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27.02.2013

10:05 Uhr

„Empört Euch!“

Schriftsteller Stéphane Hessel ist tot

Der Autor Stéphane Hessel ist in der Nacht zu Mittwoch gestorben. Sein Vermächtnis ist die Schrift „Empört euch!“ – mit diesem globalisierungskritischen Werk hat er Protestbewegungen weltweit eine Stimme gegeben.

Stéphane Hessel starb in der Nacht zu Mittwoch im Alter von 95 Jahren. dpa

Stéphane Hessel starb in der Nacht zu Mittwoch im Alter von 95 Jahren.

Der französische Schriftsteller und ehemalige Widerstandskämpfer Stéphane Hessel ist tot. Der Autor starb in der Nacht zum Mittwoch im Alter von 95 Jahren, wie seine Frau Christiane Hessel-Chabry bestätigte. Zwei kleine Büchlein hat der Franzose geschrieben, die ganz groß herausgekommen sind. Rund um den Erdball werden seine Fibeln „Indignez vous!” (Empört euch!) und „Engagez vous!” (Engagiert euch“) millionenfach gekauft und gelesen.

„Er hat keinen Muskelpack wie Spartakus, keinen Bogen wie Robin Hood, keinen demagogischen Furor wie Marat, keine wehende Mähne wie Che Guevara. Er ist ein uralter Mann, der Gedichte und die Sanftheit liebt: Stéphane Hessel“, schrieb der Publizist Wolfram Weimer vor zwei Jahren in einer Würdigung für das Handelsblatt. Überschrift: „Der Apostel des Widerstands“.

Stéphane Hessel: Der Apostel des Widerstands

Stéphane Hessel

Der Apostel des Widerstands

Er ist das Vorbild des Jahres: Stéphane Hessel hat mit seinem Büchlein „Empört euch!“ den Protestbewegungen auf der ganzen Welt eine Stimme gegeben – von Stuttgart 21 über den arabischen Frühling bis zur Occupy-Bewegung.

Dabei seien die politischen Weltbestseller in Wahrheit gar keine Bücher. „Es handelt sich um kurze, sperrige Zwischenrufe, die den Geist der Zeit offenbar besser treffen als lange, geschmeidige Sonntagsreden.“

Der einstige französische Widerstandskämpfer und KZ-Überlebende wurde 2010 mit dem Essay „Empört euch!“ weltweit bekannt. Der 1917 in Berlin geborene Diplomat hatte darin die kapitalistische Finanzwirtschaft kritisiert und zum Protest aufgerufen.

Hessel lebte die meiste Zeit seines Lebens in Paris. Dorthin war er 1924 mit seinem Bruder und den Eltern gezogen. 1937 wurde er französischer Staatsbürger und schloss sich als Student in London dem Widerstandskomitee von General Charles de Gaulle an.

1944 wurde er als Verbindungsmann zwischen den Résistance-Gruppen und der Londoner Zentrale im besetzten Frankreich abgesetzt. Kurz danach wurde Hessel von den Deutschen festgenommen und in das Konzentrationslager Buchenwald gebracht. Nach mehreren Versuchen gelang ihm schließlich die Flucht. Er schlug sich bis nach Paris durch.

Stéphane Hessel im August 2011 mit dem Dalai Lama. AFP

Stéphane Hessel im August 2011 mit dem Dalai Lama.

Nach dem Krieg wurde Hessel Diplomat. Er arbeitete am Text für die allgemeine Erklärung der Menschenrechte mit, die die Vereinten Nationen 1948 verabschiedeten. Später wurde Hessel UN-Botschafter in Genf. Unter dem sozialistischen Präsidenten François Mitterrand (1981 bis 1995 im Amt) übernahm er dann Aufgaben im Außenministerium in Paris.


Kommentare (3)

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27.02.2013, 10:15 Uhr

Er war ein hochinteressanter Mann.
Die beiden dünnen Bücher sind gewichtiger als die meisten dicken Wälzer. Hochinteressant, wie er beispielsweise beschreibt, dass Großbanken nach dem 2.Weltkrieg als eine Quelle des Krieges erkannt wurden, und deren Verstaatlichung angedacht wurde.

klarissimo

27.02.2013, 10:44 Uhr

In der Tat wirken die kleinen Büchlein wie der verzweifelte letzte Aufruf zu einer neo-französischen Revolution, dieses Mal global statt national-europäisch. In den Büchern stand wenig vom inneren, wahren Kern der Verursacher der gesamten Entwicklung! Die auch in Paris wie Marie Antoinette zu ihren Zeiten heute und dann vorallem in den USA und der Schweiz, leben. Es ist ein Büchlein WIE VIELE weil es betont diplomatisch von einem Diplomaten geschrieben ist. Es war sein letztes Rückblick und Vorausschauwerk, er spürte die letzten Züge. Mehr nicht. Ohnehin ist es sehr still um ihn geworden seit zwei Jahren. Zu still für eine Revolution.

Account gelöscht!

27.02.2013, 12:00 Uhr


Kein vollmundiger deutscher Sprüchklopfer. R.I.P.

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