Deutsche Autobauer in China: Fluch und Segen

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PekingBundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hofft auf eine Aufholjagd deutscher Batteriehersteller im Rennen gegen die internationale Konkurrenz. „Meine Hoffnung ist ja, dass wir die klassische deutsche Kernkompetenz, Batterien zu produzieren, zurückholen können“, sagte der SPD-Politiker am Mittwoch bei einem Besuch der internationalen Autoshow in Peking. Dort informierte er sich bei einem Rundgang über die E-Autostrategie von Volkswagen, Mercedes und BMW. Die Autobauer versuchen in Peking mit neuen Modellen die E-Mobilität anzutreiben. Daimler stellte das Elektroauto Denza vor, VW kündigte eine Elektro-Offensive in China an.
Gabriel hatte während seiner dreitägigen China-Reise Vorhaltungen zurückgewiesen, sein Rundgang auf der Automesse sei ein falsches Signal, weil er in China doch für Energieeffizienz werben wolle und die Autobranche gerade kein Vorbild sei. „Es ist ein ungeheuer wichtiges Signal. Nirgendwo ist Energieeffizienz so notwendig und nirgendwo kann sie so schnell erreicht werden wie bei Automobilen.“ China müsse mehr Fahrzeuge mit alternativen Antrieben in die Megastädte bringen, um die Luftverschmutzung in den Griff zu bekommen: „Wenn man Smog wegkriegen will, braucht man neue Autos und nicht alte.“

Knackpunkte der deutsch-chinesischen Beziehungen

Blühender Handel

Das Handelsvolumen zwischen China und Deutschland stieg im Jahr 2012 auf 161 Milliarden Dollar - ein Drittel des gesamten Handelsumfangs von China mit der EU. Aus China kommen verschiedenste Waren - von Kleidung und Schuhen bis zu Elektronik- und Metallwaren - nach Deutschland. Deutsche Unternehmen verkaufen auf dem prosperierenden chinesischen Markt Maschinen, Hightech-Komponenten und Autos.

Raues Investitionsklima

Deutsche Investoren klagen über Bürokratie und behördliche Willkür in China. Sie fordern gleiche Wettbewerbsbedingungen und mehr Rechtssicherheit - vor allem auch beim Urheberrechtsschutz. In Deutschland sieht mancher Firmenübernahmen wie die des Baumaschinenherstellers Putzmeister durch den chinesischen Sanyi-Konzern skeptisch. Bis zum Jahr 2020 könnten sich chinesische Investitionen hierzulande einer aktuellen Studie zufolge auf rund zwei Milliarden Dollar jährlich verdreifachen. Bislang gibt es keinen Grund für Angst vor einer chinesischen Firmeninvasion: Deren Investitionen machen gerade einmal 0,2 Prozent der Auslandsinvestitionen in Deutschland aus

Sorge um den Euro

Bei der Überwindung der Eurokrise setzt China vor allem auf Deutschland. Chinas Exporte sind als Folge der Schuldenkrise stark zurückgegangen, zudem sorgt sich die Regierung um ihre Devisenreserven. Nach Schätzung von Experten soll etwa ein Viertel der Rekordsumme von 3,3 Billionen Dollar in Euro angelegt sein. Im Zuge des Schuldenschnitts für Griechenland mussten im Jahr 2012 auch chinesische Staatsfonds herbe Verluste hinnehmen.

Streit um billige Solaranlagen

Auch deutsche Unternehmen der Solarbranche gingen wegen Konkurrenz aus China pleite. Die EU-Kommission hat nun ein Anti-Dumping-Verfahren angestrengt - wenn bis zum 5. Juni kein Kompromiss gefunden ist, drohen chinesischen Billigherstellern milliardenschwere Strafzölle. China wirft der EU Protektionismus vor. Deutschland könnte in dem Streit eine Schlüsselrolle spielen, denn die Zölle sind hierzulande umstritten: Industrievertreter verweisen darauf, dass 70 Prozent der Wertschöpfung für die in China montierten Module in Deutschland entsteht und Strafzahlungen auch hiesige Firmen in Mitleidenschaft zögen.

Ungeliebte Menschenrechtsdebatte

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht Menschenrechtsfragen regelmäßig an, nimmt jedoch seit dem Eklat um den Besuch des Dalai Lama im Kanzleramt im Jahr 2007 auch Rücksicht auf chinesische Befindlichkeiten. Der sachliche Verlauf des jüngsten deutsch-chinesischen Menschenrechtsdialogs könnte als Hinweis auf eine größere Offenheit der neuen Führung in Peking gewertet werden. Sie will die umstrittenen Arbeitslager reformieren, in denen Hunderttausende ohne Prozess einsitzen. Was das Schicksal einzelner Dissidenten angeht, bleibt China unnachgiebig und verweist gerne darauf, dass in seiner Tradition das kollektive vor dem individuellen Wohl steht - eine Auffassung, die angesichts des teils brutalen Drucks auf Oppositionelle hierzulande auf wenig Verständnis stößt.

Schwieriger Kulturaustausch

Die chinesische Seite beklagt eine klischeehafte Darstellung ihres Landes in der deutschen Öffentlichkeit. Mehr Chinesischunterricht und mehr Jobs für China-Experten in Behörden forderte jüngst die Grünen-Abgeordnete Viola von Cramon mit Blick auf Politiker, die ohne Landeskenntnisse in Treffen mit bestens vorbereiteten chinesischen Kollegen gingen. Der Kulturaustausch entwickelte sich stark, wenn auch nicht gleichmäßig in beide Richtungen. So studierten zuletzt etwa 25.000 Chinesen hierzulande, umgekehrt zog es nur 6200 junge Deutsche in die Volksrepublik.

In Deutschland hält die Bundesregierung bislang an dem Ziel fest, dass es bis 2020 eine Million Elektroautos gibt, obwohl Experten dies längst für unrealistisch halten. Sollte sich das E-Auto in China aber auf breiter Front durchsetzen, könnte dies auch die Entwicklung in Europa vorantreiben.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

24.04.2014, 10:35 Uhr

Sehr geehrter Herr Gabriel,
lesen Sie bitte täglich die internationalen Wissenschaftsnachrichten. Sie werden feststellen, dass chinesische Wissenschaftler, die an US-Universitäten hospitieren, die Forschung rund um neue Batterietechnologien, insbesondere unter Einsatz der Nanotechnologie, beherrschen. Wenn Sie das ändern wollen, brauchen wir diese und unsere Talente hier in DE. Unsere Forschungsinstitute brauchen nicht nur temporäre Förderung, sondern eine langfristige Strategie, unter der Sie arbeiten und planen können, nicht zu vergessen eine klaren Einwanderungspolitik. Beides bisher leider keine besondere Stärke unserer Regierungen.
gez.
Ein E-Auto-Fahrer

Account gelöscht!

24.04.2014, 19:32 Uhr

ja die klassische deutsche Kernkompetenz, Batterien zu produzieren.... der wäre geholfen, wenn man z.b. wie bei dezentralen Systemen imer richtig, die Erneuerbare Energie beim Erzeuger und beim Verbraucher puffert.
hätte man mit den Änderungen am EEG einführen können. wäre allen geholfen. aber GROKO....

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