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07.08.2013

06:54 Uhr

Ende des Turbo-Wachstums

China-Blase vor dem Platzen?

VonDietmar Neuerer

Während im Westen die Banken ihre Risiken mit immer höherem Eigenkapital unterlegen müssen, blähen sich Chinas Institute auf. Ökonomen fürchten eine Kreditkrise. Doch eine aktuelle Studie kommt zu einem anderen Schluss.

Platzt Chinas Kreditblase? Das Land will wachsen um nahezu jeden Preis – auch um den der Überschuldung. Getty Images

Platzt Chinas Kreditblase? Das Land will wachsen um nahezu jeden Preis – auch um den der Überschuldung.

BerlinIst in China eine Kreditblase entstanden, die bald platzt und die chinesische Wirtschaft in eine jahrelange Krise stürzen könnte? Und ist China damit auch ein ernsthafter Risiko-Kandidat für die Weltkonjunktur? Experten verweisen darauf, dass die chinesischen Banken in den vergangenen Jahren ihre Kreditvergabe außerhalb ihrer Bilanzen massiv erhöht haben.

Ökonomen der Commerzbank sehen dennoch nicht die Gefahr des Platzens einer Schuldenblase. Anderslautende Stimmen stammten von Pessimisten, die zweifelhafte Messverfahren für die Verschuldung verwendeten, heißt es in einer Studie der Bank: „Dagegen deuten unsere Berechnungen nicht darauf hin, dass die Realwirtschaft in China viel zu stark verschuldet ist. China macht lediglich eine normale Wachstumsverlangsamung durch, die in der zweiten Jahreshälfte schrittweise auslaufen dürfte.“

Dessen ungeachtet steckt der Staat immer neue Milliarden in Prestigeprojekte, meist finanziert mit kurzfristigen Bankkrediten. Man will wachsen um nahezu jeden Preis – auch um den der Überschuldung. Während im Westen die Banken ihre Risiken mit immer höherem Eigenkapital unterlegen müssen und faule Kredite in Bad Banks abgewickelt werden, blähen sich Chinas Geldhäuser weitgehend unkontrolliert auf. „Zehntausende kleine Regierungsbeamte und Manager in Staatsunternehmen können Investitionen ohne Überwachung tätigen“, sagt Ökonom Michael Pettis von der Peking-Universität.

Der Staat steht – offiziell – relativ schuldenfrei da. Dafür stecken alle Risiken in den Bilanzen der Banken. Pettis beziffert das ausstehende Kreditvolumen des chinesischen Bankensektors auf 180 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung Chinas. Hinzu kämen außerbilanzielle Kredite im Volumen von 100 Prozent des BIPs. Und im unregulierten Schattenbankensystem dürfte das Kreditvolumen 40 Prozent des BIPs betragen.

Damit werden die Geldhäuser zur gefährlichsten Engstelle für die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft. Sie sollen der nach den USA größten Volkswirtschaft der Welt dienen, sind zugleich aber Befehlsempfänger der sozialistischen Zentralregierung. Die Kreditvergabe erfolgt ohne externe Kontrolle.

Problematisch scheint in diesem Zusammenhang auch die Verschuldung der Provinzen und Kommunen. „Die Verschuldung der lokalen Regierungen ist in den vergangenen Jahren zunehmend ins Blickfeld gerückt und zu einer Quelle der Besorgnis geworden“, sagt Ding Shuang, Ökonom bei der Citigroup. Denn unstrittig ist, dass die Schulden auf lokaler Ebene in China in den vergangenen Jahren geradezu explosionsartig gestiegen sind. 2010 waren zuletzt Zahlen zur Verschuldung der Kommunen veröffentlicht worden. Damals lag sie bei 10,7 Billionen Yuan (rund 1,35 Billionen Euro nach heutigem Umrechnungskurs).

Kommentare (38)

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Account gelöscht!

07.08.2013, 07:08 Uhr

"Ökonomen der Commerzbank"
Vielleicht sollten diese "Experten" sich erstmal mit dem eigenen Haus befassen, dort sind die Gefahren größer.

Euroklopapier

07.08.2013, 07:12 Uhr

Sollte die China Balse platzen, gehen unsere Banken und Unternehmen mit hoch! Wer schadenfroh nach China blickt, der wird sich wundern. Unsere Konzerne und Banken haben sehr viel Geld im Feuer. Das Armagedon naht. Aber Sachwerte bleiben Sachwerte. Und Banken und Politiker sind zu 90% Verbrecher.

kulanz

07.08.2013, 07:18 Uhr

Wenn die Commerzbank irgendeine Gefahr nicht wahrnimmt, dann ists meistens schon kurz vor 12.

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