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06.10.2017

16:00 Uhr

Erdogan und Putin

Ziemlich krasse Freunde

Die beiden Staatspräsidenten Russlands und der Türkei zeigen sich gerne als Alliierte. Doch gerade im Nahen Osten gehen ihre Interessen auseinander. Es geht um Verbündete, um Öl – und um die Vorherrschaft in der Region.

Die Staatspräsidenten geben sich als Verbündete, bezeichnen sich als Freunde – und doch verfolgen sie teils gewaltig gegensätzliche Interessen. dpa

Putin (links) und Erdogan in der Türkei

Die Staatspräsidenten geben sich als Verbündete, bezeichnen sich als Freunde – und doch verfolgen sie teils gewaltig gegensätzliche Interessen.

IstanbulWenn Recep Tayyip Erdogan auf Staatsbesuch in ein anderes Land reist, darf meist eine ausgewählte Schar Journalisten mit dem türkischen Präsidenten im Flugzeug reisen. Das ist an sich nichts Besonderes, auch andere Regierungschefs tun das. Der Unterschied ist, dass das, was Erdogan auf 11.000 Metern Höhe von sich gibt, regelmäßig veröffentlicht werden darf. So auch auf seinem Rückflug von einem Staatsbesuch im Iran in dieser Woche.

Da machte sich Erdogan der türkischen Tageszeitung Milliyet zufolge über eine Aussage seines Moskauer Amtskollegen Wladimir Putin lustig. Dieser hätte gesagt, dass im Zuge der Krise um ein Kurdenreferendum kein Ölembargo gegen die kurdische Enklave im Nordirak verhängt werden solle, weil dies die Ölpreise in die Höhe treiben würde.

„Dabei sind hohe Ölpreise auch für Russland gut“, kommentierte Erdogan im türkisch-iranischen Luftraum. „Er hat sich wohl einen Scherz erlaubt.“ Die Journalisten lachten an Bord. Dann folgte ein ernster Zusatz: „Ob die Ölpipelines geschlossen werden, entscheiden die Türkei, der Iran und der Irak gemeinsam.“ Und offenbar nicht Russland.

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Eine kleine Spitze, doch sie zeigt, auf welchen Drahtseilakt sich die beiden Machtpolitiker aus Moskau und Ankara eingelassen haben. Erdogan und Putin geben sich als Verbündete, bezeichnen sich als Freunde – und doch verfolgen sie teils gewaltig gegensätzliche Interessen.

Als die Türkei im November 2015 ein russisches Kampfflugzeug der türkisch-syrischen Grenze abgeschossen hatte, herrschte zunächst eine diplomatische Eiszeit zwischen den beiden Ländern. Russland verhängte in der Folge mehrere Embargos gegen die Türkei. Nach einer offiziellen Entschuldigung Erdogans ein dreiviertel Jahr später begannen die beiden, sich wieder einander anzunähern.

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Was danach folgte, brachte einige im Westen zur Weißglut. Der Nato-Partner Türkei und Russland begannen, den Fortgang des syrischen Bürgerkriegs unter sich auszumachen. Statt der Syriengespräche in der Schweiz etablierten sie ein Forum in Kasachstan – der Westen ist dort nur als Zuschauer präsent. Darüber hinaus einigten sich Putin und Erdogan auf den Bau einer neuen Pipeline, über die russisches Gas über die Türkei nach Europa geliefert werden soll. Und nicht zuletzt bestellte Ankara ein Raketenabwehrsystem in Moskau – mehr als unüblich innerhalb der Nato.

Die beiden pflegen auch charakterlich sowie politisch einige Gemeinsamkeiten. Neben ihrer Vorliebe für eine zentralisierte Macht im Staat haben die beiden fast schon naturgemäß ein Interesse daran, westliche Institutionen zu schwächen. Dazu zählt die russische Einmischung in Wahlkämpfe etwa in den USA oder in Frankreich, oder Erdogans regelmäßige harte Rhetorik gegenüber Brüssel.

Kommentare (1)

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Frau Lana Ebsel

09.10.2017, 10:52 Uhr

Es ist offensichtlich, dass die Türkei nicht mehr lange zur Nato gehören wird.

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