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16.02.2017

11:17 Uhr

Entwicklungshilfe

Warum viele Afrikaner am Marshallplan zweifeln

VonMelanie Müller
Quelle:Stiftung Wissenschaft und Politik

Mehr Jobs, weniger Armut, bessere Zukunftsperspektiven. Der Marshallplan für Afrika soll die Wirtschaft auf dem Kontinent ankurbeln. Doch Einwohner und Ökonomen sehen den Plan nicht nur positiv. Ein Gastbeitrag.

Entwicklungsminister Gerd Müller will Afrika für deutsche Unternehmen attraktiver machen. dpa

Marshallplan für Afrika

Entwicklungsminister Gerd Müller will Afrika für deutsche Unternehmen attraktiver machen.

Mit dem Marshallplan für Afrika hat Entwicklungsminister Gerd Müller ein Konzept vorgelegt, um Entwicklung in afrikanischen Staaten voranzutreiben. Der Plan, der im Zusammenhang mit der Diskussion um die Bekämpfung von Fluchtursachen vorgestellt wurde, soll neue Partnerschaften mit afrikanischen Staaten auf Augenhöhe ermöglichen.

Er basiert auf drei Säulen: Wirtschaft, Handel und Beschäftigung; Frieden, Sicherheit und Stabilität sowie Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte, wobei der Fokus bislang auf der Ausweitung wirtschaftlicher Kooperation liegt. Derzeit sind laut Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) nur etwa 1.000 deutsche Unternehmen in Afrika aktiv. Dies soll sich ändern – Afrika soll für deutsche Unternehmen attraktiver werden. Doch wie werden die Pläne der deutschen Bundesregierung in Afrika beurteilt?

Prinzipielle Offenheit für deutschen Ansatz

Vertreter afrikanischer Staaten begreifen die Ausrichtung auf die wirtschaftliche Kooperation als Chance. Eine Zusammenarbeit, die beide Kontinente als gleichwertige Partner wahrnehme, sei ein wichtiger Schritt, schreiben auch politische Kommentatoren aus afrikanischen Ländern wie Nigeria, Niger oder Simbabwe. Der Präsident der African Development Bank, Akinwumi Ayodeji Adesina, attestiert dem Plan ein hohes Potential, Entwicklung zu ermöglichen und Jugendarbeitslosigkeit oder hohe Armutsraten einzudämmen.

Melanie Müller forscht unter anderem zu Subsahara-Afrika. PR

Melanie Müller

Melanie Müller forscht unter anderem zu Subsahara-Afrika.

Erste Projekte entstehen bereits. Im Anschluss an die Vorstellung des Marshallplans in Johannesburg hat das BMZ bei Gesprächen mit der Southern African Development Community (SADC) Kooperationsmöglichkeiten im südlichen Afrika diskutiert. Kenia hat während des Deutsch-Afrikanischen Business Forums (GABS) eine Vereinbarung mit Deutschland zum Aufbau einer Universität nach dem praxisorientierten Modell der deutschen Fachhochschule unterzeichnet. Regierungsmitglieder und Unternehmen aus verschiedenen afrikanischen Staaten reisten zum GABS, um Perspektiven für die heimische Industrie zu erkunden. Dass darunter nur wenige hochrangige Vertreter waren, lässt vermuten, dass eine Schwäche der deutschen Pläne auch auf afrikanischer Seite wahrgenommen wird: Der Name „Marshallplan“ klang zunächst vielversprechend, weil er an das Milliardenprogramm der Amerikaner nach dem Zweiten Weltkrieg erinnerte. Doch bislang fehlen dem Plan konkrete Finanzierungszusagen genauso wie langfristige Maßnahmen und Zeitpläne für die Umsetzung der Ziele.

