Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.06.2012

00:21 Uhr

Ereignisse im Rückblick

Von der Gipfel-Einigung bis zur Verabschiedung

Nach der Einigung über Lösungsmaßnahmen für die Euro-Krise kam die parlamentarische Hürde in Deutschland. Handelsblatt Online begleitete die Ereignisse nach dem Gipfel live.

Liveticker

Der Liveticker aus der Handelsblatt-Redaktion

Klares Signal für den bedrohten Euro aus Deutschland: Nach monatelangem Ringen haben Bundestag und Bundesrat den Weg für den milliardenschweren Euro-Rettungsschirm und den Fiskalpakt für mehr Haushaltsdisziplin frei gemacht. Das Bundesverfassungsgericht kann aber noch sein Veto einlegen. Die Linksfraktion und andere Kläger wollen die Verträge in Karlsruhe stoppen. Bis zu einer Entscheidung liegt die deutsche Ratifizierung auf Eis. Der dauerhafte Rettungsschirm ESM kann noch nicht wie geplant zum 1. Juli in Kraft treten.

+++Einzig Brandenburg stimmte gegen Verträge+++

[00:06] In der Länderkammer votierten nach Angaben von Bundesratspräsident Horst Seehofer (CSU) alle Länder mit Ausnahme des rot-regierten Brandenburgs für die beiden Verträge. Es gab damit bei 69 abgegebenen Stimmen 65 Ja-Voten. Mit dem Fiskalpakt verpflichten sich die Unterzeichnerstaaten zu mehr Haushaltsdisziplin, der ESM soll den vorläufigen Rettungsschirm ablösen. Eigentlich sollte der ESM am Sonntag in Kraft treten, wegen der von Linken und anderen angekündigten Klagen kann dieses Datum aber nicht eingehalten werden.

+++Auch Bundesrat verabschiedet ESM und Fiskalpakt+++

[23:58] Der Bundesrat hat den europäische Fiskalpakt und den Euro-Rettungsfonds ESM gebilligt. Nach dem Bundestag stimmte am späten Freitagabend auch die Länderkammer mit der nötigen Zweidrittel-Mehrheit für beide Verträge. Außer dem rot-rot-regierten Brandenburg stimmten alle Länder mit Ja.

+++Koalition zeigte beim Fiskalpakt mehr Einigkeit+++

[23:44] Bei der Abstimmung über den Fiskalpakt, der Europa eine striktere Haushaltsdisziplin verordnen soll, trat Schwarz-Gelb geschlossener auf. Hier gab es bei der Union nur drei Nein-Stimmen bei einer Enthaltung. Bei der FDP waren es vier Nein-Sager bei ebenfalls nur einer Enthaltung. Die SPD, die einen alleinigen Sparkurs für falsch hält, verzeichnete 23 Gegenstimmen und eine Enthaltung. Die Linke votierte auch in diesem Fall geschlossen mit Nein.

+++Viele schwarz-gelbe Nein-Sager im Bundestag+++

[23:19] Bei der Abstimmung über den künftigen Euro-Rettungsschirm ESM hat die schwarz-gelbe Regierungskoalition am Freitag 26 Nein-Sager in den eigenen Reihen hinnehmen müssen. In der Unionsfraktion gab es 16 Abgeordnete, die dem Vertragstext im Bundestag ihre Zustimmung verweigerten. Hinzu kam eine Enthaltung, wie das Ergebnis der namentlichen Abstimmung ausweist. Bei der FDP waren es zehn Gegenstimmen, Enthaltungen gab es hier nicht. In der SPD-Fraktion waren es acht Nein-Stimmen bei vier Enthaltungen, bei den Grünen verzeichnete das Protokoll nur eine Nein-Stimme und keine Enthaltung. Die Linksfraktion stimmte als einzige geschlossen gegen das Instrument, mit dem die EU angeschlagenen Euro-Staaten zur Seite stehen will.

+++Schäuble wirbt vor Bundesrat+++

[23:04] Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat vor dem Bundesrat für den Euro-Rettungsschirm ESM und den europäischen Fiskalpakt geworben. Schäuble begründete die späte Sitzung der Länderkammer unter anderem damit, dass das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe möglichst schnell über die gegen die beiden Gesetze angekündigten Klagen entscheiden können solle. Schäuble erinnerte daran, dass der Bund Länder und Gemeinden im Gegenzug zu einer Zustimmung zum Fiskalpakt finanziell entlasten wolle. Der amtierende Bundesratspräsident, Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), wies für die Länder in diesem Zusammenhang den Vorwurf der Erpressung zurück.

