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07.01.2009

07:40 Uhr

Energieversorgung

Gasstreit: Auf dem Nullpunkt

VonMathias Brüggmann, Gerd Höhler, Stefan Menzel

Der Gasschock kommt mitten in einer bitterkalten Winternacht und trifft die ost- und südosteuropäischen Länder hart. Als die russischen Erdgaslieferungen aus der Ukraine um 3.30 Uhr Ortszeit ohne jedwede Vorwarnung eingestellt werden, sinken die Temperaturen in den Keller. Viele betroffene Staaten suchen jetzt nach Alternativen.

Unter den EU-Mitgliedstaaten leidet neben der Slowakei und Bulgarien vor allem Österreich am stärksten. Foto: dpa Quelle: dpa

Unter den EU-Mitgliedstaaten leidet neben der Slowakei und Bulgarien vor allem Österreich am stärksten. Foto: dpa

BERLIN/ATHEN/WIEN. Mit dem Erdgaslieferstopp sinken in der bulgarischen Schwarzmeerstadt Varna die Temperaturen. 12 000 Haushalte in dem beliebten Urlaubsort können nicht mehr beheizt werden. "Bulgarien wird am schlimmsten vom russisch-ukrainischen Gasstreit getroffen. Obwohl wir immer unsere Gasrechnungen bezahlt haben", sagt Sofias Präsident Georgi Parvanov gestern Nachmittag. Neochim, eines der größten chemischen Unternehmen des Landes, musste wegen der Versorgungslücke bei Gas die Produktion einstellen.

Im benachbarten Bratislava ruft parallel der slowakische Gasversorger SPP den "Gas-Notstand" aus: Das zu 49 Prozent von Eon-Ruhrgas und Gaz de France-Suez gehaltene Unternehmen kündigt an, von nun an könne jederzeit wegen Lieferengpässen von Russen-Gas einzelnen Großabnehmern in der Slowakei der Gashahn abgedreht werden. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, die Heizungen herunterzudrehen. Haushalte würden aber nicht von der Gasversorgung abgeschaltet, verspricht SPP-Aufsichtsratschef Bernd Wagner.

Bulgarien und die Slowakei - wo die Versorgungs-Transitpipeline aus der Ukraine das russische Erdgas normalerweise anlandet - erhalten wegen des Gasstreits zwischen Russland und der Ukraine seit gestern 70 Prozent weniger Brennstoff aus dem Osten. Pikanterweise gehört Bulgariens größter Gasanbieter Overgas zu 50 Prozent dem Kreml-Konzern Gazprom, der seit dem Neujahrstag kein Erdgas mehr an die ukrainische Naftogaz liefert und seit gestern auch die Transitmengen für Europa durch das Nachbarland deutlich heruntergefahren hat.

Doch Gazprom schneidet sich auch andernorts ins eigene Fleisch: Ausgerechnet die nur vom Kreml unterstützte, aber zu Moldawien gehörende sogenannte Dnjestr-Republik erhält seit gestern überhaupt kein Russen-Erdgas mehr. Dort musste die Heißwasseraufbereitung eingestellt und die Wärmeversorgung der Wohnungen deutlich runtergedreht werden.

Unter den EU-Mitgliedstaaten leidet neben der Slowakei und Bulgarien vor allem Österreich am stärksten: Laut OMV, Österreichs führendem Gas- und Ölproduzenten, kamen in der Pipeline am Gas-Übergabepunkt Baumgarten unweit der österreichisch-slowakischen Grenze gestern nur noch zehn Prozent der normalen Liefermenge an. OMV pumpt deshalb Ersatz aus eigenen Erdgasspeichern in das österreichische Netz. "Die Versorgungssicherheit ist damit bis auf weiteres gesichert", sagte der zuständige OMV-Vorstand Werner Auli.

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