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22.08.2011

04:22 Uhr

Ende des libyschen Regimes

Zu früh für eine Siegesfreude

Die Rebellen in Libyen beginnen zu feiern. Das dürfe nicht zu Rache und Plünderung führen, mahnte Mahmud Dschibril, ein Vertreter des Nationalen Übergangsrats. Auch US-Präsident Obama beobachtet die Lage in Libyen.

Sieges-Stimmung in Tripolis AFP

Sieges-Stimmung in Tripolis

Tripolis/Vineyard HavenAngesichts des offenbar bevorstehenden Endes des libyschen Regimes hat ein führender Vertreter des Nationalen Übergangsrats zur Zurückhaltung aufgerufen. Am Tag des Sieges appelliere er an das «Gewissen und Verantwortungsbewusstsein» aller Kämpfer gegen Machthaber Muammar el Gaddafi, sagte Mahmud Dschibril in einer in der Nacht zum Montag vom Fernsehsender der Rebellen, Libya el Ahrar, übertragenen Ansprache: «Rächt Euch nicht, plündert nicht, greift keine Ausländer an und achtet die Gefangenen».

Niemand dürfte Gefangene töten, auch dann nicht, wenn es sich um Vertraute Gaddafis, seine Kinder oder seine Familie handelt. Die Übergangszeit biete eine gute Möglichkeit, «alle die Rechte vorzuleben, für die wir gekämpft haben», sagte Dschibril weiter, der als Regierungschef der Rebellen fungiert. «Ich bitte alle meine libyschen Brüder zu beweisen, dass wir in diesem kritischen Moment verantwortungsvoll handeln. Alle Welt beobachtet uns: Entweder wir schaffen die Demokratie oder wir entscheiden uns für die Rache».

Dschibril versprach, dass alle Bürger am Aufbau des neuen Libyen beteiligt würden. Libyen müsse zum Vorbild für die arabische Welt werden. Gleichzeitig warnte Dschibril vor verfrühter Siegesfreude. In Tripolis und seiner Umgebung leisteten Gruppen von Gaddafi-Getreuen nach wie vor Widerstand. «Der Kampf ist noch nicht beendet. Doch mit Gottes Willen wird unser Sieg in einigen Stunden vollkommen sein.»

Die Rebellen hatten am Wochenende mit ihrem Vormarsch auf die Hauptstadt begonnen. Sie kamen offenbar rasch voran, in der Nacht zum Montag hatten sie bereits die Kontrolle über weite Teile der Hauptstadt erlangt. Bilder des britischen Fernsehsenders Sky News zeigten feiernde und jubelnde Gaddafi-Gegner auf dem Grünen Platz, dem wichtigsten Platz im Zentrum der Hauptstadt. Auch in den Straßen von Bengasi, der Hochburg der Aufständischen im Osten des Landes, feierten Zehntausende den bevorstehenden Sieg über Gaddafi.

US-Präsident Barack Obama sagte nach einem Briefing von seinem Sicherheitsberater John Brennan, er warte noch auf eindeutige Informationen über den Verlauf der Kämpfe in Tripolis. Sobald er Genaueres wisse, werde er eine Erklärung abgeben, sagte Obama auf der Insel Martha's Vineyard (Bundesstaat Massachusetts), wo er mit seiner Familie die Ferien verbringt. Zuvor hatte eine Sprecherin des US-Außenministeriums die Offensive der Rebellen in Tripolis bestätigt und versichert, Washington stehe in engem Kontakt mit dem Nationalen Übergangsrat.

Von

afp

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

22.08.2011, 04:56 Uhr

Und was kommt nach Gaddafi?
Zerbricht wieder ein Staat in Stammesfehden und Streit über die zuteilung der Einkünfte aus dem Öl?
Arabische Gesellschaften funktionieren nicht nach dem demokratischen Prinzip, sondern folgen patriarchalischen Strukturen, d.h. ein starker Diktator ist notwendig - leider! Was wurde denn bisher aus Tuneisen und Ägypten? Funktioniert dort etwas besser nach dem Umsturz .. oder doch eher schlechter?
Gaddafi und seine Familie am Leben zu lassen bedeutet doch bei deren finanziellen Möglichkeiten, daß diese Clique laufend versuchen wird aus dem Exil heraus, jede neue Regierung zu destabilisieren.

aruba

22.08.2011, 06:54 Uhr

Guten Tag,.... Ich muss Ihnen Recht geben. Da es in Arabistan jede Menge Palmen gibt, liessen sich doch sicher auch einige Stricke finden um alte Rechnungen zu begleichen. Jede Nachsicht ( jedes Zoegern ) wird in diesen Breiten als " Schwaeche " gedeutet. Also haengt den Kerl mittsammt seiner Kumpane und Ableger. Unsere Mutter die heilige Kirche hat um das Jahr 1100 im Namen Gottes etwa 40000 Andersglaeubige in Jerusalem abgeschlachtet. Die Regeln sind die Selben geblieben. In jedem Krieg werden Sauereien gemacht. Wo gehobelt wird da fallen Spaehne. Auch haben Sie Recht mit Ihren Anmerkungen ueber Aegypten und Tunesien. 40 Jahre Patriarchat Diktatur und Vetternwirtschaft wischt mann nicht mit ein paar Transparenten zur Seite. Besten Dank

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