+++US-Staatsanleihen fallen nach Gipfeleinigung +++

[22:57] Die US-Kreditmärkte haben am Freitag Federn gelassen. Die zehnjährigen Staatsanleihen fielen 18/32 auf 100-30/32. Sie rentierten mit 1,6432 Prozent. Die 30-jährigen Bonds verloren 1-15/32 auf 105-1/32 und hatten eine Rendite von 2,7518 Prozent. Händler begründeten die Abschläge mit der überraschenden Einigung der Euro-Politiker auf weitreichende Maßnahmen zur Eindämmung der Schuldenkrise. Damit hätten die US-Bonds an Attraktivität eingebüßt. In Krisenzeiten flüchten sich Anleger im allgemeinen in die als sicher geltenden Staatspapiere. Marktteilnehmer berichteten von einer Umschichtung des Kapitals aus Anleihen in die risikoreicheren Aktien.

+++Bundesrat startet Abstimmung +++
[22:41] Nach dem Bundestag ist nun auch der Bundesrat zusammengekommen, um über den Euro-Rettungsschirm ESM und den europäischen Fiskalpakt abzustimmen. Es wird erwartet, dass die Länderkammer wie der Bundestag den beiden Gesetzen mit Zweidrittel-Mehrheit zustimmt.

+++Linke will noch in der Nacht Klage nach Karlsruhe faxen+++
[22:37] Nach dem Bundestagsbeschluss zu Fiskalpakt und ESM will die Linke noch in der Nacht zum Samstag Klage einreichen. Fraktionschef Gregor Gysi kündigte in Berlin an, die Klageschrift erde nach der für den späten Abend erwarteten Zustimmung des Bundesrates per Fax nach Karlsruhe geschickt. Wegen den von Linken, anderen Politikern und einer Bürgerinitiative angekündigten Klagen kann der dauerhafte Euro-Rettungsschirm nicht wie geplant am Sonntag in Kraft treten. Das Bundesverfassungsgericht will die von den Linken beantragte Einstweilige Anordnung innerhalb der kommenden Wochen prüfen. Deswegen hatte Bundespräsident Joachim Gauck angekündigt, die Gesetze zum ESM und dem Fiskalpakt zunächst nicht zu unterzeichnen. Beim Fiskalpakt hat die Klage zunächst keine gravierenden Folgen, weil er erst im kommenden Jahr in Kraft treten soll.

+++ Bundestag mit möglicherweise kurzer Sommerpause +++

[22:16] Der Bundestag ist am späten Freitagabend in seine parlamentarische Sommerpause gestartet. Parlamentspräsident Norbert Lammert berief die nächste Sitzung für „spätestens“ den 11. September ein. Zugleich gab er den 620 Abgeordneten mit auf den Weg, sie sollten bei ihrer Urlaubsplanung berücksichtigen, „dass es auch deutlich früher sein könnte“. Denn wegen der Parlamentsbeteiligung an Entscheidungen über Euro-Finanzhilfen für Spanien und Zypern wird mit Sondersitzungen wahrscheinlich noch im Juli gerechnet. „Also: Schwimmen Sie nicht zu weit hinaus“, fügte Lammert hinzu.

+++ Wall Street in Jubelstimmung +++

[22:07] Die Beschlüsse in Europa erfreuen die Anleger an der Wall Street. Die Werte sind am Freitag in die Höhe geschossen und lassen die Börse in New York in einem Plus schließen. Für den Dow Jones führten die Gewinne zum besten Monat des Jahres, am Freitag schloss der Index mit einem Plus von 2.2 Prozent. Der breiter gefasste S&P-500 kletterte gar um 2.5 Prozent in die Höhe. Der Nasdaq schloss mit einem 3-Prozent-Plus – das größte bisher dieses Jahr.

+++ Bundestag beschließt Euro-Rettungsschirm ESM +++

[21:41] Der Bundestag hat der Errichtung des dauerhaften Euro-Rettungsschirms ESM zugestimmt. Am Freitagabend kam dafür in Berlin eine deutliche Zweidrittelmehrheit zustande. Mit Ja votierten 493 Abgeordnete. Es gab 5 Enthaltungen und 106 Nein-Stimmen. Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) soll noch im Juli in Kraft treten und angeschlagenen Euro-Staaten finanzielle Hilfe gewähren. Das Ausleihvolumen beträgt maximal 500 Milliarden Euro.

