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11.06.2011

17:54 Uhr

Erdogan

Prediger von Istanbul & "Imam Beckenbauer"

VonGerd Höhler

Seit Atatürk hat kein Politiker die Türkei so verändert wie Tayyip Erdogan. Der "Prediger von Istanbul", früher bekannt als "Imam Beckenbauer", wird auch so bald nicht von der politischen Bühne abtreten.

Tayyip Erdogan spricht zu seinen Fans in Diyarbakir. Quelle: dpa

Tayyip Erdogan spricht zu seinen Fans in Diyarbakir.

IstanbulTayyip Erdogan will es wissen, noch einmal: am 12. Juni möchte er die dritte Parlamentswahl in Folge gewinnen. Das hat seit Einführung des Mehrparteiensystems in der Türkei nach dem 2. Weltkrieg bisher nur einer geschafft, Adnan Menderes, der von 1950 bis 1960 regierte -  um dann nach einem Putsch vom Militär hingerichtet zu werden.

So will Erdogan sicher nicht enden. Die meisten politischen Beobachter tippen darauf, dass der 57-Jährige nach Höherem strebt als einer dritten Runde im Amt des Regierungschefs. Spätestens 2014 läuft die Amtszeit von Staatspräsident Abdullah Gül ab. Dann könnte Erdogan seinen alten politischen Weggefährten im höchsten Staatsamt beerben – das er zuvor durch eine Verfassungsänderung und die Einführung eines Präsidialsystems nach französischem Vorbild aufzuwerten gedenkt.

Das wäre die Krönung einer politischen Karriere, die 1998 bereits beendet schien: damals verlor Erdogan sein Amt als Oberbürgermeister von Istanbul, musste wegen islamistischer Hetze zehn Monate ins Gefängnis. Die türkischen Militärs, die sich als Wächter über die weltliche Verfassungsordnung verstehen, atmeten auf: der Fundamentalist Erdogan, der als Stadtvater von Istanbul gesonderte Strände für Frauen und getrennte Schulbusse für Jungen und Mädchen einführen wollte, schien ausgeschaltet. Aber schon wenig später war Erdogan wieder da: 2001 gründete er die islamisch-konservative Gerechtigkeits- und Entwicklungspartei (AKP), die im Jahr darauf vor dem Hintergrund der schweren Finanzkrise einen haushohen Wahlsieg einfahren konnte.

Erdogans erstaunliche Biografie begann in den 60er Jahren in Kasimpasa, dem schäbigen Istanbuler Hafenviertel am Goldenen Horn, wo der junge Tayyip mit dem Verkauf von Sesamkringeln und Limonade das Familieneinkommen aufbessern musste. Der fromme Vater, ein Seemann, schickte seinen Sohn auf eine islamische Religionsschule. Der Priesterschüler wäre am liebsten Fußballer geworden, und seine Ballkünste waren immerhin so beeindruckend, dass er sich den Spitznamen „Imam Beckenbauer“ erwarb. Aber das Angebot eines Istanbuler Profi-Klubs musste er auf Weisung des Vaters ausschlagen.

Kommentare (1)

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Vedat

11.06.2011, 20:35 Uhr

DASS ES DEN TÜRKEN GUT GEHT, OH JA DAS HÖRT MAN UNGERN :)

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