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02.09.2012

16:18 Uhr

Enrico Letta im Interview

„Italien braucht keine Hilfe von Europa“

Die Schuldenkrise lässt sich nur durch den endgültigen Schritt zu den Vereinigten Staaten von Europa lösen, sagt Enrico Letta, Spitzenpolitiker der größten italienischen Partei PD, im Interview mit dem Handelsblatt.

Enrico Letta, Spitzenpolitiker der größten italienischen Partei, Partito Democratico. picture-alliance/ dpa

Enrico Letta, Spitzenpolitiker der größten italienischen Partei, Partito Democratico.

RomHandelsblatt: Wie schätzen Sie die Situation Italiens ein, ist das Land wieder Partner auf Augenhöhe in Europa?
Enrico Letta: Der wahre Spread, also Risikoaufschlag Italiens war im vergangenen Jahr zwischen der politischen Führung und den Wirtschaftsdaten, die viel solider sind als es die schwache Politik glauben machte. Entscheidend zur Rettung war das Vorgehen von Staatspräsident Giorgio Napolitano. Mario Monti hat uns dann Glaubwürdigkeit zurückgebracht.

Heute kann Italien seinen Beitrag leisten, damit Europa aus der Krise kommt und in Etappen endlich in einem föderalen Europa ankommt. Die Krise in Europa ist nur zu lösen mit dem endgültigen Schritt hin zu den Vereinigten Staaten von Europa. Kein Europäer kann es allein schaffen in einer Welt, die von den Bric-Staaten und den USA dominiert wird. Italien schon gar nicht, aber auch Deutschland nicht.

Wird Italien die Hilfe der EZB in Anspruch nehmen müssen?

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Auch wenn Montis Reformen die Bevölkerung des Landes schwer belastet hat – erste Erfolge sind bereits spürbar. Doch es bleibt viel zu tun. Und der Regierung Monti läuft die Zeit davon. Im Frühling stehen die Wahlen an.

Italien braucht keine Hilfe von Europa und der EZB. Im Gegenteil, Italien gibt jetzt schon eigene Mittel in Höhe von mehreren Milliarden Euro aus, um seinen Beitrag zu leisten zu den europäischen Hilfen für Irland, Portugal, Griechenland, Zypern und Spanien. Das Problem liegt darin, dass der Spread, also der Risikoaufschlag, nicht die Wirklichkeit abbildet und negative Auswirkungen für die italienischen Finanzen hat. Es geht nicht um die Realwirtschaft, wenn es heute zum Beispiel 400 Punkte Unterschied zwischen Italien und Frankreich gibt.

Greift der Reformkurs der Regierung Monti trotz sozialer Spannungen und leerer Kassen?

Die Kassen sind nicht leer und die jüngsten Auktionen von Staatsanleihen sind sehr gut gelaufen und es  gibt gute Daten des Steueraufkommens. Die Reformen der Regierung sind sozial sehr schwer erträglich, haben uns aber wieder glaubwürdig gemacht. Unser Rentensystem ist schon heute und auch in der Zukunft viel rigoroser als das in Deutschland und Frankreich!

Kommentare (18)

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MikeM

02.09.2012, 16:41 Uhr

So so, Italien braucht also keine Hilfe von Europa, die Schuldenkrise lasse sich aber nur durch die Vereinigten Staaten von Europa lösen.

Mit anderen Worten: [...] UNSER GELD! Ich frage mich: Haben die keinen Stolz mehr?!Was ist los mit den Südländern? [...] Ja. Für mich ist klar: Urlaub mach ich nur noch außerhalb Europas! +++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

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02.09.2012, 17:06 Uhr

O-Ton 'Enrico Letta'
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Das Problem liegt darin, dass der Spread, also der Risikoaufschlag, nicht die Wirklichkeit abbildet ...
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Solange Monti mit den Reformen des mittelalterlichen Wirtschaftsrechts nicht vorankommt und die Mafia nicht Steuern zaglt, sondern ihre eigenen Steuern erhebt, verliert Italien weiter an Wettbewerbsfähigkeit und muß sich Zweifel an seiner Schuldentragfägigkeit gefallen lassen.

Weshalb die derzeitigen Zinssätze von 6% (4% real) für italienische Staatsanleihen bestimmt nicht zu hoch sind.

Und solange Italien nicht mit der Korruption in Staat und Gesellschaft aufräumt ist es auch nicht reif für Mitgliedschaft in Vereingten Staaten von Europa.

Account gelöscht!

02.09.2012, 17:18 Uhr

Griechenland brauchte keine Hilfe, Portugal brauchte keine Hilfe, Spanien brauchte keine Hilfe, und nun braucht Italien keine Hilfe. Wer's glaubt... Ich nehme Wetten an.

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