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14.09.2012

11:01 Uhr

Energie

Japan steigt bis 2040 aus der Atomkraft aus

Eineinhalb Jahre nach der Katastrophe im Reaktor in Fukushima hat Japan den Ausstieg aus der Atomkraft beschlossen - allerdings will sich Land dazu bis 2040 Zeit lassen.

Menschen protestieren vor dem Parlamentsgebäude in Tokio gegen Atomkraft. AFP

Menschen protestieren vor dem Parlamentsgebäude in Tokio gegen Atomkraft.

TokioJapan will bis zum Jahr 2040 schrittweise aus der Atomenergie aussteigen. Sie wolle "alle möglichen Maßnahmen" ergreifen, um dieses Ziel zu erreichen, teilte die Regierung in Tokio am Freitag mit. Mit dem Beschluss folgt Japan anderthalb Jahre nach der verheerenden Reaktorkatastrophe in Fukushima im Nordosten des Landes dem Beispiel Deutschlands, wo die Bundesregierung kurz nach dem Unglück die Abschaltung aller Atomkraftwerke bis zum Jahr 2022 beschloss.

In Japan formierte sich seit Fukushima zunehmend Widerstand gegen die Atomkraft. Nach dem durch ein Erdbeben und einen anschließenden Tsunami ausgelösten Atomunglück waren im März 2011 alle weiteren Atomkraftwerke des Landes zu Sicherheitsüberprüfungen abgeschaltet worden. Derzeit sind nur zwei der 54 Reaktoren in Betrieb. Der Ausstieg hat in dem Land größere Ausmaße als in Deutschland, weil bis zu dem Unglück in Fukushima rund 30 Prozent der Energie aus Atomkraftwerken stammte.

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Nach der Kernschmelze in Fukushima, der folgenschwersten Atomkatastrophe seit dem Unglück von Tschernobyl im Jahr 1986, wuchs die weltweite Kritik an der Atomkraft. Großbritannien und Frankreich erklärten aber schnell, am Bau von Reaktoren der nächsten Generation festhalten zu wollen. Die USA gaben für den ersten Bau eines Atomkraftwerks seit dem Jahr 1978 grünes Licht. Indien und China bekräftigten Pläne für dutzende neue Reaktoren in den kommenden Jahren. Neben Deutschland will auch die Schweiz aus der Atomenergie aussteigen.

Bis zur Katastrophe von Fukushima im März 2011 hat Japan die Nutzung der Kernenergie nie infrage gestellt, sondern stetig ausgebaut. Nach dem Unglück wurden zeitweise alle 50 einsatzfähigen Reaktoren im Lande zu Wartungsarbeiten abgeschaltet. Bis dahin hatten die Atomkraftwerke bereits 30 Prozent des Strombedarfs Japans gedeckt. Es gab Pläne, ihren Anteil mit dem Bau weiterer Akw bis 2030 auf mehr als 50 Prozent anzuheben.

Mit mehr als einer Million Gigawattstunden pro Jahr ist Japan der weltweit drittgrößte Stromverbraucher. Nur die USA und China verbrauchen mehr; Deutschland kommt auf 604 000 Gigawattstunden. Das an Bodenschätzen arme Land importiert 96 Prozent des Energiebedarfs.

Vor dem Abschalten der Reaktoren hatten führende Vertreter der Wirtschaft gewarnt, Strommangel und steigende Energiepreise könnten zu einer beschleunigten Abwanderung der Produktion aus Japan führen. Als Ersatz für Atomstrom wurden dann alte Thermalkraftwerke wieder angefahren. Die erhöhte Einfuhr von Erdgas und Rohöl trug dazu bei, dass Japan 2011 erstmals seit mehr als 30 Jahren ein Defizit in der Handelsbilanz auswies.

Von

afp

Kommentare (9)

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Rumpelstilzchen

14.09.2012, 11:03 Uhr

Späte Einsicht, aber immerhin - nur sollte es schneller gehen! Am Beispiel Japan sieht man, wie der Kapitalismus von kriminellen Strukturen abgelöst worden ist. Die Gewinne von TEPCO waren privat, nun wo Milliarden-Verluste für die Schäden der Reaktorkatastrophe aufgelaufen sind, wurde das Unternehmen verstaatlicht - die Kosten also der Allgemeinheit aufgebürdet. Genauso ist es bei uns. Die Kernkraftwerke sind für Schäden von 500 Millionen versichert, ein GAU würde 2,5 Billionen kosten! Müssten sich die KKW-Betreiber versichern wie jeder Autofahrer, wäre das Märchen vom "billigen" Atomstrom sofort der Lüge überführt!

troll2007

14.09.2012, 12:53 Uhr

naja mal sehen wie teuer es für den deutschen steuerzahler wird, wenn ein tsunamie in der nordsee alle offshore-windanlagen hinwegfegt mitsamt der transformatorplattformen usw..

mx1

14.09.2012, 15:01 Uhr

Zumindest sind danach die Fische nicht verstrahlt und essbar!

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