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02.05.2012

15:02 Uhr

Entsorgung der Altlasten

Spanien bespricht Bad Bank mit Großinstituten

Spanien sucht den Befreiungsschlag für den angeschlagenen Finanzsektor. Der Plan: Eine Bad Bank, in die die Giftpapiere der Institute entsorgt werden. Helfen sollen dabei drei große Investmentbanken.

Demonstranten stürmen eine Bank in Barcelona. dapd

Demonstranten stürmen eine Bank in Barcelona.

LondonDas hochverschuldete Spanien arbeitet gemeinsam mit großen Investmentbanken an einem Befreiungsschlag für den angeschlagenen Finanzsektor. Dabei geht es um eine Auslagerung von Altlasten aus den Bilanzen der Geldhäuser, die nach dem Platzen einer Immobilienblase auf einem Berg fauler Papiere in Milliardenhöhe sitzen. Wie aus mit den Verhandlungen vertrauten Kreisen am Mittwoch verlautete, sind Credit Suisse, Goldman Sachs und UBS in die Gespräche eingebunden, die zu einer Lösung der dringendsten Probleme beitragen sollen: Der spanische Staat erwägt demnach eine sogenannte „Liquidationsstruktur“ (LS) für Giftpapiere - mit anderen Worten eine 'Bad Bank'.

„Die Idee wird derzeit durchgespielt. Dazu hat auch der Internationale Währungsfonds ermutigt“, sagt Pierre-Yves Bonnet von der Großbank Societe Generale: „Aber das Ganze ist natürlich eine eminent politische Entscheidung. Damit würde offenbar, dass der Abschreibungsbedarf von Vornherein unterschätzt wurde.“

Das Geschäftsmodell: auslagern, bewerten, verkaufen

Spanien hat bereits 18 Milliarden Euro in den Bankensektor gepumpt, Banken zu Abschreibungen und Wertberichtigungen in erheblichem Umfang gezwungen und angeschlagene Geldinstitute unter seine Fittiche genommen. Doch einige Analysten erwarten, dass all dies nicht ausreichen wird, da die Immobilienpreise noch um bis zu 30 Prozent fallen dürften. Wirtschaftminister Luis de Guindos hat jedoch ausgeschlossen, einen Antrag auf internationale Hilfen für den Bankensektor zu stellen.

Stattdessen könnte Spanien versuchen, das Problem selbst zu lösen. Mit der „Liquidationsstruktur“ könnten besonders risikoträchtige Vermögenswerte aus den Bilanzen der Banken verschwinden und damit den angeschlagenen Sektor insgesamt stabilisieren. Die Zentralbank sondiert dem Vernehmen nach derzeit Möglichkeiten, wie eine solche Auffang-Holding die toxischen Papiere bewerten und letztlich auch verkaufen könnte.

Spanien kann sich bei den Bemühungen zur Lösung der Bankenkrise auf die Erfahrungen in Irland und beim Schuldenschnitt Griechenlands stützen. In Irland, wo der gesamte Bankensektor in Schieflage geraten war, halfen Goldman Sachs und Bank of America beim Aufbau der dortigen „Bad Bank“ NAMA. Lazard, Blackstone und BNP Paribas fungierten als Berater bei der Hellas-Umschuldung.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Wutbuerger

02.05.2012, 17:46 Uhr

Überall werden Massnahmen getroffen mit dem Ziel, Unbeteiligte zu berauben. Das ist übrigens auch der "Arbeitsstil" von Verbrechern.

Oeconomicus

02.05.2012, 17:46 Uhr

"Lazard, Blackstone und BNP Paribas fungierten als Berater bei der Hellas-Umschuldung."

Diesem illustren Kreis könnte sich ggfls. auf Wunsch von Herrn Dr. Schäuble auch der Ex-Boston-Consulting-Group-Berater, Levin Holle anschließen, der seit Dezember 2011 die Abteilung Finanzmarktpolitik im BMF leitet. Mit 14 Referaten bereitet diese Abteilung die Entscheidungen von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zu Kernfragen der Währungskrise vor.

Dem Vernehmen nach sollen zu Holle's Zuständigkeitsbereich die Finanzmarktregulierung, das Zentralbankwesen und die Finanzaufsicht BaFin gehören.
Wie aus dem Umfeld von Holle zu hören ist, werdem dem Einserjuristen besondere Fähigkeiten als "Enteignungs-Experte" zugeschrieben.

http://www.lobbypedia.de/index.php/Levin_Holle

Mme. Michele Lamarche wird vermutlich in gewohnter Weise wieder die Interessen der Lazard Ltd. vertreten ... wer die Verhandlungen von Blackstone führen soll, ist noch nicht bekannt.

Es bleibt sicher spannend zu beobachten, ob und wann diese oder eine ähnliche Truppe in den Ring steigen wird.

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