Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.08.2012

10:29 Uhr

Entscheidungen aufgeschoben

Die Euro-Retter lassen Athen zappeln

VonRuth Berschens, Norbert Häring, Michael Inacker

Die Euro-Zone will weder der Regierung in Athen neue Kredite gewähren noch das Land in die Pleite schicken. Nun hilft die Notenbank Athen zunächst mit einer Brückenfinanzierung. Ausreichen wird das allerdings nicht.

Blick auf Athen. dpa

Blick auf Athen.

Der Termin brachte die Regierung in Athen in höchste Not: Heute werden griechische Staatsanleihen in Höhe von 3,2 Milliarden Euro im Portfolio der Europäischen Zentralbank (EZB) fällig. Sie konnte das Geld nur noch mit der Ausgabe kurzlaufender Schatzwechsel beschaffen. Wie alle Griechen-Bonds sind auch diese Papiere eigentlich unverkäuflich, Athen wurde sie trotzdem los: Die Geschäftsbanken dürfen sie bei der griechischen Notenbank als Sicherheit hinterlegen und bekommen dafür frisches Geld. Die EZB duldet das - obwohl sie selbst schon lange keine griechischen Bonds mehr annimmt.

So zahlen die Griechen bei der EZB Schulden zurück - und erhalten dafür neues Zentralbankgeld. "Das läuft nach dem System linke Tasche, rechte Tasche", kritisiert der Ökonom Daniel Gros vom Brüsseler Wirtschaftsforschungsinstitut Ceps. "Ein ganz unglücklicher Kreislauf", meint CDU-Europaparlamentarier Markus Pieper.

Die griechische Regierung kündigte am Montagmorgen an, im Laufe des Tages die Gelder an die EZB zu überweisen. "Das ist geklärt, es gibt kein Problem, Griechenland wird seinen Verpflichtungen im Laufe des Tages nachkommen, wir haben das nötige Geld", sagte ein Mitarbeiter des Finanzministeriums in Athen.

Griechenland hatte in der vergangenen Woche gut vier Milliarden Euro in Form von dreimonatigen Anleihen zu einem Zinssatz von 4,43 Prozent am Finanzmarkt aufgenommen. Athen wartet derzeit auf die Auszahlung einer weiteren Tranche der internationalen Finanzhilfen in Höhe von 31,5 Milliarden Euro. Im Laufe der Woche will die griechische Regierung neue Initiativen starten, damit die Geldgeber die Fristen zur Umsetzung von Reformen und Sparmaßnahmen verlängern.

Die Regierungen der Euro-Zone hätten nichts dagegen, würde sich der Kreislauf noch eine ganze Weile weiterdrehen. Die Griechenland-Retter erwartet eine Woche der Reisediplomatie, Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker besucht am Mittwoch Athen, der griechische Premier Antonis Samaras reist am Freitag nach Berlin und am Samstag nach Paris. Entscheidungen über neue Milliardenkredite oder eine Pleite des Landes sind aber nicht zu erwarten: Die Retter scheuen das Risiko - und spielen auf Zeit.

Kommentare (19)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

MikeM

20.08.2012, 10:21 Uhr

... um dann doch wieder allen Forderungen nachzukommen. Immer das Gleiche. Hier wird der deutsche Steuerzahler verarscht, sonst nichts.

Account gelöscht!

20.08.2012, 10:25 Uhr

"Berlin hat aber wie die meisten Euro-Regierungen Angst davor, Griechenland keine neuen Kredite zu gewähren und das Land damit in die Pleite zu schicken. Deshalb schiebt man die Entscheidung lieber vor sich her: Es sei "nicht vorhersehbar", wann die Troika ihre Mission in Griechenland beenden werde, sagte eine Sprecherin der EU-Kommission. Man müsse Zeit gewinnen, heißt es in Berlin. Gut möglich, dass die Troika erst im Oktober liefert, vielleicht sogar noch später."

Feiglinge! Jeder Tag mehr kostet den Steuerzahler Unsummen. Gebt endlich zu, das der Euro tot ist. Ihr alle kauft seit Beginn der Krise für immer höher werdende Summen nur Zeit. Wo bleibt der Held / die Heldin (???) der/die den Euro endlich ins wohlverdiente Nirwana schickt? Frau Merkel ich würde mit 52 Lebensjahren das erste Mal in meinem Leben CDU wählen.

Petra

20.08.2012, 10:27 Uhr

Zeit schinden ist die Devise!
Sobald der ESM da ist, sind alle Geldprobleme aller Schuldenstaaten gelöst! Wer letztendlich bezahlt oder haftet oder bürgt, ist auch klar!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×