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03.07.2013

18:16 Uhr

Entspannungssignale

Nordkorea öffnet Wirtschaftszone für Südkorea

Nordkorea erlaubt südkoreanischen Unternehmen, Mitarbeiter in die gemeinsame Sonderwirtschaftszone Kaesong zu schicken. Außerdem wurde eine Hotline zwischen beiden Hauptstädten wieder in Betrieb genommen.

Pjöngjang hatte im April die Industriezone Kaesong geschlossen, das wichtigste Symbol der „Sonnenscheinpolitik“ für eine Annäherung beider koreanischer Staaten aus früheren Jahren. Reuters

Pjöngjang hatte im April die Industriezone Kaesong geschlossen, das wichtigste Symbol der „Sonnenscheinpolitik“ für eine Annäherung beider koreanischer Staaten aus früheren Jahren.

SeoulNordkorea hat am Mittwoch zwei Entspannungssignale an den Süden gesendet. Eine Hotline zwischen Pjöngjang und Seoul wurde wieder in Betrieb genommen und die gemeinsame Sonderwirtschaftszone Kaesong wieder für südkoreanische Geschäftsleute und Manager geöffnet, wie das südkoreanische Wiedervereinigungsministerium bekanntgab. Nur Stunden zuvor hatten zahlreiche südkoreanische Firmen gedroht, sich wegen der politischen Konflikte dauerhaft aus dem auf nordkoreanischem Territorium gelegenen Industriekomplex zurückzuziehen.

In einer offiziellen Mitteilung Pjöngjangs an Seoul hieß es, die Unternehmen könnten Mitarbeiter in ihre Niederlassungen in Kaesong schicken, um mit Vorsichtsmaßnahmen Schäden an den Fabriken während der Regenzeit zu verhindern. Ob Südkorea das Zugeständnis ausreicht, blieb zunächst offen.

Die Sonderwirtschaftszone Kaesong

Was ist Kaesong?

Kaesong trägt die offizielle Bezeichnung Spezielle industrielle Verwaltungsregion Nordkoreas. Mit den dort angesiedelten südkoreanischen Unternehmen fungiert der Industriekomplex als gemeinsame Wirtschaftsentwicklungszone. Die Unternehmen aus dem Süden zog es vor allem wegen billiger und qualifizierter Arbeitskräfte dort hin.

Wie kam es zur Gründung von Kaesong?

Kaesong ist ein Ergebnis der sogenannten Sonnenscheinpolitik Südkoreas - der zwischen 1998 und 2008 betriebenen interkoreanischen Aussöhnung. Diese Politik zielte darauf ab, die Kontakte zwischen beiden Staaten zu beleben. Seit seiner Gründung 2004 ist der Industriekomplex das einzige Überbleibsel der Zusammenarbeit zwischen Nord und Süd, nachdem die offiziellen Beziehungen seit 2010 auf Eis liegen.

Wo liegt Kaesong?

Die Sonderwirtschaftszone liegt in Nordkorea, zehn Kilometer von der Grenze zum Süden entfernt. Es gibt eine direkte Straßen- sowie Zugverbindung in den Süden. Insgesamt hunderte Arbeiter und Manager aus Südkorea überqueren täglich den nach Kaesong führenden Grenzposten. Ihre Namen werden den nordkoreanischen Behörden im Vorfeld übermittelt, diese geben dann grünes Licht für die Einreise.

Wer arbeitet in Kaesong?

Aktuell sind in Kaesong 123 südkoreanische Unternehmen tätig, die meisten davon stammen aus der Textil-, der Elektronik- und der Chemiebranche. Beschäftigt sind mehr als 53.000 nordkoreanische Arbeitskräfte sowie knapp 900 Südkoreaner im Managementbereich.

Wie erfolgreich war Kaesong bislang?

Südkoreanische Unternehmen investierten insgesamt 850 Millionen Dollar (664 Millionen Euro) in die Zone. Nach einem zunächst schleppenden Start meldete Kaesong erstmals 2011 einen Gewinn. Für 2012 wurde ein Umsatz von 469,5 Millionen Dollar vermeldet, für den Zeitraum seit 2004 wird der Wert mit 1,98 Milliarden Dollar angegeben.

Warum ist Kaesong so wichtig für Nordkorea?

Kaesong ist eine wichtige Quelle für ausländische Devisen für Pjöngjang. Die dort beschäftigten Nordkoreaner verdienen im Monat im Schnitt 144 Dollar. 2012 verlangte Nordkorea von acht der dort vertretenen Firmen Steuerzahlungen in Höhe von 160.000 Dollar.

Der Konflikt auf der koreanischen Halbinsel hatte sich im Frühjahr zugespitzt. Neben der Androhung von Atomangriffen auf die USA und Südkorea hatte Pjöngjang im April dann auch die Industriezone Kaesong geschlossen, das wichtigste Symbol der „Sonnenscheinpolitik“ für eine Annäherung beider koreanischer Staaten aus früheren Jahren. Die südkoreanischen Mitarbeiter, die dort 120 Firmen am Laufen halten, wurden abgezogen. Der Komplex ist nicht nur Arbeitsplatz für zehntausende Nordkoreaner, sondern auch eine wichtige Devisen-Einnahmequelle für das verarmte Land.

Die Hotline zwischen beiden Hauptstädten hatte Pjöngjang schon lange gekappt, im vergangenen Monat war sie wegen geplanter offizieller Gespräche über die Zukunft von Kaesong zeitweise wieder in Betrieb. Weil die Verhandlungen aber nie zustande kamen, war die Kommunikationsverbindung wieder eingestellt worden.

Von

afp

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