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09.05.2016

13:09 Uhr

Emmanuel Macron

Der Politikstar von Frankreich

VonThomas Hanke

Frankreichs Wirtschaftsminister Macron zeigt, dass er das Zeug zum Präsidenten hat: In einer ersten staatsmännischen Rede überzeugt der 38-Jährige. Dabei interpretiert er die Nationalheilige Jeanne d'Arc neu.

Der französische Wirtschaftsminister Emmanuel Macron hielt eine vielbeachtete Rede in Orléans. AFP; Files; Francois Guillot

Auf den Spuren von Jeanne d'Arc

Der französische Wirtschaftsminister Emmanuel Macron hielt eine vielbeachtete Rede in Orléans.

OrléansFrankreich gönnt sich manchmal eine kleine Auszeit. Dann vergisst es, dass das Land eigentlich eine strikt laizistische Republik sein will. Der 8. Mai ist solch ein Moment. Im Rest der Welt denkt man da ausschließlich an das Ende des Zweiten Weltkrieges, doch in unserem Nachbarland reicht die Erinnerung weiter zurück: Seit 1431 feiert das Land an diesem Tag die Beendigung der englischen Belagerung von Orléans durch Jeanne d'Arc am 8. Mai 1429.

Und die Republik, die offiziell keine Religionen kennt, ehrt die heimliche Nationalheilige Johanna von Orléans. Am Sonntag wehte eine riesige Fahne der Monarchie, blau mit gelben Lilien und Krone, vor der Kathedrale der Stadt an der Loire. 

Es dürfte die älteste nationale Feierlichkeit überhaupt sein, die unser Nachbarland mit einer großen Militärparade, strammer Marschmusik, aber auch einem karnevalsartigen Umzug begeht. Alle Regionen Frankreichs schicken Folkloregruppen, und auch gellende Dudelsäcke. Wilde schottische Gesellen mit gezückten Schwertern dürfen dabei nicht fehlen. Am Sonntag zogen sie hinter ihrer  großen schottischen Fahne, blau mit weißem Kreuz, her, bejubelt von Tausenden Bürgern, die den Schotten wohl einfach mehr über den Weg trauen als den Engländern, auch wenn das offiziell so niemand knapp vor der Abstimmung über den Brexit sagen würde.

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Frankreichs Wirtschaftsminister Emmanuel Macron gründet eine neue politische Formation. Mit „En Marche!“ will er Blockaden im Land auflösen. Damit ist klar, dass er nach den höchsten Ämtern greift.

Noch ein Jahrestag wurde nämlich in Frankreich gefeiert: In diesem Jahr wird das 720-jährige Bestehen der „Auld Alliance“, des Bündnisses zwischen Schottland und Frankreich, begangen. Es ist viel älter als das politisch ungleich wichtigere Bündnis mit Großbritannien, dem man den Sieg über Nazideutschland am 8. Mai 1945 verdankt.

Zu den Feierlichkeiten nach Orléans als Redner eingeladen zu werden ist eine Ehre, die in der Vergangenheit Präsidenten wie Francois Mitterrand und Jacques Chirac zuteil wurde. In diesem Jahr wählte der konservative Bürgermeister von Orléans einen Politiker, der qua Amt kaum in die engere Wahl gekommen wäre:  Emmanuel Macron, Wirtschaftsminister des sozialistischen Präsidenten Francois Hollande.

Warum fiel die Wahl auf ihn? Viele Franzosen trauen dem Wirtschaftsminister ganz andere Aufgaben zu – bis hin zur Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl, deren zweiter Wahlgang in genau einem Jahr stattfinden wird. Macron gilt schon jetzt als jemand, der politische Grenzen überschreitet. 

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