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23.03.2014

16:51 Uhr

Erdogan unter Druck

Türkei twittert trotz Sperre munter weiter

Türkische Internet-Nutzer pfeifen auf die von Regierungschef Erdogan verfügte Twitter-Sperre. Nutzer umgehen die vielfach kritisierte Blockade des Kurznachrichtendienstes. Erneut schaltet sich Präsident Gül ein.

Türkei

Erdogan blockiert Twitter: „Wir werden sie alle auslöschen“

Türkei: Erdogan blockiert Twitter: „Wir werden sie alle auslöschen“

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IstanbulDer türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan gerät wegen der Sperre des Kurznachrichtendienstes Twitter zunehmend unter Druck. Staatspräsident Abdullah Gül bekräftigte am Sonntag seine Kritik und erklärte: „Eine vollständige Schließung des Internets oder solcher Plattformen von Gesetzes wegen ist nicht möglich.“ Die Telekombehörde hatte Twitter in der Nacht zum Freitag blockieren lassen, nachdem Erdogan seine Drohungen gegen soziale Medien verschärft hatte.

Die Twitter-Blockade erfolgte nur kurz vor den Kommunalwahlen am 30. März. Weil die Sperre technisch leicht zu umgehen ist, stieg die Zahl der verschickten Kurznachrichten zunächst sogar an, wie die Medien-Ratingagentur Somera mitteilte.

Erdogan gegen Twitter, Facebook und Co.

5./6. Februar 2014

Das türkische Parlament nimmt einen Gesetzentwurf der Regierung für eine verschärfte Internetkontrolle an. Demnach dürfen Behörden Seiten auch ohne richterlichen Beschluss sperren.

25. Februar

Erdogan bezeichnet auf YouTube veröffentlichte Telefonmitschnitte als Fälschungen. Zu hören ist angeblich, wie er seinen Sohn auffordert, große Geldsummen vor Korruptionsermittlern in Sicherheit zu bringen.

5. März

Erdogan bestätigt laut Nachrichtenagentur Anadolu, dass die über YouTube verbreitete Aufnahme eines seiner Telefongespräche echt ist. Darin geht es um einen Prozess gegen den Medienunternehmer Aydin Dogan, mit dem die türkische Regierung zeitweise zerstritten war.

6. März

Nach der Veröffentlichung zahlreicher kompromittierender Telefonmitschnitte droht Erdogan in einem Interview des Senders ATV mit der Blockade von Facebook und YouTube. Nach der Kommunalwahl am 30. März würden weitere Schritte unternommen.

11. März

Erdogan relativiert in der regierungsnahen Zeitung „Yeni Safak“: Eine vollständige Sperre komme nicht infrage.

20. März

Laut Nachrichtenagentur Anadolu droht Erdogan: „Twitter und solche Sachen werden wir mit der Wurzel ausreißen. Was dazu die internationale Gemeinschaft sagt, interessiert mich überhaupt nicht.“

21. März

Der Zugang zum Kurznachrichtendienst Twitter wird gesperrt.

Westliche Verbündete der Türkei hatten die verfügte Blockade scharf kritisiert. Nach dem Gesetz, aber auch technisch sei die Sperre nicht durchzusetzen, sagte Gül am Sonntag vor Journalisten. Sein Büro sei in Kontakt mit Twitter, um eine Lösung für den Streit zu finden. Für ein entwickeltes und wichtiges Land wie die Türkei sei eine unangenehme Situation entstanden. Er erwarte, dass die Blockade bald aufgehoben werde.

Nach Angaben von Datenauswertungsdiensten wurden in den ersten 36 Stunden des Verbots Millionen von Tweets abgesetzt. Die Ratingagentur Somera teilte mit, die Zahl der Tweets sei sogar um 33 Prozent gestiegen. Datendienste schätzten die Zahl der aus der Türkei pro Minute abgesetzten Tweets auf 17.000.

Twitterer können die Blockade umgehen, indem sie ihre Identität und die Herkunft ihrer Netzeinwahl verschleiern. Solche Verschlüsselungsprogramme sind frei im Internet erhältlich. In Istanbul beschrieben auch Graffiti an öffentlichen Plätzen und einige Radiosender, wie weiter getwittert werden kann.

Kommentare (1)

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24.03.2014, 10:41 Uhr

wie können die denn twittern, wenn twitter gesperrt ist?

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