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19.08.2012

19:38 Uhr

Erkki Liikanen

Kompetenter Pragmatiker aus dem hohen Norden

VonHelmut Steuer

Obwohl der finnische Zentralbankchef mit der EU gut vernetzt ist, geht er zum EZB-Chef Mario Draghi eher auf Distanz. Liikanen kennt die EU-Bürokratie nur zu gut und gilt als Gegner der Fiskalunion.

Der finnische Zentralbankchef Erkki Liikanen. ap

Der finnische Zentralbankchef Erkki Liikanen.

StockholmDas stets verschmitzte Lächeln ist ihm auch in diesen Tagen nicht vergangen. Der finnische Notenbankchef Erkki Liikanen macht immer den Eindruck, er hätte alles im Griff, würde stets eine Lösung auch für große Probleme aus dem Ärmel schütteln können. Und vielleicht war es genau das, was den knapp 62-Jährigen für seinen Zweitjob qualifiziert: Im Februar ernannte ihn Michel Barnier, EU-Kommissar für Binnenmarkt und Dienstleistungen, zum Vorsitzenden einer Expertengruppe, die bis zum kommenden Monat Vorschläge über Strukturreformen des europäischen Bankensektors ausarbeiten soll.

Das mittlerweile auch als Liikanen-Gruppe bezeichnete Team aus hochrangigen Experten wird einen ganzen Katalog an möglichen Maßnahmen zur Regulierung der europäischen Banken vorlegen. Nicht ausgeschlossen ist, dass systemrelevante Banken etwa einen zusätzlichen Eigenkapitalpuffer anlegen müssen.

Außerdem soll es für diese wichtigen Kreditinstitute eine europäische Aufsicht geben, die die grenzüberschreitenden Banken kontrolliert. Ziel der Gruppe ist es, eine weitere - und damit dritte - Bankenkrise seit 2008 zu verhindern.

Dass die Wahl auf Liikanen als Chef dieses Expertengremiums fiel, war kein Zufall. Denn der Finne gilt in Brüssel als kompetenter Pragmatiker, der sich auch nicht scheut, unbequeme Themen anzusprechen. Zudem ist er innerhalb der Europäischen Union vernetzt wie kaum ein Zweiter.

Der ausgebildete Volkswirt und Politologe war zunächst von 1995 bis 1999 als Mitglied der EU-Kommission verantwortlich für Haushaltsfragen. Danach wurde er EU-Kommissar für Unternehmen und Informationstechnologie. In dieser Zeit erwarb sich der Sozialdemokrat den Ruf eines stets informierten und durchsetzungsfähigen Politikers.

Diese Fähigkeiten hatte man in seiner Heimat längst entdeckt. Bereits 1972 wurde er mit 21 Jahren als jüngstes Mitglied in das finnische Parlament gewählt. Und nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaftslehre an der Universität in Helsinki zog er 26-jährig in den Aufsichtsrat der staatlichen Telekomgesellschaft Televa ein. Später wurde Liikanen Mitglied des Kontrollgremiums beim finnischen Stahlriesen Outokumpu.

Neben seinem Engagement bei finnischen Unternehmen bastelte er an seiner politischen Karriere - mit Erfolg. Sechs Jahre lang war er Generalsekretär der finnischen Sozialdemokraten und schaffte es bis ins Amt des Finanzministers, das er zwischen 1987 und 1990 innehatte.

Kommentare (3)

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Finnen-sind-schlauer

19.08.2012, 20:56 Uhr

Im Gegensatz zu Merkel und Schäuble haben sich die Finnen für ihre Beiträge zur Griechenland- und Eurorettung Pfänder geben lassen. Wenn das eintritt, war unvermeidlich ist und erstmal Griechenland (andere werden folgen) wieder seine Schulden nicht zahlen will, kann Liikanen weiter Lächeln. Finnlands Beitrag ist durch Pfand gesichert. Deutschland steht ob der schlechten Qualität seiner politischen Klass mit leeren Händen da. Aber das macht ja nux. Der dröge deutsche Steuermichel wird schon zahlen.

Fortunio

19.08.2012, 21:36 Uhr

Das Beispiel Liikanen zeigt, dass auch Sozialdemokraten Realisten sein können, je weiter nördlich desto klaren wird der Verstand. Der deutsche Sozialdemokrat Sarrazin gehört auch in diese Liga europäischer Sozialdemokraten, die sich neuen Einsichten und seien die auch unangepasst und nicht opportun, nicht verschließt.
Die Finnen haben zudem den Vorteil eine Partei wie die "Wahren Finnen" zu besitzen, die auch in anderen Parteien, die notwendigen Erkenntnisse befeuern.
Man kann nur hoffen und wünschen, dass im nächsten Bundestag eine Partei sitzt, etwa die Freien Wähler, die diese Aufgabe auch in Deutschland wahrnimmt,und für eine nördliche Brise frische Luft sorgt.
Vielleicht sollte man Frau Merkel und Herrn Schäuble auch regelmäßige Saunabesuche zur Gehirndurchlüftung empfehlen.
Ob´s was hilft, wäre abzuwarten.
Bei Herrn Gabriel ist diese Wunsch freilich von vornherein vergeblich. Bei den stones ebenso.

r-tiroch@t-online.de

19.08.2012, 22:33 Uhr

3. Bankenkrise? gibt es die nicht pausenlos seit Juli 2007?

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