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10.04.2016

11:10 Uhr

Ermittlungen in Belgien

Brüsseler Terrorverdächtige planten weiteren Anschlag in Paris

Die Attentäter von Brüssel wollten nach Erkenntnissen der Ermittler ursprünglich einen weiteren Anschlag in Paris verüben. Da ihnen die Polizei auf der Spur gewesen sei, hätten sie sich umentschieden.

Belgische Polizisten bei einer Razzia im Brüsseler Stadtteil Etterbeek. dpa

Police raid in Brussels

Belgische Polizisten bei einer Razzia im Brüsseler Stadtteil Etterbeek.

BrüsselDie islamistischen Attentäter von Brüssel haben nach Erkenntnissen der belgischen Ermittler zunächst einen weiteren Anschlag in Paris geplant. Angesichts des immensen Fahndungsdrucks sei den Extremisten aber die Zeit davon gelaufen, so dass sie sich für Brüssel als Anschlagsziel entschieden, teilte die Staatsanwaltschaft am Sonntag mit.
Die Extremisten aus dem Brüsseler Brennpunktviertel Molenbeek gehörten zu den Attentätern der Paris-Anschläge mit 130 Toten am 13. November. Am 22. März verübte die Zelle dann Selbstmordanschläge am Flughafen von Brüssel und in einer U-Bahn im EU-Viertel, bei denen 32 Menschen getötet wurden.

Belgien und der Islamismus

Anschlag auf Jüdisches Museum

Am 24. Mai 2014 erschießt der Islamist Mehdi Nemmouche bei einem Anschlag auf das Jüdische Museum in Brüssel vier Menschen. Der Täter ist Franzose. Er wird später im südfranzösischen Marseille verhaftet und nach Belgien ausgeliefert. Nemmouche ist bislang nicht verurteilt.

Belgische Kämpfer in Syrien

Aus keinem EU-Land sind hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung so viele Kämpfer in den syrischen Bürgerkrieg gezogen wie aus Belgien. Das berichtete das britische Magazin „The Economist“ im Vorjahr. Nach einer aktuellen Auflistung des Thinktanks Brookings reisten bislang bis zu 650 Kämpfer aus Belgien in das Konfliktland.

Syrien-Rückkehrer in Verviers

In der Stadt Verviers sollen nach Angaben des belgischen TV-Senders RTL-Info bis zu zehn Syrien-Rückkehrer gelebt haben. Verviers hat etwa 50.000 Einwohner und liegt rund 35 Kilometer südwestlich von Aachen.

Paris-Attentäter mit Kontakt nach Belgien

Einer der Attentäter, die das französische Satire-Magazin Charlie Hebdo in Paris im Januar 2015 angriffen, hatte Verbindungen nach Belgien. Ein Mann aus dem südbelgischen Charleroi hatte in den vergangenen Monaten mit Amedy Coulibaly über den Kauf eines Autos und von Waffen verhandelt. Die Polizei habe entsprechende Dokumente bei dem Verdächtigen gefunden, berichteten belgische Medien. Coulibaly hatte am Freitag in einem koscheren Supermarkt in Paris Geiseln genommen und vier Menschen erschossen. Er selbst wurde anschließend von der Polizei getötet. Auch einige der Terroristen der Pariser Attentate vom November 2015 kamen ursprünglich aus Belgien.

Ursprüngliches Ziel seien weitere Anschläge in Frankreich gewesen, hieß es in einer knappen Erklärung der Staatsanwaltschaft. Doch hätten sich die Extremisten kurzfristig zu Anschlägen in Brüssel entschieden, weil ihnen die Ermittler auf der Spur gewesen seien.

Am Freitagabend hatte die Polizei einen Hauptverdächtigen festgenommen, Mohamed Abrini, der auf einem Foto der Attentäter vom 22. März am Brüsseler Flughafen zu sehen war. Der "Mann mit Hut" spielte den vorläufigen Ermittlungen zufolge auch bei den Anschlägen in Paris eine wichtige Rolle.

Von der französischen Justiz ist der 31-Jährige deshalb bereits formell beschuldigt worden. Am Sonntag tat dies die belgische Generalstaatsanwaltschaft auch im Zusammenhang mit den Attentaten in Brüssel und ordnete seine weitere Inhaftierung an. Ihm würden die Beteiligung an Aktivitäten einer Terrorgruppe, terroristische Morde und versuchte terroristische Morde vorgeworfen, erklärte die Behörde.

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