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19.02.2011

15:32 Uhr

Ende der Haft in Sicht

Iran will deutsche Reporter freilassen

Die beiden im Iran inhaftierten deutschen Reporter sollen gegen ein Bußgeld auf freien Fuß kommen. Derweil hat der Iran offenbar Vorarbeiten zur Entwicklung eines Atomsprengkopfes wieder aufgenommen.

Der staatliche iranische Fernsehsender Press TV zeigte im Dezember dieses Passfoto eines der beiden deutschen Reporter, die im Iran inhaftiert wurden. Quelle: dpa

Der staatliche iranische Fernsehsender Press TV zeigte im Dezember dieses Passfoto eines der beiden deutschen Reporter, die im Iran inhaftiert wurden.

TeheranNach mehr als vier Monaten in iranischer Haft sollen die beiden Journalisten der „Bild am Sonntag“ freikommen, allerdings sollen sie nach den Angaben der Agentur ein Bußgeld von rund 35 700 Euro (500 Millionen Rial) zahlen.
Vom Auswärtigen Amt in Berlin gab es zunächst keine Bestätigung. „Wir bemühen uns, dass unsere beiden Staatsangehörigen so bald wie möglich nach Hause zurückkehren können“, sagte ein Sprecher. Zuvor war ein Gnadengesuch der Angehörigen an die Regierung in Teheran bekanntgeworden.
Die beiden Journalisten der „Bild am Sonntag“, Marcus Hellwig und Jens Koch, waren am 10. Oktober 2010 in der Provinzhauptstadt Täbris beim Versuch verhaftet worden, den Sohn und den Anwalt von Sakineh Mohammadi-Aschtiani zu interviewen. Die Frau war wegen Ehebruchs zum Tode verurteilt worden. Den Deutschen wird ein Verstoß gegen Visabestimmungen vorgeworfen.

Derweil hat der Iran nach Erkenntnissen der US-Geheimdienste Vorarbeiten zur Entwicklung eines Atomsprengkopfes wieder aufgenommen. Allerdings gebe es „ernsthafte Debatten innerhalb des iranischen Regimes“, ob und in welchem Tempo die Forschung und Entwicklung vorangehen solle. Wann das Land tatsächlich über die Bombe verfügen könnte, sei unsicher, heißt es nach einem Bericht der „Washington Post“ (Samstag) in dem internen US-Papier.

Das Dokument gebe eine gemeinsame Einschätzung aller Geheimdienste wieder und nicht nur die Meinung einer einzelnen Behörde. Anders als der letzte vergleichbare Bericht über das iranische Atomprogramm, der vor vier Jahren erstellt wurde, soll die neue Fassung nicht für die Öffentlichkeit zugänglich sein.

Der amerikanische Geheimdienstdirektor James Clapper hatte Mitte der vergangenen Woche auf Grundlage der Erkenntnisse vor einem Senatsausschuss ausgesagt, dass der Iran die „wissenschaftliche, technische und industrielle Kapazität habe“, um einmal Nuklearwaffen produzieren zu können. „Der Iran ist technisch in der Lage, in den kommenden Jahren genügend angereichertes Uran für eine Waffe zu produzieren“, sagte er. Allerdings sei unklar, ob sich das Regime tatsächlich für den Bau entschieden habe.

Auch andere westliche Länder verdächtigen die Islamische Republik, heimlich Atomwaffen bauen zu wollen. Gemeinsame Verhandlungen, um den Iran von einer weiteren Anreicherung von Uran abzubringen, liegen derzeit auf Eis.

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