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11.11.2012

12:38 Uhr

Erfolgsprämien

EU schlägt großzügige Regelung für Banker-Boni vor

ExklusivBanker in der EU können weiter gut verdienen: Banken in der EU sollen ihren Manager und Händlern Boni zahlen dürfen, die bis zu fünf Mal so hoch sind wie das Fixgehalt. Das Europaparlament will dagegen strengere Regeln.

Banker in der EU können sich zum Fixgehalt weiter große Bonuszahlungen dazu verdienen. dpa

Banker in der EU können sich zum Fixgehalt weiter große Bonuszahlungen dazu verdienen.

BrüsselBanken dürfen ihre Manager und Wertpapierhändler mit Erfolgsprämien belohnen, die bis zu fünf Mal so hoch sind wie das Fixgehalt. Voraussetzung dafür ist allerdings eine Genehmigung der Hauptversammlung. Diesen Vorschlag habe die zypriotische EU-Ratspräsidentschaft in die Verhandlungen über die neuen EU-Eigenkapitalvorschriften (CRD IV) für Banken eingebracht, wie das Handelsblatt erfuhr.

Ohne Zustimmung der Aktionäre darf der gesamte Bonus demnach maximal dreimal so hoch sein wie das Festgehalt, wobei der Gesamtbonus neben Sofortzahlungen auch Zahlungsversprechen für spätere Jahre enthält. Die sofortige Bonus-Zahlung - sowohl in Cash als auch in Wertpapieren - wolle Zypern noch strikter begrenzen. Sie solle das Fixgehalt nicht überschreiten.

Zypern wählt mit dieser Lösung einen Mittelweg zwischen den Positionen des Europaparlaments und des EU-Finanzministerrates. Letzterer wollte die Boni eigentlich überhaupt nicht deckeln. Dagegen verlangt das Europaparlament, dass der gesamte Bonus künftig nicht mehr höher sein dürfe als das Festgehalt. Hohe Boni würden die Banker zu übertriebenen Risiken verleiten und damit die Stabilität des Finanzmarktes insgesamt gefährden, meint das Parlament.

Der Streit um die Boni war ein Grund dafür, dass sich die Verabschiedung der neuen EU-Eigenkapitalregeln für Banken immer wieder verzögerte. Die EU will nun aber auf der Grundlage des neuen zypriotischen Kompromissvorschlages noch im November zum Abschluss kommen.

Wo Banker in Europa am meisten verdienen

Gehalt und Leistung

Ein erstes Urteil fällt eine Studie des unabhängigen Equity-Research-Unternehmens Alpha Value schnell: Banker verdienen zu viel. Im Schnitt sind es rund 40 Prozent mehr als andere Industrien. Dies steht im krassen Gegensatz zu der Performance der Geldhäuser – Aktionäre haben seit 2007 mit Bankentitel rund 86 Prozent an Vermögen verloren. Ein kurze Übersicht, wo in Europa wie viel verdient wird.

Platz 13

In Belgien haben Banker 2010 laut einer Studie von AlphaVille 250.700 Euro verdient. Im Vorjahr war es mehr als doppelt so viel. Die Summen beziehen sich auf Durchschnittgehälter von leitenden Managern.

Platz 12

Die Banker in Norwegen haben dagegen 2010 mehr verdient als im Jahr davor, nämlich im Schnitt 538.000 Euro.

Platz 11

Bei unseren Nachbarn in den Niederlanden verdient man als Banker durchschnittlich "nur" 623.000 Euro, ein wenig mehr als 2009.

Platz 10

Die Banker in Dänemark haben es noch so gerade in die Top Ten geschafft: Sie verdienten 2010 im Schnitt 797.000 Euro.

Platz 9

Vielleicht eine kleine Überraschung, die Portugiesen in diesem Ranking so weit oben zu sehen. Aber nur weil das Land kein richtig großes Institut hat, können die Banker ja dennoch ordentlich verdienen: 846.000 Euro waren es durchschnittlich - übrigens deutlich mehr als 2009.