+++ Bundestag beschließt Fiskalpakt +++

[21:24] Der Bundestag hat den europäischen Fiskalpakt gebilligt. Bei der namentlichen Abstimmung am Freitagabend in Berlin kam die erforderliche Zweidrittelmehrheit von mindestens 414 Stimmen zustande. Mit Ja votierten 491 Abgeordnete. Es gab 6 Enthaltungen und 111 Nein-Stimmen. Der völkerrechtliche Vertrag schreibt den 25 Teilnehmerstaaten vor, sich an strenge Sparvorgaben zu halten. Außer Großbritannien und Tschechien wollen alle EU-Staaten mitmachen.

+++ Gauweiler begründet Verfassungsklage +++

[20:36] Der Unions-Abgeordneter Peter Gauweiler (CSU) hat seine Verfassungsklage gegen den dauerhaften europäischen Rettungsschirm ESM im Bundestag erläutert. Es entstehe das größte Haftungsprojekt ohne demokratische Legitimation, sagte er im Plenum. Der Bundestag habe nichts mehr zu sagen, wenn etwa Geld nachgeschossen werden müsse. „Das sind Entscheidungen, die hier nicht mehr getroffen werden müssen, haushaltsrelevante Entscheidungen.“ Parlamentsvorbehalte seien völkerrechtlich nicht abzusichern.

+++ Schäffler: „Das ist nicht meine Vorstellung von Europa“ +++

[20:24] Der FDP-Abgeordnete Frank Schäffler hat vor der Entstehung eines „europäischen Superstaats“ gewarnt. „Wir legen die Lunte an das Haus Europa“, sagte er im Bundestag. „Am Ende steht der europäische Superstaat, der europäische Einheitsbürger. Das ist nicht meine Vorstellung von Europa.“ Schäffler gehört zu den Abweichlern der FDP-Fraktion, die die Beschlüsse für den Fiskalpakt und den Euro-Rettungsschirm ESM ablehnen. Der FDP-Politiker verlangte erneut eine Volksabstimmung auch in Deutschland. Der Euro sei ein „zentralistisches Projekt“, das nun mit Milliardensummen korrigiert werden müsse. „Wer das will, muss das Volk fragen“, sagte Schäffler. „Das darf nicht durch die kalte Küche entschieden werden.“

+++ Schäuble warnt vor einseitiger Schuldenhaftung +++

[20.18] Für Finanzminister Wolfgang Schäuble ist eine einseitige gemeinsame Haftungsübernahme für Schulden unakzeptabel. Eine gemeinsame Haftung in Europa könne es nur bei einer gemeinsamen Finanzpolitik geben, sagte Schäuble im Bundestag. „Gemeinsame Haftung ohne gemeinsame Finanzpolitik, das will ich auch zu meiner Lebenszeit nicht haben“, sagte er in Anspielung an eine Äußerung von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie hatte in einer FDP-Fraktionssitzung am Dienstag Teilnehmern zufolge gesagt, eine gesamtschuldnerische Haftung werde es nicht geben - „solange ich lebe“.

Kommentar zum EU-Gipfel: Die Machtbalance in Europa hat sich geändert

Kommentar zum EU-Gipfel

Die Machtbalance in Europa hat sich geändert

Einige rote Linien hatte Bundeskanzlerin Merkel vor den Diskussionen auf dem Brüsseler EU-Gipfel gezogen. Doch viele sind deutlich nach hinten verschoben worden. Merkel kehrt angeschlagen nach Berlin zurück.

+++ Koalitions-Abgeordnete wollen Änderungsantrag einreichen +++

[19:58] Kurz vor der Abstimmungen über den ESM wollen nach Informationen von Handelsblatt Online Bundestagsabgeordnete von Union und FDP einen Änderungsantrag einreichen. Sie wollen die Gewährung von Finanzhilfen für Krisenländer aus dem Dauer-Rettungsschirm von einer Zustimmung des Bundestags abhängig machen. Die Unterzeichner des Antrags, darunter die Abgeordneten Frank Schäffler (FDP), Klaus-Peter Willsch und Wolfgang Bosbach (beide CDU) verlangen, dass in das ESM-Gesetz ein Passus aufgenommen wird, in dem erklärt wird, dass Stimmabgabe und Stimmenthaltung des deutschen Vertreters im Gouverneursrat und im Direktorium des ESM für die Bundesrepublik erst dann rechtlich verbindlich seien, sobald der Bundestag beteiligt worden sei.


