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02.01.2009

13:52 Uhr

Energiepolitik

Ukraine sucht im Gasstreit EU-Unterstützung

Im Gasstreit mit Russland bemüht sich die Ukraine um Unterstützung in Europa. Eine Delegation unter Führung des ukrainischen Energieministers Jurij Prodan brach am Freitag nach Prag auf. Brüssel sollte eine weitere Station der Reise sein.

HB MOSKAU/BERLIN. Direkte Kontakte zwischen Kiew und Moskau waren vorerst nicht geplant. In Deutschland wurden keine Störungen in der Gasversorgung registriert.

Ein Sprecher des größten deutschen Gasimporteurs Eon Ruhrgas erklärte: „Das Gas fließt. Wir bekommen, was wir bestellt haben.“ Allerdings wären eventuelle Auswirkungen des russischen Lieferstopps für die Ukraine auf die deutsche Gasversorgung nach Angaben des Sprechers auch frühestens Anfang nächster Woche spürbar. So lange dauert es, bis das Gas in den Pipelines den Weg nach Deutschland zurückgelegt hat.

Bundeswirtsminister Michael Glos forderte, dass „die Gaslieferungen an Europa zuverlässig durchgeführt werden“. Glos erklärte, Streit zwischen zwei Ländern dürfe nicht dazu führen, dass vertragliche Verpflichtungen gegenüber Dritten nicht nachgekommen werde.

Der russische Gasmonopolist Gazprom hatte am Donnerstag im Streit um unbezahlte Rechungen und künftige Lieferbedingungen alle Gaslieferungen an die Ukraine gestoppt. Die Entscheidung weckte Erinnerungen an einen ähnlichen Streit 2006, als auch die Lieferungen an Westeuropa zeitweise eingeschränkt waren. Gazprom teilte gleichzeitig mit, es habe die Gasmenge in den Leitungen erhöht, die hauptsächlich Europa belieferten. Die ukrainische Regierung erklärte, sie garantiere den reibungslosen Transit.

Die deutsche Gaswirtschaft war nach den Worten von Glos auf den Gasstreit vorbereitet. Er appellierte am Freitag an die beiden Länder, eine Lösung zu finden, „die den Interessen aller Betroffenen Rechnung trägt.“ Der Minister erklärte, die deutschen Gasversorgungsunternehmen hätten sich auf die Situation sorgfältig vorbereitet. Die Gasversorgung in Deutschland sei dank großer Speicher und der Diversifizierung der Bezugsquellen und Transportleitungen derzeit nicht betroffen.

Nach Ansicht der Energiewirtschaft ist es „nicht denkbar“, dass Gazprom wie im Fall der Ukraine deutsche Lieferungen kappt. Das sagte ein Sprecher des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft der „Thüringer Allgemeine“. Die deutschen Ferngasgesellschaften hätten mit ausländischen Lieferanten Verträge, die teilweise bis in das Jahr 2035 reichten, sagte der Sprecher. Während der bis heute 35 Jahre währenden russischen Gaslieferung an die Bundesrepublik sei „nie eine Unzuverlässigkeit“ aufgetreten.

Die Ukraine hofft unterdessen auf eine schnelle Kompromisslösung. Staatspräsident Viktor Juschtschenko sagte am Donnerstag in Kiew, er erwarte in Kürze die Wiederaufnahme der Verhandlungen und ihren erfolgreichen Abschluss bis zum 7. Januar.

Die Ukraine hat nach Angaben des russischen Gaskonzerns Gasprom über 2,1 Mrd. Dollar nicht gezahlt. Der staatliche ukrainische Gasversorger Naftogaz erklärte, ausstehende Schulden von 1,5 Mrd. Dollar seien bezahlt worden. Beide Seiten streiten außerdem über den zukünftigen Gaspreis.

Russland ist Deutschlands wichtigster Gaslieferant. 37 Prozent des in Deutschland verbrauchten Gases stammen von dort. Rund 26 Prozent beziehen die deutschen Energieversorger aus Norwegen, weitere 18 Prozent aus den Niederlanden. 15 Prozent stammen aus deutscher Förderung. Rund vier Prozent kommen aus Dänemark und Großbritannien.

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