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08.01.2007

14:25 Uhr

Energie-Streit

„Druschba“-Pipeline steht wegen Öl-Klau still

Deutschland ist zum Leidtragenden eines Energie-Konflikts in Osteuropa geworden: Weil Weißrussland Tausende von Tonnen Rohöl aus der Transit-Pipeline „Druschba“ abzapfte, speist die russische Seite nichts mehr in die wichtigste Ader für das schwarze Gold aus Russland in die Bundesrepublik ein. Raffinerien leben nun vom Eingemachten.

Hier könnte das abgezweigte Öl lagern: Öltanks im weißrussischen Novopolotsk an der Druschba-Erdölleitung. Foto: ap ap

Hier könnte das abgezweigte Öl lagern: Öltanks im weißrussischen Novopolotsk an der Druschba-Erdölleitung. Foto: ap

HB MOSKAU/MINSK. Der russische Pipeline-Betreiber Transneft erklärte am Montag, Weißrussland versorge sich seit Sonnabend illegal mit Öl aus der Pipeline „Druschba“ (Freundschaft). Unternehmenschef Semjon Waintschok sagte, bisher seien 79 000 Tonnen Rohöl illegal abgezweigt worden. Transneft suche nach anderen Routen, um Deutschland und auch Polen zu versorgen. Waintschok verwies auf den Ostseehafen Primorje in der russischen Exklave Kaliningrad, zu dem russisches Öl nur durch Polen oder Litauen fließen muss. Der Unternehmenschef sagte wörtlich: „Die weißrussische Seite muss zum Regime der Einhaltung der internationalen Normen und Regeln zurückkehren, welche diskriminierende Maßnahmen gegen Transitlieferungen ausschließen. Der Transittransport ist eine 'heilige Kuh'“.

Das weißrussische Außenministerium wusch seine Hände in Unschuld. Weißrussland sei für den Druckabfall in der Pipeline nicht verantwortlich, hieß es. Ministeriumssprecher Andrei Popow meinte allerdings vieldeutig, die Regierung habe Maßnahmen ergreifen müssen, um wirtschaftlichen Schaden infolge von verknappten Energieressourcen abzuwenden. Eine Erklärung gab er nicht.

Nach Angaben aus Polen wurde die Ölversorgung über die „Druschba“-Pipeline in der Nacht zum Montag gestoppt. Die Raffinerie PCK im brandenburgischen Schwedt, die einen Großteil ihres Rohöls über die Rohrleitung bezieht, berichtete, sie bekomme seit sechs Uhr kein Öl mehr. Unternehmssprecher Karl-Heinz Schwellnus sagte, bereits am Wochenende habe es vier bis fünf Unterbrechungen gegeben, die jeweils einige Stunden dauerten. PCK verarbeitet nach eigenen Angaben rund jede zehnte in Deutschland eingesetzte Tonne Rohöl.

Eine Sprecherin des französischen Total-Konzerns, die in Leuna in Sachsen-Anhalt die zweite der beiden ostdeutschen Raffinerien betreibt, sagte, es gebe genügend Reserven für den Weiterbetrieb der Raffinerien. Bei einem längeren Lieferausfall werde das Unternehmen Rohöl aus anderen Quellen beziehen. „Die Raffinerien werden auf jeden Fall weiterarbeiten“, fügte die Sprecherin hinzu. PCK verwies darauf, dass sie auch mit dem Ostseehafen Rostock über eine Pipeline verbunden und von dort Öl beziehen könnte. Die beiden Raffinerien verarbeiten pro Jahr je elf Millionen Tonnen Öl.

Ein Sprecher von EU-Energiekommissar Andris Piebalgs verwies zudem auf die Vorräte, die in Deutschland und Polen generell für derartige Lieferunterbrechnungen angelegt worden seien. Deutschland habe derzeit Ölvorräte für mehr als 130 Tage. Die Reserve in Polen reiche für mehr als 70 Tage. Die Raffinerien, die an die unterbrochene Druschba-Pipeline angeschlossen seien, könnten mit ihren Vorräten 40 Tage weiter arbeiten.

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