Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.09.2014

03:13 Uhr

Entführung in Algerien

Islamisten drohen mit Ermordung französischer Geisel

Ein französischer Tourist wurde in Algerien von Islamisten verschleppt. Die Gruppe mit Verbindungen zur radikalen Miliz IS droht mit der Ermordung des 55-Jährigen und setzt Frankreich ein knappes Ultimatum.

In einer Video-Botschaft haben Islamisten die Ermordung eines entführten französischen Touristen angedroht. AFP

In einer Video-Botschaft haben Islamisten die Ermordung eines entführten französischen Touristen angedroht.

AlgierTrotz der angedrohten Enthauptung einer französischen Geisel will die Regierung in Paris den Forderungen der islamistischen Entführer nicht nachgeben. "Eine Terrorgruppe kann Frankreichs Haltung nicht verändern", sagte der französische Außenminister Laurent Fabius am Montag, deshalb seien Drohungen zwecklos. Leider müsse er aber die Echtheit eines am Abend aufgetauchten Videos bestätigen, demzufolge Extremisten mit Verbindungen zur Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) einen Franzosen in Algerien entführt und mit seiner Ermordung gedroht haben.

Die Gruppe Jund al-Khilafa erklärte in dem Video, sie werde ihre Geisel Hervé Gourdel binnen 24 Stunden enthaupten, sollte Frankreich seine Luftangriffe gegen den IS im Irak nicht stoppen. Fabius sagte bei einer Pressekonferenz in New York, Frankreichs Luftangriffe dienten auch der Verteidigung eigener Interessen und "unserer Sicherheit, die auf dem Spiel steht". Das Video zeige die "extreme Grausamkeit" der Geiselnehmer, ändere aber nichts an Frankreichs Position.

Geisel richtet sich in Videobotschaft an Hollande

Der 55-jährige Franzose, ein Bergführer aus Nizza, war der Gruppe Jund al-Khilafa (Die Soldaten des Kalifats) am Sonntagabend beim Wandern in der Bergregion Kabylei in die Hände gefallen. Auf dem bei YouTube veröffentlichten Video ist der weißhaarige Tourist auf dem Boden kauernd zu sehen, umgeben von zwei vermummten Männern mit Kalaschnikow-Gewehren. Der Brillenträger wendet sich direkt an den französischen Präsidenten François Hollande und bittet ihn um Hilfe.

Die französische Präsidentschaft erklärte am Montagabend, Frankreich und Algerien arbeiteten "auf allen Ebenen vollständig zusammen", um den Mann zu finden und zu befreien. Hollande habe mit dem algerischen Regierungschef Abdelmalek Sellal über den Fall gesprochen.

Kurz nach der Entführung hatte die IS-Miliz ihre Anhänger am Montag aufgerufen, Bürger all der Staaten zu töten, die sich der internationalen Koalition gegen sie angeschlossen haben. In der Drohung wurden insbesondere Franzosen und US-Bürger als Ziel genannt.

Die einflussreichsten Rebellengruppen in Syrien

Islamische Front

Sie ist ein Zusammenschluss aus sechs großen islamistischen Gruppen. Die Islamische Front ist vermutlich die größte Rebellenallianz in Syrien und verfügt über 40.000 bis 50.000 Kämpfer. Ihre Mitglieder sind sunnitische Extremisten, die einen islamischen Staat in Syrien errichten wollen. Die Haltung der Islamischen Front gegenüber den Extremisten von IS ist ambivalent. Teile der Gruppe unterstützen aber den Kampf gegen sie.

Nusra-Front

In der einflussreichen Rebellengruppe sind sowohl syrische als auch ausländische Extremisten aktiv. Sie ist von Al-Kaida offiziell als Ableger in Syrien anerkannt. Die Nusra-Front hat als erste Gruppierung in Syrien Selbstmord- und Autobombenanschläge in Stadtgebieten verübt. Sie kämpft für einen islamischen Staat, hat zwischen 7000 und 8000 Anhänger und arbeitete bislang eng mit der Islamischen Front zusammen.

