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10.07.2017

10:16 Uhr

Energiewende-Gesetz

Frankreich könnte bis zu 17 Atomreaktoren abschalten

Bis 2025 soll der Atomanteil an der Stromproduktion in Frankreich auf 50 Prozent gedrückt werden. Dafür wird das Land nach Angaben von Umweltminister Nicolas Hulot bis zu 17 Atomreaktoren abschalten müssen.

Bislang gibt es nur für das umstrittene Atomkraftwerk Fessenheim einen Plan zur Schließung. AFP; Files; Francois Guillot

Atomkraftwerk Fessenheim

Bislang gibt es nur für das umstrittene Atomkraftwerk Fessenheim einen Plan zur Schließung.

ParisFrankreich könnte nach Angaben von Umweltminister Nicolas Hulot bis zu 17 Atomreaktoren abschalten. Dies sei nötig, um das Ziel des Energiewende-Gesetzes zu erfüllen, den Atomanteil an der Stromproduktion bis 2025 auf 50 Prozent zu drücken, sagte Hulot am Montag im französischen Radiosender RTL.

Bislang kommen etwa drei Viertel des französischen Stroms aus Atomkraft. Das Land hat 58 Reaktoren.

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„Jeder kann verstehen, dass wir eine gewisse Anzahl Reaktoren schließen werden, um dieses Ziel einzuhalten“, sagte Hulot. „Lassen Sie mich die Dinge planen, es werden vielleicht bis zu 17 Reaktoren sein, man muss sich das anschauen.“

Das Ziel einer Senkung des Atomkraft-Anteils an der Energieerzeugung war 2015 beschlossen worden. Bislang gibt es nur für das umstrittene Atomkraftwerk Fessenheim einen Plan zur Schließung – ein entsprechendes Dekret hatte die Vorgängerregierung noch im April auf den Weg gebracht.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Herr Holger Narrog

10.07.2017, 10:46 Uhr

Vor ein paar Jahren plante mein damaliger Arbeitgeber eine neue Produktion eines neuen Produkts einzurichten. Ich reiste durch Europa. Ein französischer Standort bewarb sich. Die Hauptargumente dieses Standorts waren neben vorhandenen Gebäuden, diversen Subventionen, der preiswerte Strom.

Wenn man jetzt in Frankreich einem der wenigen verbliebenen Standortvorteile dem Garaus zu machen gedenkt, stellt sich mir die Frage wovon die französische Volkswirtschaft zu leben gedenkt...Ich denke "Le Boche payee" dürfte genauso wenig funktionieren wie seinerzeit nach dem WKI. Auch wenn Fr. Merkel und das Deutsche Politiksystem sehr freizügig mit Deutschen Steuergeldern umgehen dürfte der Deutsche Steuerzahler wie bereits nach dem WKI mit einer Alimentierung Frankreichs überfordert sein.

Hintergrund: Frankreich hat 58 umweltfreundliche KKW in Betrieb. Kernkraftwerke verursachen sehr hohe Baukosten, aber nur sehr geringe Brennstoffkosten. Diese wurden in den 70 - 90er Jahren errichtet und sind weitestgehend abgeschrieben. Mittlerweile gibt es einigen Erneuerungsbedarf (Bsp. Dampferzeuger, Sicherheitssysteme, Leittechnik). Diese Kernkraftwerke erlauben Frankreich eine nahezu konkurrenzlos preiswerte Stromversorgung. Diese KKW erlauben Frankreich bei Klimaschwindelkonferenzen ohne teure Aktivitäten gut auszusehen.

Herr Frank Hockertz

10.07.2017, 11:26 Uhr

mmh ... Die Sache mit dem billigen Atom-Strom in Frankreich kann ich nicht bestätigen.
Meiner Erfahrung nach gab es in den letzten Jahren immer mehr Probleme weil:
a) in den heißen Sommern die Flüsse nicht genug Kühlwasser zur verfügung stellen konnten. Als Folge waren erzwungene Leistungskürzungen erforderlich.
b) im Winter die Bevölkerung mit dem Strom ihre Wohnungen heizt.
Jedefalls werden die Bürger in der Bretagne immer mal wieder per SMS zum Stromsparen aufgefordert.
Mal abgesehen davon: in Frankreich brennt das Problem mit den erschöpften Lagerkapazitäten für Atommüll noch viel stärker als bei uns. In den Atlantik kippen (wie in den 60er und auch 70er) will man es jedenfalls nicht mehr.

Herr Holger Narrog

10.07.2017, 12:31 Uhr

Hallo Herr Hockertz...ich habe den Eindruck, dass Sie einen Kommentar gegen die Kernenergie schreiben weil Sie meinen, dass das von Ihnen erwartet wird.

a. Das Kraftwerke im Sommer bei fehlendem/zu warmen Kühlwasser heruntergefahren werden, betrifft nicht nur KKW, sondern alle modernen Grosskraftwerke in ganz Südeuropa.
b. Das die Franzosen mit Strom heizen ist dem preiswerteren Strom in Frankreich geschuldet. Dadurch gibt es im Winter Verbrauchsspitzen die herausfordernd sind. Lösen lässt sich das beispielsweise durch Verträge mit Deutschen Kraftwerken, oder eigenen Gasturbinen.

Die Ökosaga von der "ungelösten Endlagerfrage" ist in Frankreich weniger populär. Abgebrannter Kernbrennstoff wird wiederaufbereitet. Die Suche nach einer Lagerstätte für die Reststoffe wurde in Frankreich später begonnen und ist (noch?) kein derartiges Politikspektakel wie in D. Insofern ist es durchaus wahrscheinlich das man ein derartiges Lager in einem erträglichen Zeit- und Kostenrahmen errichtet.

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