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03.12.2014

22:00 Uhr

Erdgaspipeline

Russland will über Alternative zu South Stream verhandeln

Russland ist zu Gesprächen über eine andere Erdgaspipeline bereit. Moskau möchte aber nicht mit allen Ländern verhandeln, die an dem geplatzten Vorhaben beteiligt waren. Denn nicht alle sind „vertrauenswürdig.“

Ein Stahlarbeiter steht neben zwei Rohrstücken, die den Anfang der Pipeline South Stream markieren. dpa

Ein Stahlarbeiter steht neben zwei Rohrstücken, die den Anfang der Pipeline South Stream markieren.

MoskauMit einem Alternativvorschlag zur umstrittenen South-Stream-Pipeline geht Russland weiter auf Konfrontationskurs zur Europäischen Union. Moskau sei „bereit zu Verhandlungen“ über eine andere Erdgaspipeline mit einigen Ländern, die am vorerst gestoppten South-Stream-Projekt beteiligt seien, sagte der russische EU-Botschafter Wladimir Tschischow am Mittwochabend laut der Nachrichtenagentur RIA Nowosti. Während sich Bulgarien als „nicht vertrauenswürdiger Partner“ erwiesen habe, kämen andere EU-Mitgliedstaaten wie Österreich und Ungarn, aber auch Serbien infrage.

Die internationale Gasleitung South Stream

Länge

Die Erdgasleitung South Stream bildet eine Gesamtlänge von 2380 Kilometern.

Unter Wasser

Das Herzstück ist ein 925 Kilometer langer Abschnitt im Schwarzen Meer durch russische, türkische und bulgarische Hoheitsgewässer.

Über Land

Vom bulgarischen Anlandepunkt in der Hafenstadt Warna sollte eine 1455 Kilometer lange Landleitung durch Serbien, Ungarn und Slowenien bis nach Norditalien führen.

Vom schwarzen Meer bis Italien

South Stream soll nach den bisherigen Plänen die russische Stadt Anapa am Schwarzen Meer mit dem italienischen Grenzort Tarvisio verbinden. Sie würde es ermöglichen, russisches Gas am Krisenland Ukraine vorbei nach Europa zu transportieren.

Haushalte

Bisherige russische Pläne gingen davon aus, dass durch die Leitung von 2019 an bis zu 38 Millionen Haushalte versorgt werden könnten.

Kosten

Die Kosten für das Vorhaben werden auf 16 Milliarden Euro geschätzt.

Gazprom und Eni

An der Firma South Stream Transport, die ihren Sitz in den Niederlanden hat, sind der russische Gasmonopolist Gazprom mit 50 Prozent und der teilstaatliche italienische Energieversorger Eni mit 20 Prozent beteiligt.

Wintershall und EDF

Die BASF-Tochter Wintershall und der mehrheitlich staatliche französische Energiekonzern EDF halten je 15 Prozent.

Russland hatte am Montag erklärt, das geplante Milliardenprojekt South Stream derzeit nicht verwirklichen zu können, weil die EU „ein Hindernis geschaffen“ habe und Bulgarien die Bauarbeiten am Meeresgrund behindere. Am gleichen Tag vereinbarten Russland und die Türkei den Bau einer anderen Pipeline zwischen beiden Ländern durch das Schwarze Meer.

„Vom türkischen Gasknotenpunkt aus könnte die Gaspipeline in alle Richtungen führen“, sagte Tschischow nun. Am Ende werde dieses Großprojekt „nicht schlechter sein als South Stream“ und auch solchen Drittstaaten offenstehen, „die bislang Interesse am South-Stream-Gas bekundet haben“

Die umstrittene South-Stream-Pipeline sollte Gas an der Ukraine vorbei von Russland nach Europa bringen. Vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise wurde das Großprojekt zum umkämpften Faustpfand zwischen Russland und der EU.

Nach erheblichem Druck aus Brüssel und Washington hatte das Transitland Bulgarien im Juni die Vorarbeiten ausgesetzt. Offiziell bemängelte die EU, dass bei der Vergabe von Aufträgen europäisches Recht verletzt werde.

Von

afp

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