Islamischer Staat

Die Gruppe wurde von abtrünnigen Mitgliedern der Nusra-Front gebildet und vereinigte sich mit dem Al-Kaida-Ableger im Irak. Früher nannte sie sich Islamischer Staat im Irak und der Levante (Isil). Angeführt wird IS von Abu Bakr al-Baghdadi, der die Forderung der Al-Kaida ignorierte, den Schwerpunkt der Aktivitäten auf den Irak zu legen. Anfang des Jahres kappte Al-Kaida die Verbindungen zur IS, die als die militanteste Extremistengruppen in Syrien gilt.

Zunächst hatte die Gruppierung unter anderem wegen ihrer strikten Haltung gegen Plünderungen einen Großteil der syrischen Bevölkerung auf ihrer Seite. Dies änderte sich, als sie begann, Kritiker zu entführen und zu töten.

Derzeit kämpft IS an mehreren Fronten - gegen rivalisierende Rebellen in Syrien und gegen die Kurden im Nordirak. Die Gruppe soll über 6000 bis 7000 Kämpfer verfügen. Im Irak wird sie durch Zehntausende Kämpfer sunnitischer Stämme unterstützt, die von der Zentralregierung in Bagdad enttäuscht sind.

Syrische revolutionäre Front

Die Allianz aus weitgehend nicht ideologisch geprägten Rebellen-Einheiten formierte sich im Dezember. Das Rückgrat der Gruppe bildet die Syrische Märtyrer-Brigade, eine einst einflussreiche Gruppe aus der nördlichen Provinz Idlib unter Führung von Dschamal Maruf. Ihm war von rivalisierenden Rebellengruppen vorgeworfen worden, für den Aufstand bestimmtes Geld in die eigene Tasche gesteckt zu haben. Die Anhänger der revolutionären Front sind weitgehend moderate Islamisten. Finanziell unterstützt wird die Gruppe vermutlich von Golfstaaten wie Saudi-Arabien.


Mudschaheddin-Armee

Sie bildete sich zu Jahresbeginn aus acht syrischen Gruppen und startete eine Offensive gegen die Extremisten von IS. Die Allianz ist moderat islamistisch und hat nach eigenen Angaben rund 5000 Mitglieder.


Höchstes Militärkommando

Es handelt sich um eine moderate, nicht ideologische Gruppe. Sie wird von westlichen Ländern wie den USA unterstützt. Auch die Türkei und die arabischen Golfstaaten stehen auf ihrer Seite. Sie hat niemals den Eindruck ausräumen können, dass ihre Führung aus dem Ausland kommt.

Frankreich hatte sich als erstes europäisches Land an den US-Luftangriffen gegen IS-Stellungen im Irak beteiligt. Am Montagabend rief das französische Außenministerium seine Staatsbürger in rund 30 Ländern zu "größter Vorsicht" auf.

Im Namen der IS-Terrormiliz waren bereits zwei US-Journalisten und ein britischer Entwicklungshelfer ermordet worden. Davon stellten die Terroristen Videos mit Enthauptungsszenen ins Internet.

Der französische Innenminister Bernard Cazeneuve sagte vor Bekanntwerden der Entführung, sein Land sei mit solchen Drohungen immer fertig geworden. „Frankreich hat keine Angst“, sagte Cazeneuve. Das Außenministerium erinnerte seine Botschaften in rund 30 Ländern an die terroristische Bedrohung. Reisende in Krisenländern wurden auf entsprechende Warnungen hingewiesen.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Wolfgang Trantow

23.09.2014, 13:13 Uhr

Wo bleiben die Aufschreie der Herren Gauck und Wulff, Fr. Käßmann und der Grünen? Nur noch Zustimmung für den Islam?? Ist der Islam eine Kulturbereicherung " Tötet Andersgläubige"?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×