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20.12.2014

16:40 Uhr

Energieversorgung

Wenn in Kiew das Licht ausgeht

VonNina Jeglinski

Die Lichterketten leuchten, doch die Wohnungen bleiben kalt. Denn die Energieversorgung der Ukraine steht kurz vor dem Zusammenbruch. Die offizielle Erklärung dafür ist der Krieg – doch der ist nicht der einzige Grund.

Der Unabhängigkeitsplatz in Kiew ist hell erleuchtet – doch wie lange noch? Der Ukraine droht ein Energienotstand. Imago

Der Unabhängigkeitsplatz in Kiew ist hell erleuchtet – doch wie lange noch? Der Ukraine droht ein Energienotstand.

KiewStromausfall in mehr als 100 Städten und Siedlungen, Minister, die sich weltweit nach Kohlelieferungen umsehen, und Oligarchen, die das Land sehenden Auges in eine gefährliche Energiekrise hineinreiten: Als ob die Ukraine mit dem Krieg im Donbass und einer schweren Wirtschaftskrise nicht genug zu tun hätte, droht nun auch noch ein Energienotstand.

Wer dieser Tage durch Kiew geht, dem fällt nicht auf, dass die Energieversorgung des Landes kurz vor dem Zusammenbruch steht. Im Gegenteil, an den Gebäuden in der Kiewer Innenstadt werden Lichterketten angebracht, am 19. Dezember, dem Nikolaustag in der orthodoxen Kirche, beginnt die Vorweihnachtszeit.

Doch wer an den Stadtrand oder in die Dörfer der Zentralukraine fährt, trifft auf Stromabschaltung und kalte Stuben. „Derzeit können weder die Kernkraftwerke, die Kohlekraftwerke oder die Wasserkraftwerke ihre volle Leistung bringen, weil schlicht überall Kohle oder Gas fehlen“, sagt ein Mitarbeiter der Parlamentsfraktion Samopomitsch, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte.

Wir einigen uns darauf, ihn Alexander zu nennen. Die offizielle Erklärung für den Energiemangel in diesem Winter ist der Krieg in der Ost-Ukraine. „Doch das ist nur die halbe Wahrheit“, gibt sich Alexander überzeugt. Seiner Meinung nach spielen auch ukrainische Oligarchen mit, die engste geschäftliche Verbindungen zu Russland unterhalten und in den vergangenen zwei Jahrzehnten steinreich mit einer eher fragwürdigen Energiekooperation mit Russlands Energiemonopolisten geworden sind.

Ukraine: Poroschenkos 15-Punkte-Friedensplan

Sicherheitsgarantie

- Sicherheitsgarantien für alle Teilnehmer an Verhandlungen.

- Befreiung von strafrechtlicher Verfolgung derjenigen, die die Waffen niederlegen und keine schweren Verbrechen begangen haben.


Pufferzone

- Freilassung von Gefangenen.

- Schaffung einer Pufferzone von zehn Kilometern an der russisch-ukrainischen Grenze. Abzug illegal bewaffneter Formierungen.

Rückzug

- Garantierter Korridor für den Abzug russischer und ukrainischer Söldner.

- Entwaffnung.

Absicherung

- Schaffung von Einheiten innerhalb der Struktur des Innenministeriums für die Absicherung gemeinsamer Patrouillen.

Machtorgane

- Freigabe illegal besetzter administrativer Gebäude in den Donezker und Lugansker Gebieten.

- Wiederherstellung der Tätigkeit der örtlichen Machtorgane.


Dezentralisierung

- Wiederaufnahme der zentralen Fernseh- und Radioübertragung in den Donezker und Lugansker Gebieten.

- Dezentralisierung der Macht (durch die Wahl von Komitees, Schutz der russischen Sprache, Projekt einer Verfassungsänderung).


Wahlen

- Absprache der Gouverneure mit den Vertretern des Donbass vor Wahlen (Einigung auf eine Kandidatur, bei Uneinigkeit trifft der Präsident die Entscheidung).

- Vorgezogene Kommunal- und Parlamentswahlen.

Industrie und Infrastruktur

- Programm für die Schaffung von Arbeitsplätzen in der Region.

- Wiederaufbau von Industrieobjekten und sozialer Infrastruktur.

Russland liefert nicht nur riesige Mengen Erdgas. Auch Kohle und Brennstäbe für die insgesamt vier Atomkraftwerke, die zusammen 30 Prozent des ukrainischen Energiebedarfs decken, kommen vom großen Nachbarn. „Das hat Tradition, ist seit der Sowjetunion so, und wenn es nach denjenigen geht, die sich daran eine goldene Nase verdienen, soll es auch so bleiben“, sagt Alexander.

Die Ukraine gilt als einer der größten Verbraucher russischen Erdgases überhaupt, zuletzt importierte Kiew pro Jahr rund 30 Milliarden Kubikmeter. Für russischen Atombrennstoff zahlt die Ukraine pro Jahr 600 Millionen US-Dollar, das Land ist zu 90 Prozent abhängig von Lieferungen aus Russland. Ähnlich sieht es bei der Kohle aus. Früher hat die Ukraine exportiert, dieses Jahr fehlen Millionen Tonnen. Dabei liefern die Kohlekraftwerke etwa 40 Prozent des ukrainischen Stroms. Derzeit werden von potenziellen 55.000 Megawatt an Stromproduktion nur etwa 26.000 Megawatt hergestellt.

Kommentare (1)

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Herr Michael Will

22.12.2014, 19:54 Uhr

Ich bin seit 2006 geschäftlich in UA tätig , habe den schlimmen Zirkus auf dem Maidan miterlebt lebe seit 4 Monaten ständig hier in Kiew und kann bestätigen, daß der Mann ( die Frau ) auf der Straße etwas Hoffnung hatten, was die Verbesserung der Lebensumstände betrifft. Jeder normale Mensch, mit dem man hier sprechen kann sagt ganz einfach: wozu der "Maidan" ? Es hat sich nichts geändert ! Ganz im Gegenteil Kiew verkommt zu einem "Patomkinschen Dorf" in den großen Wohngebieten hängen Zettel aus, mit Informationen, wann es wenig Wasser gibt, wann der Strom abgeschaltet wird ( für die Benutzer der Auzüge in den zahlreichen Hochhäusern besonders wichtig) usw. Was kann man vom Leben in der Kolonie der USA auch anders erwarten. In der Nationalbank geben sich die Typen wie Kolomoiski, Firtasch ( Skype ) und viele andere beschriebene Blätter die Klinke in die Hand um wahrscheinlich Ihre Pfründe zu retten, was sie bis dahin nicht geschafft haben. Den rechtmäßig gewählten Präsidenten Janukovich ( der ja sowieso gegangen wäre, hat er auch unterschrieben... )hat man widerrechtlich geputscht, und nun ? Ein Oligarch geht, der andere kommt, wird alles nur viel schlimmer, armes Land an der Grenze ( U - Kraine ).Die USA mit Ihrem Fracking ( viel zu teuer um die Ukraine mit dem so gewonnenen Gas aus den Karparten und dem Donbass zu versorgen ) sind der eigentliche Nutzniesser und die dummen Deutschen machen da auch noch mit, UNGLAUBLICH !!!! Michael

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