+++ Trittin: Merkel hat Euro-Vertrauenskrise mit verstärkt +++

[19.54] Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin hat Kanzlerin Angela Merkel (CDU) Mitverantwortung für die Vertrauenskrise des Euro vorgehalten. Dazu habe ihr zögerliches Vorgehen beigetragen, sagte Trittin am Freitag im Bundestag. Er mahnte, „nicht ständig neue rote Linien zu malen“, die dann doch wenig später überschritten würden. Wenn man dauerhaft hohe Zinskosten in Europa mindern wolle, müsse man zu einem gemeinsam organisierten Schuldenabbau kommen. Trittin sagte, der Rettungsschirm ESM sei „ein notwendiges Instrument“, das aber nun zu spät eingebracht werde. Da beim Fiskalpakt Rechte delegiert werden, müsse die Kontrolle durch den Bundestag gesichert sein.

Die Beschlüsse des Euro-Gipfels im Überblick

Direkte Bankenhilfe

Um den Teufelskreis zwischen angeschlagenen Banken und Staatsfinanzen zu durchbrechen, sollen Geldhäuser direkt aus dem Rettungsfonds ESM rekapitalisiert werden, heißt es in der Gipfelerklärung. Durch die Notkredite wird sich dann die öffentliche Verschuldung nicht mehr erhöhen - und die Zinsen könnten sinken. Mit dem Beschluss wird eine Kernforderung Spaniens erfüllt. Aber auch Irland wird in Aussicht gestellt, davon Gebrauch machen zu können, um die Schuldentragfähigkeit zu erhöhen. Die Hilfe soll an „angemessene Bedingungen" geknüpft werden.

Bankenaufsicht

Voraussetzung für die direkte Bankenhilfe ist eine effiziente Aufsicht auf der Euro-Ebene. Die Kommission wurde beauftragt, in Kürze einen Vorschlag für einen entsprechenden Mechanismus zu präsentieren, an dem die Europäische Zentralbank beteiligt sein soll. Die Mitgliedsstaaten werden aufgerufen, den Gesetzesvorschlag vordringlich bis Ende des Jahres zu prüfen.

Rettung für spanische Banken

Das bereits zugesagte Rettungsprogramm für die spanischen Banken soll so schnell wie möglich beschlossen werden. Anders als bislang vorgesehen, sollen die Kredite der Europartner keinen Vorrang vor Krediten der Privatgläubiger haben, wenn das Geld aus dem ESM kommt. Im Falle einer Pleite müssten die öffentlichen Geldgeber also genauso verzichten wie die Privatwirtschaft.

Spar- und Reformverpflichtungen

Länder, die den Brüsseler Spar- und Reformverpflichtungen nachgehen, erhalten einen erleichterten Zugang zu den Rettungsschirmen. Wenn sie die Instrumente - etwa den Aufkauf von Staatsanleihen durch den Fonds - nutzen, müssen sie sich keinem zusätzlichen Anpassungsprogramm unterwerfen. Sie müssen lediglich eine Vereinbarung unterzeichnen, dass sie die Vorgaben aus dem Stabilitäts- und Wachstumspakt und die Hausaufgaben der Kommission fristgerecht erfüllen. Das ist ein großes Entgegenkommen an Italien, das bislang aus Sorge vor den strengen Konditionen vor dem Griff zum Eurotropf zurückgeschreckt war.

Zeitplan

Die Eurogruppe soll die Beschlüsse bis zum 9. Juli umsetzen.

Europäische Integration

Die Vertiefung der Eurozone wird vorangetrieben. Die Euro-Chefs einigten sich auf die Baustellen: Den Aufbau einer Banken-Union, einer Fiskal-Union und einer politischen Union. Im Arbeitspapier der Vierergruppe um EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy findet sich weiterhin der Unterpunkt einer schrittweisen Ausgabe von Gemeinschaftsanleihen. Die Bundesregierung wies die Mutmaßung von Italiens Ministerpräsident Mario Monti zurück, damit sei die Tür zu Euro-Bonds geöffnet. Über die Inhalte soll erst auf dem nächsten Gipfel im Oktober gesprochen werden.

