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02.01.2006

12:04 Uhr

Energiekonflikt

Moskau und Kiew spielen Schwarzer Peter

Nach Ungarn und Polen meldet nun auch Österreich reduzierte Gaslieferungen aus Russland. Engpässe bei Großkunden seien nicht völlig auszuschließen, heißt es in Wien. In Deutschland ist Wirtschaftsminister Glos alarmiert und schickt mahnende Worte an Moskau. Doch Gazprom reicht den Schwarzen Peter weiter.

Erpressungsvorwürfe gegen Moskau: Der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko. Foto: ap

Erpressungsvorwürfe gegen Moskau: Der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko. Foto: ap

HB BERLIN. Nach dem Stopp der russischen Gaslieferungen an die Ukraine hat der vom Kreml kontrollierte Konzern Gazprom der Führung in Kiew den Diebstahl von 100 Millionen Kubikmeter Gas vorgeworfen. Die an einem Tag entwendete Gasmenge entspreche einem Wert von 25 Millionen Dollar (21 Millionen Euro), sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende von Gasprom, Alexander Medwedew.

Die Regierung in Kiew dementierte dies. Die Ukraine praktiziere keine illegale Entnahme von russischem Gas, betonte der ukrainische Energieminister Iwan Platschkow. Man komme derzeit mit eigenen Reserven und Gas aus Turkmenien aus.

Der russische Gasmonopolist Gazprom stoppte am Sonntag Gas-Lieferungen an die Ukraine. Zuvor hatte sich die Regierung in Kiew geweigert, eine Preisanhebung von 50 auf 230 Dollar je 1000 Kubikmeter Erdgas zu akzeptieren. Gazprom hat seine Forderung mit international üblichen Preisen begründet. Die Ukraine vermutet indes eine Bestrafung für die pro-westliche Haltung der Regierung. Sie ist zwar mit einer Angleichung an das Weltniveau einverstanden, fordert aber eine Übergangsphase.

Der russisch-ukrainische Gasstreit führt nun offenbar auch zu Liefereinschränkungen in anderen Ländern Europas. In Ungarn kam gestern Abend etwa 25 Prozent weniger russisches Erdgas an als vertraglich abgesprochen. Dies bestätigte ein Sprecher des ungarischen Mineralölunternehmens MOL dem ungarischen Rundfunk. Großkunden wie Kraftwerke seien gebeten worden, ab heute Morgen, 6 Uhr, auf Öl oder andere Brennstoffe umzustellen. Privathaushalte seien von der Verknappung nicht betroffen.

Auch in Österreich seien 18 Prozent weniger russisches Gas angeliefert worden, sagte eine Sprecherin des österreichischen Energieversorgers OMV der Nachrichtenagentur APA. Man habe aber genug Vorräte, um den Lieferausfall "für längere Zeit" auszugleichen. Auch Polen und die Slowakei meldeten einen Rückgang der russischen Gaslieferungen. Polen, über dessen Staatsgebiet die Pipelines nach Deutschland führen, berichtete von einem Druckabfall in den Leitungen. Das Wirtschaftsministerium versicherte aber, Polen verfüge über ausreichende Vorräte.

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