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25.01.2005

16:30 Uhr

Entführter US-Bürger fleht um sein Leben

Geisel-Video überschattet Wahl-Vorbereitung

Im Irak ist ein erstes Lebenszeichen von einem im November entführten Amerikaner aufgetaucht. Mit dem Video, das der arabische Nachrichtensender Al-Arabija am Dienstag ausstrahlte, haben die Aufständischen wenige Tage vor den Wahlen den Druck auf die US-Besatzungsmacht erhöht.

Am Sonntag soll im Irak gewählt werden. Foto: dpa

Am Sonntag soll im Irak gewählt werden. Foto: dpa

HB BAGDAD. Der US-Vertragsarbeiter Roy Hallums, der mit fünf Kollegen Anfang November in Bagdad verschleppt worden war, bezeichnete sich in der am Dienstag aufgetauchten Aufnahme als Gefangener einer Widerstandsgruppe und flehte um sein Leben. In einem weiteren Versuch zur Sabotage der Parlamentswahlen erschossen Aufständische in Bagdad einen Richter und dessen Sohn. Die USA betrachten die Wahlen am 30. Januar als Meilenstein auf dem Weg zu einer demokratischen Entwicklung des Irak, die die Rebellen mit Anschlägen und Entführungen torpedieren wollen.

Die undatierte Aufnahme mit Hallums ist das erste Video, das seit der Entführung des 56-jährigen Amerikaners aufgetaucht ist. Vier seiner Kollegen sind inzwischen freigekommen, das Schicksal des fünften - eines Philippiners - ist noch ungewiss. Alle Verschleppten arbeiteten für eine saudiarabische Firma, die auf Vertragsbasis im Irak tätig ist.

Das etwa eine Minute lange Video zeigt Hallums im Schneidersitz vor einem schwarzen Hintergrund. Anders als in früher aufgetauchten Entführungsvideos sind in der aktuellen Aufnahme indes keine Fahnen oder Transparente der Entführergruppe zu sehen. Auch stellen die Extremisten keine konkreten Forderungen.

Während der Ansprache war - nur wenige Zentimeter vom Kopf des graubärtigen Mannes entfernt - das Sturmgewehr der mutmaßlichen Geiselnehmer zu sehen. Augenscheinlich nervös und aufgeregt reibt der Mann seine Hände, mehrfach ballt er beim Sprechen die Fäuste. „Ich bitte um Hilfe, weil mein Leben in Gefahr ist, weil ich erwiesenermaßen mit den US-Truppen zusammengearbeitet habe.“ Sein Hilferuf richte sich an die Führer der arabischen Welt, „speziell an (Libyens) Präsident Muammar Gaddafi, weil er dafür bekannt ist, dass er denen hilft, die leiden“. Von US-Präsident George W. Bush erwarte er nichts, „da ich seinen Egoismus und sein Desinteresse für diejenigen kenne, die in dieses Höllenloch gestoßen werden“, sagte der Mann.

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