Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.08.2013

16:44 Uhr

Ende der Eiszeit?

Nord- und Südkorea verhandeln wieder

Plötzlich reden sie wieder miteinander: Nord- und Südkorea wollen darüber verhandeln, ob sie Familientreffen wieder zulassen. Pjöngjang will zudem wieder südkoreanische Touristen empfangen.

Nordkoreas Führer Kim Jon Un ist wieder zu Gesprächen mit dem Süden bereit. ap

Nordkoreas Führer Kim Jon Un ist wieder zu Gesprächen mit dem Süden bereit.

SeoulNord- und Südkorea wollen wieder über die Zusammenführung von Familien verhandeln. Die Führung in Pjöngjang nahm am Sonntag einen entsprechenden Vorschlag aus Seoul an. Gleichzeitig regte der Norden Gespräche über die Wiederaufnahme von geführten Reisen südkoreanischer Touristen an, die dem kommunistischen Staat früher willkommene Einnahmen brachten.

Die Gesprächsangebote könnten Zeichen einer weiteren Entspannung zwischen beiden Staaten nach der schweren Krise im Frühjahr sein. Damals hatte Nordkorea dem südlichen Nachbarn und den USA mit einem Atomschlag gedroht, die Beziehungen abgebrochen und eine Schließung der nord-süd-koreanischen Wirtschaftszone Kaesong erzwungen. Vergangene Woche hatten sich beide Seiten bereits grundsätzlich auf eine Wiedereröffnung von Kaesong verständigt.

Südkorea reagierte positiv auf die Bereitschaft des Nordens, ab Freitag über Familientreffen zu sprechen. Differenzen gibt es über den Tagungsort: Die südkoreanische Regierung hatte den Grenzort Panmunjom vorgeschlagen. Nordkorea brachte hingegen das Erholungsgebiet am Mount Kumgang - auch Diamantenberg genannt - als Ort ins Gespräch.

Die Sonderwirtschaftszone Kaesong

Was ist Kaesong?

Kaesong trägt die offizielle Bezeichnung Spezielle industrielle Verwaltungsregion Nordkoreas. Mit den dort angesiedelten südkoreanischen Unternehmen fungiert der Industriekomplex als gemeinsame Wirtschaftsentwicklungszone. Die Unternehmen aus dem Süden zog es vor allem wegen billiger und qualifizierter Arbeitskräfte dort hin.

Wie kam es zur Gründung von Kaesong?

Kaesong ist ein Ergebnis der sogenannten Sonnenscheinpolitik Südkoreas - der zwischen 1998 und 2008 betriebenen interkoreanischen Aussöhnung. Diese Politik zielte darauf ab, die Kontakte zwischen beiden Staaten zu beleben. Seit seiner Gründung 2004 ist der Industriekomplex das einzige Überbleibsel der Zusammenarbeit zwischen Nord und Süd, nachdem die offiziellen Beziehungen seit 2010 auf Eis liegen.

Wo liegt Kaesong?

Die Sonderwirtschaftszone liegt in Nordkorea, zehn Kilometer von der Grenze zum Süden entfernt. Es gibt eine direkte Straßen- sowie Zugverbindung in den Süden. Insgesamt hunderte Arbeiter und Manager aus Südkorea überqueren täglich den nach Kaesong führenden Grenzposten. Ihre Namen werden den nordkoreanischen Behörden im Vorfeld übermittelt, diese geben dann grünes Licht für die Einreise.

Wer arbeitet in Kaesong?

Aktuell sind in Kaesong 123 südkoreanische Unternehmen tätig, die meisten davon stammen aus der Textil-, der Elektronik- und der Chemiebranche. Beschäftigt sind mehr als 53.000 nordkoreanische Arbeitskräfte sowie knapp 900 Südkoreaner im Managementbereich.

Wie erfolgreich war Kaesong bislang?

Südkoreanische Unternehmen investierten insgesamt 850 Millionen Dollar (664 Millionen Euro) in die Zone. Nach einem zunächst schleppenden Start meldete Kaesong erstmals 2011 einen Gewinn. Für 2012 wurde ein Umsatz von 469,5 Millionen Dollar vermeldet, für den Zeitraum seit 2004 wird der Wert mit 1,98 Milliarden Dollar angegeben.

Warum ist Kaesong so wichtig für Nordkorea?

Kaesong ist eine wichtige Quelle für ausländische Devisen für Pjöngjang. Die dort beschäftigten Nordkoreaner verdienen im Monat im Schnitt 144 Dollar. 2012 verlangte Nordkorea von acht der dort vertretenen Firmen Steuerzahlungen in Höhe von 160.000 Dollar.

Zudem solle man dort bereits einen Tag vorher, am Donnerstag, über die Wiederaufnahme der südkoreanischen Touren zu dem Berg verhandeln, teilte das nordkoreanische Komitee für die friedliche Wiedervereinigung Koreas mit. Das südkoreanische Wiedervereinigungsministerium erklärte dazu, es werde solche Gespräche prüfen.

Die Touren zum Mount Kumgang sind seit der Tötung einer Südkoreanerin durch einen nordkoreanischen Grenzbeamten 2008 ausgesetzt. Dass jetzt wieder darüber gesprochen werden soll, sehen Beobachter als eine Art Bedingung Nordkoreas für die Familienzusammenführung: Nordkorea „sagt, es will die Wiederaufnahme der Touren zum Diamantenberg als Gegenleistung für die Familientreffen“, sagte Lim Eul Chul, Professor an der südkoreanischen Kyungnam Universität.

Zahlreiche Familien wurden nach dem Korea-Krieg vor 60 Jahren auseinandergerissen. Bis 2010 waren kurze Treffen möglich. Rund 22 000 Koreaner erhielten dazu die Gelegenheit. Danach wurde das Programm wegen der Spannungen zwischen beiden Ländern eingefroren. Der Krieg in Korea von 1950 bis 1953 endete mit einem Waffenstillstand, aber ohne Friedensvertrag.

Von

ap

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×