+++ IWF und Fitch loben den EU-Gipfel +++

[19:47] Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat die Beschlüsse des EU-Gipfels zur Stabilisierung der Euro-Zone begrüßt. Die Ergebnisse würden dabei helfen, den Teufelskreis an den Anleihemärkten zwischen verschuldeten Staaten und angeschlagenen Banken in der Euro-Zone zu durchbrechen, erklärte eine Sprecherin von IWF-Direktorin Christine Lagarde. Es seien die richtigen Schritte, um die Währungsunion zu vollenden. Die Euro-Zone werde zudem von den Bemühungen um eine größere Zusammenarbeit bei der Haushaltspolitik profitieren. Ähnlich positiv fiel das Urteil der Ratingagentur Fitch aus. Die Gipfelbeschlüsse würden den Druck auf die Bewertungen der Euro-Länder vorerst lindern, erklärte die Agentur. Die Entscheidung zur Schaffung einer grenzübergreifenden Bankenaufsicht in der Euro-Zone sei ein wichtiger Schritt, um das Überleben der Gemeinschaftswährung zu sichern.

+++ Wagenknecht nennt Fiskalpakt „Katastrophenkonzept“ ++++

[19:10] Linke-Fraktionsvize Sahra Wagenknecht hat den Euro-Rettungskurs der Bundesregierung scharf kritisiert. „Dieses Europa ist ein Projekt der Zerstörung von Demokratie und sozialer Gerechtigkeit“ sagte sie im Bundestag. Mit dem Fiskalpakt solle das „Katastrophenkonzept“ für Griechenland und Spanien mit unsäglichen Kürzungsdiktaten auf ganz Europa übertragen werden. „Wollen Sie irgendwann auch in Deutschland griechische Verhältnisse?“ fragte Wagenknecht an die Adresse der Regierung. Mit dem Rettungsschirm ESM folge jetzt „das nächste Milliardengrab“.

+++ Brüderle greift in die Debatte ein +++

[19:06] Der FDP-Fraktionsvorsitzende Brüderle sieht durch die Euro-Beschlüsse erhebliche Veränderungen auf Deutschland zukommen. „Wir ändern die innere Verfasstheit unserer Republik“, sagte er im Bundestag. Deutschland bekomme eine „Prägung, die europäischer ist“. „Deutschland hat nur eine Zukunft in einem starken Europa“, sagte Brüderle. „Europa hat aber nur eine Zukunft mit einem starken Deutschland. Beides gehört zusammen.“ Der FDP-Fraktionschef lobte den Euro als „Symbol für Frieden und Wohlstand in Europa.“ Deshalb müsse er auf Stabilität, Solidität und Solidarität gebaut werden. „Wenn das Geld schlecht wird, wird alles schlecht“, warnte der ehemalige Bundeswirtschaftsminister. Deshalb müsse es europaweit „klare Mechanismen“ geben.

Börsianer zum EU-Gipfel

Oliver Roth, Kapitalmarktstratege bei Close Brothers

„Die Banken können sich nun leichter in der Krise rekapitalisieren als das bisher der Fall war. Bislang waren ja hauptsächlich die Nationalstaaten dafür verantwortlich. Diese Last ist den Staaten nun von den Schultern genommen, und damit wird zum Beispiel der Staatshaushalt von Spanien wesentlich entspannter.
Auch die nordeuropäischen Staaten werden dadurch entlastet, weil die Zinsen auf italienische oder spanische Staatsanleihen deutlich sinken dürften, und das ist gut für die gesamten Geschäftsbeziehungen.“

Citigroup

„Die Kursentwicklung geht über das hinaus, was gerechtfertigt ist. Erstens bedarf es Klarheit darüber, wie und in welchen Fällen Regierungen den ESM in Anspruch nehmen können. Wenn es nur zur Rekapitalisierung von Banken ist, wäre es nicht weitgehend genug, um die zugrundeliegenden Belastungen zu lindern. Zweitens bleiben beträchtliche Umsetzungsrisiken.
Die Regierungen müssen der EZB für ihre neuen Aufsichtsaufgaben Rechte übertragen. Dies könnte sich als umstrittener herausstellen als es die unmittelbare Marktreaktion vermuten lässt. Nach derartigen Ankündigungen ist der anfängliche Optimismus verpufft, sobald sich die Politiker an die Details machen. Wir würden uns nicht wundern, wenn sich dieses Muster wiederholt.“

