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24.12.2014

04:09 Uhr

Erhöhte Gefahr

Anti-Terror-Polizei nimmt in Sydney zwei Männer fest

Einen Tag nachdem Australiens Premier Abbott zu erhöhter Wachsamkeit aufrief, nehmen Anti-Terror-Polizisten zwei verdächtige Männer fest. Einer von ihnen soll Dokumente zur Vorbereitung eines Anschlags besessen haben.

Der Chef der australischen Bundespolizei, Michael Phelan, geht nach der Pressekonferenz von der Bühne: Er informierte die Öffentlichkeit von den Festnahmen zweier junger Männer, die mit IS-Ideologien in Verbindung gebracht werden. dpa

Der Chef der australischen Bundespolizei, Michael Phelan, geht nach der Pressekonferenz von der Bühne: Er informierte die Öffentlichkeit von den Festnahmen zweier junger Männer, die mit IS-Ideologien in Verbindung gebracht werden.

SydneyMehr als eine Woche nach der dramatischen Geiselnahme in Sydney haben Anti-Terror-Ermittler in der australischen Metropole zwei Männer festgenommen. Die Festnahmen seien Teil eines anhaltenden Einsatzes, teilte die Bundespolizei am Mittwoch mit. Einer der beiden Festgenommenen soll demnach in Besitz von Dokumenten zur Vorbereitung eines Anschlags gewesen sein.

Nach Angaben des stellvertretenden Chefs der Bundespolizei, Michael Phelan, wurden in den bei dem 20-Jährigen beschlagnahmten Unterlagen potenzielle Regierungsziele genannt. Diese hätten sich allesamt in Sydney befunden.

Dem zweiten Verdächtigen, einem 21-jährigen Mann, wurde vorgeworfen, gegen eine von einem Richter erlassene Kontrollverfügung verstoßen zu haben. Diese kann nach australischen Recht unter anderem erlassen werden, um einen Anschlag zu verhindern: Sie soll beispielsweise einen Verdächtigen daran hindern, Australien zu verlassen oder mit bestimmten Leuten in Kontakt zu treten.

Weitere Details wollte Phelan zunächst nicht nennen. Er zeigte sich aber „zuversichtlich“, dass die Festnahmen alle Planungen zunichte gemacht hätten.

Zeitlicher Ablauf des Geiseldramas in Sydney

9.45 Uhr (Ortszeit)

Die Polizei wird zum Café des Schokoladenherstellers Lindt am Martin Place in der Innenstadt von Sydney gerufen. Erste Berichte, es könnte sich um einen bewaffneten Raubüberfall handeln, bestätigen sich nicht.

10.10 Uhr

Australische Fernsehsender zeigen Aufnahmen von Geiseln in dem Café, die ihre Arme hochhalten und die Hände gegen ein Fenster des Cafés gedrückt halten. Kurze Zeit später erscheinen zwei Geiseln am Fenster, die eine schwarze Flagge mit weißer arabischer Schrift halten.

10.30 Uhr

Bewaffnete Polizisten versammeln sich vor dem Café. Umliegende Gebäude werden evakuiert.

12.30 Uhr

Premierminister Tony Abbott verspricht im Staatsfernsehen eine gründliche Polizeireaktion auf den Zwischenfall.

Gegen 16.00 Uhr

Drei Männer flüchten aus dem Notausgang des Cafés und rennen auf die Polizei zu. Einer von ihnen trägt eine Lindt-Schürze. Es handelt sich offenbar um einen Angestellten des Cafés.

Gegen 17.00 Uhr

Zwei Frauen rennen aus der gleichen Seitentür in die Arme von Polizisten. Beide tragen Lindt-Schürzen.

18.00 Uhr

Abbott teilt mit, der Geiselnehmer habe von einer „politischen Motivation“ gesprochen. Er verweist aber nicht auf Sorgen vor einem möglichen Terroranschlag.

18.30 Uhr

Die stellvertretende Polizeichefin Catherine Burn sagt, die Polizei führe „heikle Verhandlungen“, die Diskretion voraussetzten. Sie will nicht sagen, ob zum Geiselnehmer ein direkter Kontakt hergestellt worden sei. Auch zur Zahl der festgehaltenen Geiseln oder der Taktik der Behörden bei dem Geiseldrama macht sie keine genaueren Angaben.

20.15 Uhr

Polizeichef Andrew Scipione erklärt es zur Priorität der Polizei, jeden sicher aus dem Café zu holen. Er will nicht über die Motive des Bewaffneten oder einen möglichen terroristischen Zusammenhang spekulieren.

21.00 Uhr

Die Beleuchtung im Café wird ausgeschaltet. Polizisten vor dem Gebäude ziehen Nachtsichtbrillen auf.

Als Reaktion auf eine zunehmende Zahl australischer Staatsbürger, die sich dem Kampf der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat in Syrien und dem Irak anschlossen, hatte die Polizei bereits im September eine Reihe von Razzien in Sydney und Brisbane vorgenommen. Gleichzeitig wurde damals die Terror-Warnstufe angehoben.

Die australischen Ermittler haben laut Phelan seitdem eine Gruppe von 15 bis 20 Verdächtigen im Visier, deren „Ideologie mit dem IS zusammenhängt“. Einige von ihnen müssten sich wegen „ernster terroristischer Vergehen“ verantworten, sagte er.

Premierminister Tony Abbott rief am Dienstag zu erhöhter Wachsamkeit während der Weihnachtstage auf. Seit der Geiselnahme am Montag vergangener Woche hätten die Sicherheitsdienste in den Netzwerken von Extremisten ein „erhöhtes Maß an Kommunikation“ beobachtet, sagte der Premierminister nach einem Treffen mit seinen Sicherheitsberatern. Er fügte hinzu, „wir wissen nicht, wann und wie eine neue Attacke geschehen könnte, aber wir wissen, dass es Menschen mit der Absicht und der Fähigkeit gibt, weitere Anschläge zu verüben.“

Der iranische Islamist Man Haron Monis hatte am Montag vergangener Woche in einem Café im Zentrum Sydneys 17 Menschen in seine Gewalt gebracht. Nach 16 Stunden stürmte die Polizei das Lokal. Zwei Geiseln und der Täter kamen ums Leben. Die Tat des vorbestraften Islamisten wurde offiziell nicht als Terrorangriff eingestuft, und Abbott lehnte jede Spekulation über eine mögliche neue Bedrohung ab.

Direkte Verbindungen zwischen Monis und der Gruppe von Verdächtigen gibt es nach den Worten des stellvertretenden Polizeichefs nicht. Doch seit der Geiselnahme tausche auch sie sich vermehrt aus, sagte er. „Die Gruppe steht nun schon seit längerem unter Beobachtung und wir wollen sichergehen, dass wir ihren Aktionen stets zuvorkommen“, sagte Phelan weiter.

Von

afp

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