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23.01.2009

15:16 Uhr

Energieversorgung

Bulgarien beschließt Reaktoren-Neustart

Obwohl das russische Gas wieder fließt, hat das bulgarische Parlament beschlossen, zwei Reaktoren im umstrittenen Atomkraftwerk Kosloduj wieder anzufahren. Die beiden 440-Megawatt-Blöcke sowjetischer Bauart sind erst im Jahr 2007 abgeschaltet worden. Die EU stellt für das Wiederanfahren hohe Auflagen.

Auch die Slowakei will einen abgeschalteten Reaktor in Jaslovske Bohunice wieder hochfahren. Foto: dpa dpa

Auch die Slowakei will einen abgeschalteten Reaktor in Jaslovske Bohunice wieder hochfahren. Foto: dpa

HB SOFIA. das Parlament beauftrage die Regierung, in Zusammenarbeit mit der EU-Kommission das Anfahren der beiden Kraftwerksblöcke vorzubereiten. Die Abgeordneten begründeten die Entscheidung mit der Gaskrise sowie der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise. Vom russischen Gasmonopolisten Gazprom fordert Bulgarien zudem einen Ausgleich für die ausgefallenen Lieferungen. Die Slowakei will auf einen ebenfalls diskutierten Reaktor-Neustart verzichten.

Rechtlich besteht laut EU für Bulgarien eine Ausnahmemöglichkeit, um das Wiederanfahren der Reaktoren befristet zu genehmigen. Bei außergewöhnlichen Umständen kann in Brüssel innerhalb von drei Jahren nach dem EU-Beitritt ein Neustart beantragt werden. Diese Frist läuft für das 2007 beigetretene Bulgarien erst Ende 2009 ab. Dennoch stellt die EU hohe Auflagen. "Die bulgarische Regierung müsste dafür ernsthafte und andauernde Risiken für die Wirtschaft des Landes darlegen", betonte ein Sprecher der Kommission.

Die umstrittenen Reaktoren in dem bulgarischen Kraftwerk Kosloduj an der Donau wurden wegen Sicherheitsbedenken vor dem EU-Beitritt 2007 abgeschaltet. Dies gehörte zu den Voraussetzungen für seine EU- Mitgliedschaft, doch viele Politiker in Sofia hatten schon damals die Stilllegung als "einen politischen Fehler" kritisiert. In den letzten zwei Jahren gingen die bulgarischen Stromexporte in die Nachbarländer drastisch zurück. Das Balkanland will nun durch mehr Stromexporte seine finanziellen Verluste durch den zweiwöchigen Gasausfall kompensieren. Die am schwersten betroffenen Unternehmen berichteten von Verlusten von 100 Millionen Euro.

Der russische Gaskonzern Gazprom soll für die Gas-Ausfälle gerade stehen. Der Vize-Chef von Gazprom, Alexander Medwedew, erhielt während eines Besuchs in der Hauptstadt Sofia ein Schreiben mit drei Vorschlägen: Sie reichen vom finanziellen Ausgleich über ein Preisnachlass bis hin zum Zugang zum russischen Transitsystem für Lieferungen aus Drittstaaten. Gazproms Antwort werde binnen zwei Wochen kommen, sagte Medwedew.

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