Jörg Krämer & Christoph Weil, Volkswirte der Commerzbank

„In einer turbulenten Nachtsitzung haben sich die Regierungschefs überraschend grundsätzlich darauf geeinigt, den Banken der hochverschuldeten Krisenländern künftig direkt Hilfen zu gewähren und damit deren Staatshaushalte zu entlasten. (...)
Gemeinsame Anleihen tauchen nach Merkels klarem Nein nicht im Kommuniqué des Gipfels auf. Wir bleiben allerdings bei unserer Prognose, dass Deutschland solchen Anleihen am Ende zustimmen dürfte, wenn die Existenz der Währungsunion gefährdet wäre.“

Tim Waterer, Händler bei CMC Global Markets

„Der Markt ist ein bisschen überrascht, dass etwas substanzielles bei dem Gipfel herausgekommen ist. Die Details zum Zeitrahmen der Umsetzung dieses Plan wird darüber entscheiden, ob die aktuellen Kursgewinne nachhaltig sind.“

Holger Schmiedung, Berenberg-Chefvolkswirt

„Um den Markt zu beeindrucken, sind Eingriffe der EZB notwendig - etwa Interventionen am Anleihenmarkt oder erhebliche Liquiditätsspritzen für die Banken. Ohne EZB geht es nicht.“

+++ Die SPD schießt scharf +++

[18:52] Die SPD hat den Kurs von Angela Merkel in der Schuldenkrise in Europa heftig kritisiert. "Die Krise hat sich in Europa in den letzten drei Jahren unter Ihrer Führung massiv vergrößert", sagte SPD-Parteichef Sigmar Gabriel. Das Wirtschaftswachstum in Europa sei eingebrochen, die Schulden seien um 1100 Milliarden Euro gestiegen und die Jugendarbeitslosigkeit sei europaweit auf fast ein Viertel aller Jugendlichen gestiegen. "Das ist das Ergebnis, wenn man im Sinne von Herrn Kauder Deutsch spricht", sagte Gabriel in Anspielung auf eine Äußerung von Unions-Fraktionschef Volker Kauder zur Führungsrolle Merkels in Europa.

+++ Gabriel prangert Merkel-Bonds an +++

[18:44] Chef Sigmar Gabriel hat die Koalition aufgefordert, den plakativen Widerstand gegen eine gemeinsame Schuldenhaftung in Europa aufzugeben. Der deutsche Steuerzahler hafte doch längst schon für Milliardenbeträge, sagte Gabriel in der Euro-Debatte des Bundestages. So habe die Europäische Zentralbank bereits mehr als eine Billion Euro an direkter und indirekter Staatsfinanzierung geleistet, sagte Gabriel. Für diese "heimlichen Schulden" hafte auch Deutschland - nur eben nicht mit offenen Euro-Bonds, sondern mit verdeckten "Merkel-Bonds".

Kommentare (131)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

ZukunftderEnkel

29.06.2012, 10:56 Uhr

Wie erkläre ich meinen Enkel eigentlich einmal, beim Ausverkauf ihrer Zukunft in unserem (?) Land nicht mehr dagegen unternommen zu haben?

Rene

29.06.2012, 11:34 Uhr

Was ist denn eigentlich seit Ausbruch der Krise in Griechenland tatsächlich geschehen?

Es sind tausende Beschlüsse für Reforemen gefasst. Und kein Krisenland hält sich daran.

Es sind tausende Beschlüsse gefasst, Deutschland zu Deindustrialisierung und violá es geschieht. Mit jedem Anstieg der Zinsen auf Bundesanleihen müssen die Steuern steigen, geht folglich die Kaufkraft/Investitionstätigkeit zurück, Unternehmen gehen insolvent/ins Ausland, das Defizit steigt, die Steuern folglich auch wieder. Die Spirale beginnt und SPD und Grüne applaudieren. Nur vereinzelt Politiker verstehen den (trivialen) Teufelskreis.

AgainstTheThruth

29.06.2012, 12:33 Uhr

bin mal gespannt, ob die ezb den zins senkt. mit blick auf die m3-geldmenge gibt es anlass zur sorge, dass uns bald eine sprunghafte inflation ins haus steht. ist das so gewollt von den eliten da oben? hier steht viel auf dem spiel. die ersten verlierer sind aber die normalbürger, erst dann denkt man an die elitenheinis, die dann vielleicht schon alle ihre schäfchen ins trockene gebracht haben. wir handeln zu behäbig und sollten endlich mal denen da oben zeigen, wer wirklich in deutschland das sagen hat.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×