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06.01.2009

11:46 Uhr

Energie-Streit

Gasspeicher gegen Lieferengpässe

VonKlaus Stratmann

Trotz Eskalation im Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine geben sich die großen deutschen Gasimporteure betont gelassen: Übereinstimmend berichten Unternehmen wie Eon Ruhrgas, Wingas, Verbundnetz Gas (VNG) und RWE Energy, dass die Lage im Griff sei. Zur Not gebe es Speicher, die Deutschland über mehrere Wochen mit Gas versorgen könnten.

Erdgasspeicher in Kiel. Foto: ap ap

Erdgasspeicher in Kiel. Foto: ap

BERLIN. Nach Angaben des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) gibt es hierzulande 46 unterirdische Gasspeicher, die etwa 20 Mrd. Kubikmeter Gas aufnehmen. Das entspricht in etwa einem Viertel des in Deutschland jährlich verbrauchten Gases.

Allerdings sagt die Speicherkapazität nichts darüber aus, wieviel Gas tatsächlich derzeit unterirdisch gelagert wird. In dieser Hinsicht wollen sich die Speicherbetreiber nicht in die Karten schauen lassen. Man sei „gut vorbereitet“, hatte es Ende vergangenen Jahres lediglich geheißen, als sich bereits abzeichnete, dass Russland und die Ukraine zum Jahreswechsel wieder über Gaslieferungen streiten würden. Erst dann, wenn sich Lieferkürzungen als gravierend herausstellten, sie lange anhielten und der Winter besonders kalt werde, stoße man an Grenzen, hieß es etwa bei Eon Ruhrgas. In der Branche heißt es, für 70 Tage dürften die Vorräte in Deutschland selbst im Winter reichen.

Ursprünglich waren die unterirdischen Gasspeicher nicht mehr als eine technische Notwendigkeit: Während das Gas aus den Förderländern kontinuierlich strömt, schwankt der Verbrauch in den Empfängerländern sehr stark. Im verbrauchsschwachen Sommer wird daher Gas eingelagert, um es im verbrauchsstarken Winter an die Kunden weiterzugeben.

Mittlerweile sind die Speicher aber mehr als nur Instrumente des saisonalen Ausgleichs. Man benötige sie zunehmend auch für eine „flexible Bezugsoptimierung“, heißt es etwa bei Wingas. Mit anderen Worten: Da der Gasmarkt sich geöffnet hat und heute kurzfristiger funktioniert als noch vor wenigen Jahren, bringen Speicherkapazitäten strategische Vorteile. Wer einem Kunden im richtigen Moment kurzfristig Gas liefern kann, kann unter Umständen viel Geld verdienen. „Speicher sind ein strategisches Instrument geworden, das im Wettbewerb eine wachsende Rolle spielt“, heißt es bei einem Betreiber.

Darum werden die Kapazitäten derzeit kräftig ausgebaut. Nach Angaben des BDEW gab die Branche 2007 rund 100 Mio. Euro für Gasspeicheranlagen aus, 2008 dürfte der Betrag voraussichtlich bei 130 Mio. Euro gelegen haben.

Beispiel Wingas: Das Unternehmen verfügt mit dem Erdgasspeicher in Rehden südlich von Bremen über den größten Speicher Westeuropas. Er fasst 4,2 Mrd. Kubikmeter. Der Speicher Haidach, gelegen kurz hinter der deutsch-österreichischen Grenze und mit einer eigenen Leitung ans deutsche Netz angebunden, fasst 1,2 Mrd. Kubikmeter, bis 2011 wird die Kapazität verdoppelt. Den Speicher Haidach teilt sich Wingas mit Gazprom und einem österreichischen Unternehmen. Eon Ruhrgas verfügt derzeit über zwölf einsatzbereite Erdgasspeicher, die Speicherkapazitäten des Unternehmens betragen mehr als fünf Mrd. Kubikmeter. Insgesamt gibt es in Deutschland 25 Betreiber von Erdgasspeichern.

Mit den Speicherkapazitäten von 20 Mrd. Kubikmetern steht Deutschland in Europa mit Abstand an der Spitze. Es folgen Italien (13,3 Mrd. Kubikmeter) Frankreich (10,8 Mrd. Kubikmeter) und Großbritannien (4,4 Mrd. Kubikmeter).

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