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12.06.2013

15:23 Uhr

Ende für den Staatsrundfunk

Griechenland schaut in die Röhre

VonGerd Höhler

Kein Bild, kein Ton: Griechenland hat den staatlichen Rundfunk ausgeschaltet. Um zu sparen, verzichtet zum ersten Mal eine Regierung auf staatliche Medien. Die deutschen Gebührenzahler beobachten das Experiment gespannt.

Drastischer Sparkurs

Griechenland schaltet Staatsrundfunk ab

Drastischer Sparkurs: Griechenland schaltet Staatsrundfunk ab

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AthenSchwarz. Nichts. Kein Ton, außer dem Summen des Fernsehgeräts. Kein Testbild. Keine Endlosschleife. Einfach Schwarz. Der griechische Staatsfunk Elliniki Radiotiliorasi (ERT) hat abgeschaltet. Das ist so, als wenn in Deutschland ARD und ZDF und alle ihre Schwester, Bruder und Enkelkanäle nicht mehr senden würde. Zugegeben: Hierzulande würden einige notorische Gebührenverweigerer jubeln. Der Gesamteindruck wäre aber: Ein Land schaut in die Röhre.

Genau das passiert in Griechenland. Seit Dienstag um Mitternacht existieren die öffentlich rechtlichen Sender nicht mehr. Griechenland spart und es spart sich nun auch die staatliche Versorgung mit Mediendienstleistungen.

Dem plötzlichen Tod vorausgegangen war ein kurzes Aufblühen und ein langes Siechtum. In Griechenland dauerte die öffentlich-rechtliche Medienära 75 Jahre. 1938 war das erste staatliche Radioprogramm ausgestrahlt worden. Der Staatsfunk diente dazu, das autoritäre Regime des ehemaligen Königs Ionnis Metaxas zu festigen, der sich zwei Jahre zuvor zum Regierungschef hatte wählen lassen. Damals galt der Rundfunk als Machtinstrument.

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Deutschland und sein Propagandaminister hatten vorgemacht, welche Rolle moderne, staatlich gelenkte Medien spielen konnten. Was damals missbraucht wurde, wird heute noch immer gebraucht: Regierungen in aller Welt besetzen Schlüsselposten in staatlichen Medien mit Kandidaten, die ihnen genehm sind. Das gilt für die Mediaset-Gruppe des ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Berlusconi letztlich genauso wie für ARD und ZDF.

Um so auffälliger ist nun die vom konservativen Ministerpräsidenten Antonis Samaras angeordnete Kehrtwende in dieser Jahrzehnte alten Tradition. Seine Anordnung den staatlichen Rundfunks in Griechenland zu schließen, sorgte prompt für politische Turbulenzen: Seine linken Koalitionspartner melden Widerspruch an.

Nach Gewerkschaftsangaben verlieren 2656 Journalisten, Techniker und Verwaltungsangestellte ihre Jobs. Sie erhalten eine Abfindung. Die Redakteure haben aber kaum Hoffnung auf neue Jobs in ihrem Beruf, denn mehrere tausend griechische Journalisten sind wegen der Krise bereits arbeitslos. Die Opposition vermutet, dass die Rundfunkanstalt auf Druck der Troika geschlossen wurde – Griechenland muss im Rahmen des Sparprogramms bis Ende des Jahres rund 5000 Staatsbedienstete entlassen, 2000 davon noch im Juni.

Kommentare (33)

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Eurotiker

12.06.2013, 15:43 Uhr

Liebe Journalisten bei ARD und ZDF aufgepasst: Da wurde von unseren griechischen Freunden jahrelang Systemkonform berichtet und was ist nun der Dank? Wo alle Lügen offenbar werden, keine Verschleierungen und Halbwahrheiten mehr helfen, werden sie durch das System selbst entsorgt. Die nützlichen Idioten haben ausgedient. Schade.
Die lieben griechischen Journalisten haben also jahrelange den Ast gesägt, auf dem sie selbst gesessen haben.
Und jetzt, liebe Journalisten von ARD und ZDF, mal ganz scharf nachdenken ... Viel Spass.

vandale

12.06.2013, 15:47 Uhr

Das Abschalten der staatlichen Propagandasender in Griechenland als Antwort auf die wirtschaftlichen Herausforderungen ist sicherlich eine sehr positive Seite der Wirtschaftskrise.

In Deutschland wird der staatliche Propagandaapparat durch ein Proporzverfahren mit Vertretern der Parteien, Gewerkschaften und Kirchen geleitet. Die Kosten sind sehr hoch, die Propaganda ist mittelmässig und häufig nicht von den Sendungen der wesentlich preiswerter finanzierten privaten Sendern zu unterscheiden.

Regierungskritischen, investigativen Journalismus konnte ich im Deutschen Staatsfernsehen nicht beobachten.

Was spräche dagegen das Deutsche Staatsfernsehen abzuschalten und die Herren von GEZ, ZDF und den Landesrundfunkanstalten nach Hause zu schicken?

Vandale

Account gelöscht!

12.06.2013, 15:51 Uhr

"Da wurde von unseren griechischen Freunden jahrelang Systemkonform berichtet und was ist nun der Dank?"

Woher wissen sie das? Kennen sie die Rolle der medien in der griechschen Diktatur bis 1974?

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