Fokussierung auf deutsche Eigeninteressen in der Kritik

Wissenschaft und Zivilgesellschaft in Afrika stehen dem Plan eher kritisch gegenüber. Dass der Marshallplan im Zusammenhang mit der deutschen Debatte um die Bekämpfung von Fluchtursachen steht, hat die Sorge einer einseitigen Fokussierung auf deutsche Interessen verstärkt. Gleichzeitig hat das Wissen um die deutschen Eigeninteressen aber auch die Verhandlungsposition der afrikanischen Staaten gestärkt. So erhielt der Leiter der Governance Unit der United Nations Economic Commission for Africa (UNECA), Francis Ikome, breite Unterstützung von afrikanischer Seite, als er bei der Vorstellung des Marshallplans in Johannesburg eine stärkere politische Rolle Afrikas im G20-Prozess forderte, in dessen Rahmen auch der Marshallplan diskutiert wird. Diese Forderung dürfte die deutsche Bundesregierung während ihres Vorsitzes im G20-Prozess weiter begleiten. Ohnehin hatte Deutschland Afrika bereits zu einem Schwerpunkt des Gipfels erklärt.

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Bundesentwicklungsminister Gerd Müller plant die Entwicklungshilfe in Afrika komplett neu auszurichten. Mit dem „Marshallplan für Afrika“ fordert er den deutschen Mittelstand zu mehr Investitionen auf dem Kontinent auf.

Konkrete Kritik am Marshallplan äußern afrikanische Ökonominnen und Ökonomen. Ein Problem sei, dass er den Kontinent aus einer Universalperspektive betrachte. Es fehlten konkrete Vorschläge für die einzelnen Länder, die dem jeweiligen politischen und gesellschaftlichen Umfeld Rechnung trügen. Dies könne im schlimmsten Fall sogar kontraproduktiv für die Entwicklung der lokalen Wirtschaft sein und Missstände weiter befördern. Zudem wird kritisiert, dass auf afrikanische politische Zielsetzungen mit Ausnahme der Agenda 2063, des Aktionsplans der Afrikanischen Union für die sozioökonomische Transformation bis 2063, kaum Bezug genommen wird.

Kommentare (4)

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Herr Holger Narrog

16.02.2017, 11:48 Uhr

Erfrischend ist die Aussage, dass der "Marschall plan" die "Fluchtursachen" in Afrika beseitigen soll.

Gem. eigener Beobachtung und einem Aufsatz eines US Soziologieprofessors sind es nicht die Ärmsten die nach Europa/Nordamerika auswandern/"flüchten". Den Ärmsten fehlt das Wissen und das Geld zum Auswandern. Gem. dieses Soziologieprofessors gibt es weltweit 2,6 Mrd. Menschen die sich das "Flüchten" nicht leisten können und 1,7 Mrd. Menschen die man als potentielle "Flüchtlinge" betrachten kann.

Mit einer Zunahme von Wissen und Geld in Afrika erhöht sich die Anzahl der potentiellen "Flüchtlinge". Ich nehme an, dass ist das Ziel von Fr. Merkel und ihrer schwarzen, roten und grünen Genossen.

Account gelöscht!

16.02.2017, 11:50 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

Herr Holger Narrog

16.02.2017, 12:04 Uhr

Die Entwicklungshilfe wird gem. eigener Einschätzung weniger gegeben um den Menschen in Afrika zu helfen, sondern um eigene Gefühle zu befriedigen und Ideologie/(Öko)Religion zu verbreiten.

Beispielsweise hat man in Ägypten vor längerer Zeit ein kombiniertes Gas/Solar (thermisches) Kraftwerk errichtet. Die Ägypter nutzen dies als Gaskraftwerk der wertlose solare Teil (ca. 75% der Kosten) verfällt.

Vielfach hat man versucht Entwicklungshilfeprojekte an den (korrupten) einheimischen Eliten vorbei zu errichten. Das führt dann mangels lokalem Know-How zu Effizienzverlusten und unnötigen Kosten.

Projekte die "Klimwandel", "Erneuerbare Energien", "Frauenförderung", beinhalten können die ökologischen Herzen der Geber erwärmen, der Nutzen für die Empfänger ist begrenzt.

Wünschenswert wäre es wenn die hiesigen Steuerzahler etwas kritischer auf die Politiker und die Verwendung der gezahlten Steuern schauen würden.

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