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31.12.2015

01:16 Uhr

Entführte Schulmädchen

Nigeria bereit zu Gesprächen mit Boko Haram

Die nigerianische Regierung will mit Boko Haram über eine Freilassung der 209 entführten Schulmädchen verhandeln. Als Vorbedingung erwartet der Präsident eine glaubwürdige Führung der zersplitterten Terrorgruppe.

Der nigerianische Präsident Muhammadu Buhari ist bereit, mit der Terrorgruppe Boko Haram zu verhandeln. Reuters

Nigeria

Der nigerianische Präsident Muhammadu Buhari ist bereit, mit der Terrorgruppe Boko Haram zu verhandeln.

AbujaNigerias Regierung ist nach den Worten von Präsident Muhammadu Buhari bereit, mit der Islamistengruppe Boko Haram über die Freilassung von rund 200 Schülerinnen in der Gewalt der Extremisten zu verhandeln. Einzige Vorbedingung für die Gespräche sei es jedoch, dass die Regierung eine glaubwürdige Führung von Boko Haram vorfinde. Vorangegangene Verhandlungsversuche unter der früheren Regierung waren nicht zuletzt gescheitert, weil Beamte offenbar mit den falschen Ansprechpartnern der zersplitterten Gruppe in Kontakt getreten waren.

"Wir sind darauf vorbereitet mit einer glaubwürdigen Boko-Haram-Führung ohne Bedingungen zu verhandeln", sagte Buhari am Mittwoch anlässlich des Starts eines neuen Rundfunkprogramms, in dem sich die Regierung den Fragen von Bürgern stellt. Die Behörden hätten keine Informationen über das Schicksal der Kinder. Die Regierung erwarte eine Lebenszeichen von den Geiseln.

Die Islamisten hatten seit Anfang 2014 hunderte Frauen und Mädchen verschleppt, darunter auch mehr als 270 Schülerinnen einer Schule in Chibok im Nordosten Nigerias. Mehreren Dutzend Mädchen gelang später die Flucht. Seit einem im Mai 2014 veröffentlichten Video gibt es keine Informationen mehr über die Geiseln.

Blutiger Terror in Nigeria

Dezember 2010

Bei blutigen Angriffe auf Christen in Nigeria sterben an Heiligabend mindestens 80 Menschen. In und um die Stadt Jos im Zentrum des Landes explodieren mehrere Bomben. Dutzende Angreifer attackieren eine Kirche in Maiduguri. Am 26. Dezember gehen erneut mehrere Häuser in Flammen auf. In Jos kommt es nach den Explosionen zu Zusammenstößen.

Januar 2011

Bei Sprengstoffexplosionen werden in der Neujahrsnacht mindestens elf Menschen getötet. Für die Anschläge in einer Kirche und auf einem Kasernengelände stehen muslimische Extremisten im Verdacht.

Juni 2011

Bei mehreren Angriffen der radikalislamistischen Sekte Boko Haram innerhalb weniger Wochen sterben mehr als 30 Menschen. Ein Anschlag traf einen von Polizisten und Soldaten besetzten Biergarten. Boko Haram lehnt jeden westlichen Lebensstil ab – auch das Trinken von Alkohol.

Dezember 2011

Auch im Folgejahr kommt es am 24. Dezember zu neuen Anschlägen. In der Folgezeit werden regelmäßig christliche Gebäude bombardiert. Boko Haram hat es maßgeblich auf Kirchen abgesehen. Christen werden gezielt angegriffen und getötet.

November 2012

Bei einem Gefecht in der nordnigerianischen Stadt Maiduguri mit dem örtlichen Militär wird Ibn Saleh Ibrahim, der Anführer von Boko Haram, erschossen.

Februar 2013

Die Terrorgruppe hat es inzwischen auch gezielt auf Ausländer abgesehen. Zunächst werden sieben Mitarbeiter einer britischen Baufirma, wenige Tage später eine mehrköpfige Familie aus Frankreich entführt.

Mai 2013

Angesichts der blutigen Situation ruft Nigerias Präsident Goodluck Jonathan den Notstand aus. Experten zufolge hat die Terrorgruppe Boko Haram bis zu diesem Zeitpunkt über 4000 Menschen getötet.

Januar 2014

Fast jeden Tag gibt es Meldungen über neue Entführungen und Morde. Die Terrormiliz geht weiter ungeachtet mit größter Brutalität vor und warnt andere Staaten vor militärischer Intervention.

März 2015

Nach eigenen Angaben hat es die nigerianische Armee geschafft, das Hauptquartier von Boko Haram zu zerstören. Zahlreiche Mitglieder der Terrormiliz seien getötet worden. Erst wenige Tage zuvor hatte Boko Haram eine Gruppe von knapp 500 Frauen und Kindern entführt.

Boko Haram kämpft seit sechs Jahren für die Errichtung eines islamischen Gottesstaats im mehrheitlich muslimischen Nordosten Nigerias. Mindestens 17.000 Menschen wurden in dem Konflikt bisher getötet, 2,5 Millionen Menschen wurden durch die Gewalt in die Flucht getrieben.

In den vergangenen Monaten war es der nigerianischen Armee gelungen, Kämpfer von Boko Haram in ein im Nordosten des Landes gelegenes Waldgebiet abzudrängen und Hunderte Geiseln der Terrorgruppe zu befreien. Doch die im April 2014 aus einer Schule in der Stadt Chibok entführten Mädchen waren nicht unter ihnen.

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