Platz 8

Einen kräftigen Schluck aus der Pulle haben sich die französischen Banker gegönnt: Ihr Durchschnittgehalt stieg auf 865.000 Euro. Im Vorjahr waren es "nur" knapp 600.000 Euro.

Platz 7

Auf Rang sieben überspringt Österreich die "magishe" Millionengrenze: In der Alpenrepublik verdienen Top-Banker im Schnitt 1,25 Millionen Euro.

Platz 6

Auch in Schweden kann man in Geldhäusern gutes Geld verdienen: 1,36 Millionen Euro waren es 2010.

Platz 5

Die Italiener schaffen es in die Top Five. Die leitenden Angestellten von Unicredit, Intesa und Co. verdienen durchschnittlich 1,9 Millionen Euro.

Platz 4

Bis zu unseren deutschen Bankern auf Rang vier ist es ein gewaltiger Sprung: Hierzulande verdienen leitende Manager 3,3 Millionen Euro. 2009 war es mit 3,5 Millionen Euro übrigens ein wenig mehr.

Platz 3

Sozusagen aufs Treppchen haben es die Funktioniere in Spanien geschafft: Hier lag das Gehalt bei 3,7 Millionen Euro.

Platz 2

Noch ein wenig mehr gibt es in der Schweiz, nämlich 4,4 Millionen Euro. Allerdings sind die Lebenshaltungskosten in Zürich oder Genf auch ein gutes Stück höher als in Deutschland.

Platz 1

Mit weitem Abstand gibt es in Großbritannien am meisten zu verdienen: 5,8 Millionen Euro verdienen die Banker in London. Kein Wunder, tun hier doch sehr viele Investmentbanker ihr Werk, die gewohnheitsmäßig auf überdurchschnittliche Vergütungen kommen.

Von

rut

Kommentare (11)

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schilda

11.11.2012, 12:57 Uhr

die zyprioten,wollen von der EU gerade mit zig milliarden gerettet werden,weil ihre banken zweistellige milliardenbeträge vergeigt haben und ihr hunderttausende einwohner staat pleite ist

und diese nichtskönner,eu kostgänger,schwarzgeldwäscher, wollen die bankerboni regeln.

die eu is ein narrenhaus,das wir bezahlen

beat126

11.11.2012, 14:05 Uhr

Die Schweiz wird noch dieses Jahr über die sogenannte Abzocker-Initiative abstimmen. Sie soll überzogene Boni, Antrittsgelder oder goldene Fallschirme verbieten und 20 andere wichtige Punkte bei der Abgeltung und Transparenz bei Abstimmungen bei Aktionärsversammlungen regeln.

Wird diese Initiative angenommen, wird nicht etwa der Bankenplatz Schweiz geschwächt, sondern es wird noch interessanter das Geld hier anzulegen.

Die EU und die Euro-Zone sowieso müssten ihre Regeln anpassen, um überhaupt noch attraktiv zu bleiben.

Roentgenauge

11.11.2012, 14:13 Uhr

Die Boni kann man so auf jeden Fall nicht in den Griff bekommen. Wenn der Händler 10% oder mehr Rendite pro Jahr macht, dann ist es nur eine Frage der Zeit, wann er bei einem beschränkten Gehalt/Gehaltsobergrenze mit seinem eigenen Geld handelt. Das bedeutet, dass viele Händler dann außerhalb von Banken in neuen Prop Trading Buden, Hedge Fonds, etc. handeln. Da diese aber derzeit viel weniger streng reguliert werden, wäre eine solche Regelung ein klares Eigentor. Dieses kleine Gesetz kann damit verheerende Auswirkungen haben, die die beabsichtige Wirkung ins Gegenteil verkehren. Dies sollte als Warnung verstanden werden.

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