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28.10.2014

09:57 Uhr

Erdogan bezieht neuen Amtssitz

Ein neuer Palast für den Sultan

Aller Kritik und juristischen Einwände zum Trotz hat der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan seinen neuen Amtssitz in Ankara errichten lassen. Am Mittwoch will er einziehen. Die Opposition ruft zum Boykott auf.

Recep Tayyip Erdogan: Herr über 1000 Zimmer. dpa

Recep Tayyip Erdogan: Herr über 1000 Zimmer.

IstanbulDie USA haben ihr Weißes Haus – und die Türken ab Mittwoch einen „Weißen Palast“: Pünktlich zum türkischen Nationalfeiertag weiht Präsident Recep Tayyip Erdogan seinen neuen Amtssitz in Ankara ein.

Der riesige Gebäudekomplex verfügt über modernste Sicherheitseinrichtungen. Kritiker sprechen von Prunksucht und einem staatlichen Schwarzbau, der trotz gerichtlicher Einsprüche errichtet wurde.

In der Öffentlichkeit wird Erdogans neuer Arbeitsplatz „Ak Saray“ genannt, eine Anspielung auf die von ihm gegründete Regierungspartei „Ak Parti“ – „Ak“ bedeutet soviel wie weiß oder sauber. Doch genau das ist der Prachtbau nach Ansicht von Regierungskritikern nicht.

Chronik: Erdogan in der Krise

31. Mai 2013

Das brutale Vorgehen der Polizei gegen Demonstranten, die im Istanbuler Gezi-Park gegen ein Bauprojekt der Regierung protestieren, löst landesweite Straßenschlachten in der Türkei aus. Acht Menschen sterben, tausende werden verletzt.

15. Juni 2013

Erdogan lässt den Gezi-Park gewaltsam räumen.

13. November 2013

Erdogan beginnt seinen Kampf gegen die Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen mit der Ankündigung, private Nachhilfeschulen zu schließen; die sind eine wichtige Einnahmequelle für die Bewegung.

17. Dezember 2013

Istanbuler Staatsanwälte lassen mehrere Dutzend Verdächtige aus dem Umfeld der Erdogan-Regierung unter Korruptionsverdacht festnehmen. Erdogan spricht von einem Komplott der Gülen-Bewegung und reagiert mit der Versetzung vieler leitender Polizeibeamter, darunter auch des Polizeichefs von Istanbul.

25. Dezember 2013

Erdogan bildet sein Kabinett um, nachdem drei in den Korruptionsskandal verwickelte Minister ihren Rücktritt eingereicht haben. Auch ein vierter Minister, der ebenfalls im Zusammenhang mit der Affäre genannt wird, verliert im Zuge der Kabinettsumbildung seinen Posten.

24. Februar 2014

Im Internet tauchen die Mitschnitte von Telefonaten Erdogans mit seinem Sohn Bilal auf, in denen die beiden angeblich besprechen, wie sie größere Geldsummen vor der Justiz verstecken können. Erdogan bezeichnet die Mitschnitte als Manipulation.

21. März 2014

Erdogans Regierung lässt den Zugang zum Kurznachrichtendienst Twitter sperren, über den viele der Korruptions-Enthüllungen publik geworden sind.

26. März 2014

Ein Verwaltungsgericht in Ankara ordnet die Aufhebung der Twitter-Sperre auf. Erdogans Regierung sagt eine Umsetzung des Urteils zu. Der Zugang zu dem Kurznachrichtendienst bleibt trotzdem vorerst gesperrt.

Erdogan setzte sich mit dem Bau über Gerichtsurteile hinweg, die einen Stopp des Projektes in einem eigentlich per Bauverbot geschützten Forstgelände aus der Zeit von Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk forderten. Noch immer laufen juristische Einsprüche gegen den Palast.

Erdogan lässt sich davon ebenso wenig beeindrucken wie von Vorwürfen, dass er mit Traditionen der Republik bricht. Seit Atatürks Zeiten war der „Rosa Palast“ im Ankaraner Stadtteil Cankaya der Amtssitz des Präsidenten. Doch Erdogan ist der Palast zu mickrig. Die bisherigen Repräsentativbauten des Staates seien „der türkischen Republik nicht angemessen“, sagte er vor seiner Wahl zum Staatspräsidenten.

Der „Ak Saray“ mit tausend Zimmern und einer Gesamtfläche von mehreren hunderttausend Quadratmetern symbolisiert die von Erdogan propagierte Regionalmacht der „Neuen Türkei“. Osmanische und seldschukische Motive bilden das Grundmuster der Verzierungen am Prachtbau.

Das Gebäude bietet zudem abhörsichere Besprechungszimmer, atombombensichere Befehlszentralen, einen Hubschrauber-Landeplatz sowie fünf Meter hohe Zimmer. Selbst einem Raketenangriff soll das Gebäude standhalten können. Solartechnik und Regenwasseraufbereitung machen aus dem „Ak Saray“ ein hochmodernes Gebäude.

Nicht alle finden einen Besuch jedoch erstrebenswert. Die größte Oppositionspartei, die säkularistische CHP, will Erdogans Empfang zum Nationalfeiertag im „Ak Saray“ am Mittwoch boykottieren. Mehrere regierungskritische Verbände haben zu einer alternativen Republiks-Feier eingeladen.

Von

afp

Kommentare (1)

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Herr Teito Klein

29.10.2014, 12:54 Uhr

Ein neuer Palast für den Sultan
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Erdogan bezieht seinen neuen "Weißen Palast".
Hierbei handelt es sich um den größten Schwarzbau der Türkei.
Er ist in einem Naturschutzgebiet entstanden, aber das hat einen Erdogan noch nie interessiert.
Und heute, am Nationalfeiertag, will er ihn einweihen.

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