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14.01.2013

06:49 Uhr

Erneuerbare Energien

Der Club der Wendewilligen

Deutschland sucht Mitstreiter für seine Energiewende. Mit rund zehn Staaten soll bei einer Konferenz in Abu Dhabi eine Koalition der Willigen begründet werden. Greenpeace warnt: Mit ein paar Dollars mehr reichen nicht.

Windkraft und Sonnenenergie ist ein Element der Energiewende. dpa

Windkraft und Sonnenenergie ist ein Element der Energiewende.

Abu DhabiIn Abu Dhabi will Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) am heutigen Montag mit voraussichtlich zehn anderen Ländern einen Club der Energiewendestaaten aus der Taufe heben. Zunächst nimmt Altmaier in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate an der Vollversammlung der Internationalen Agentur für erneuerbare Energien (IRENA) teil. Am Abend soll dann die Grundlage für die engere Kooperation mit bestimmten Staaten beim Ausbau der erneuerbaren Energien gelegt werden.

Die genaue Zahl der teilnehmenden Staaten soll erst im Rahmen der inoffiziellen Gründungsveranstaltung festgelegt werden. Geplant ist, dass auch große Länder wie China mitmachen. Dadurch soll der globale Klimaschutz in Zeiten einer rasanten Erderwärmung gestärkt werden. Zudem sind fossile Rohstoffe nicht mehr unbegrenzt verfügbar und dürften immer teurer werden. „In einer Welt von bald acht Milliarden Menschen wird es keine Alternative mehr dazu geben, Wirtschaftswachstum vom Verbrauch natürlicher Ressourcen zu entkoppeln, wenn wir nicht unsere elementaren Lebensgrundlagen auf diesem Planeten gefährden wollen“, hatte Altmaier seinen Einsatz für ein solches Vorreiter-Bündnis schon vor Monaten in einem Gastbeitrag in der „Financial Times Deutschland“ begründet. Die erneuerbaren Energien seien der Schlüssel für die Energieversorgung von morgen.

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Zugleich seien sie ein Motor für wirtschaftliche Entwicklung und neue Arbeitsplätze, so Altmaier. Über 3,5 Millionen Menschen würden weltweit bereits in dieser Branche arbeiten. Rund 120 Staaten hätten bereits nationale Ausbauziele, darunter auch Ölproduzenten wie Saudi-Arabien, aber auch große Schwellenländer wie China oder Brasilien setzten immer stärker auf den Ausbau grüner Energie.

Die Ökoenergie-Branche könnte durch eine stärkere Kooperation auf neue Absatzmärkte hoffen. Angesichts nur minimaler Fortschritte bei den UN-Klimakonferenzen sieht Altmaier eine wichtige Ergänzung in neuen Bündnissen von Vorreiterstaaten. Er betont, dass gerade in Schwellen- und Entwicklungsländern der Ökostrom-Ausbau noch stärker unterstützt werden müsse, denn rund 1,4 Milliarden Menschen in den Entwicklungsländern seien an keine Energieversorgung angeschlossen.

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Die Umweltschutzorganisation Greenpeace sieht in dem Club jedoch die Gefahr reiner Symbolpolitik. „Wir brauchen sicher nicht noch ein Jahrzehnt neue Energiewende-Konferenzen“, sagte der Energieexperte von Greenpeace International, Sven Teske, der Nachrichtenagentur dpa. „Wir brauchen nicht ein weiteres Wohlfühlprogramm mit ein paar Dollar für ein paar Solaranlagen und eine jährliche Konferenz.“ Zudem sei so etwas nur sinnvoll, wenn auch der Druck erhöht würde, „letztendlich jegliche Unterstützung für den weiteren Ausbau von Kohle- und Atomkraftwerken auf Null zu fahren“.

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Teske, Koordinator einer globalen Energiestudie zum Ausbau erneuerbarer Energien, sagte, heute gebe es neue Herausforderungen, die finanzielle Unterstützung werde immer weniger benötigt. „Die Kosten für Erneuerbare sind heute quasi die gleichen wie für konventionell erzeugte Energie.“ Die Preisgleichheit sei geschafft.

Nur die Zeitgleichheit, also die Stromproduktion wenn der Strom auch gebraucht wird, sei bei Wind- und Solarenergie noch nicht erreicht. „Damit ist die Hürde, die die Energiewendestaaten rein finanziell überspringen müssen, um Erneuerbare auszubauen eher nicht vorhanden. Die Netzregelungen sind jetzt eigentlich der Fokus der Debatte, nicht die Einspeisevergütung für Erneuerbare“, sagte Teske. Im Stromnetz sollten die Erneuerbaren generell und immer Vorfahrt haben - übrige Energieformen müssten sich daran orientieren.

Von

dpa

Kommentare (9)

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vandale

14.01.2013, 08:12 Uhr

Je weiter man sich von Deutschland entfernt, desto weniger sind die Staaten von einer "Energiewende" mit "Erneuerbaren Energien*" begeistert. Viele Staaten schauen mit grösstem Interesse auf das vorraussehbare Scheitern.

Der Minister hat diese Initiative gestartet um damit einen Anschein zu generieren dass die "Energiewende" eine weltweite Bewegung sei. Im Gunde sucht er Weggefährten auf dem Weg in ein absehbares Desaster.

Vandale

*Der Begriff "Erneuerbare Energien" wurde von den Oekologen gewählt um die Geringschätzung gegenüber Technik und Naturwissenschaft kund zu tun. Wissenschaftlich betrachtet gibt es keine "Erneuerbaren Energien".

Unter "Erneuerbaren Energien" werden Sonne, Wind, Wasserkraft und die Verbrennung von Holz und Lebensmitteln verstanden.
Wasserkraft gehört eigentlich nicht zu den "Erneuerbaren Energien" als man mit Wasserkraft nutzbaren Strom zu wettbewerbsfähigen Bedingungen erzeugen kann. Biomasse wird in vielen 3. Welt Staaten genutzt.

Besser als der Begriff "Erneuerbare Energien" würde der Begriff Wind- Sonnenenergie und Lebensmittelverbrennungsenergie passen.

Analyst

14.01.2013, 08:41 Uhr

Es gibt nur eine derzeit gangbare Lösung um den Energiehunger der Welt umweltverträglich zu stillen, und diese Lösung heißt Kernspaltung mit einer neuen Generation von Reaktoren. Alle anderen Lösungen sind entweder keine oder kommen viel zu spät. Auf die deutschen "Wohlfühl-Pflaster" und Belehrungen kann die Welt verzichten. 4 Milliarden Menschen wollen derzeit einen Wohlstand, den sich derzeit nur ca. 1 Mrd. Menschen leisten kann - und zwar im Rahmen einer Generation (20 Jahre). Moralisch sind diese Länder im Recht und wir haben aufgrund der uns anzurechnenden Co2-Produktion der letzten 100 Jahre keinen "high-ground". Deshalb brauchen wir Lösungen die funktionieren, billig sind und ohne Zwang durchsetzbar. Jede brauchbare Lösung wir geprüft. Nicht brauchbare Lösungen sollten aber schnellstmöglich verworfen werden, da dies nur aufhält.

Grundschule

14.01.2013, 09:21 Uhr

Tja, laut Herrn Teske haben wir also Preisgleichheit zwischen "erneuerbarer" und konventioneller Energieerzeugung. Nur die Zeitgleicheit zwischen Bedarf udn Erzeugung sei bei Wind und Solar noch nicht erreicht. Wer so einen Unsinn schwafelt sollte sich nicht mit Studien sondern mit Grundrechenarten beschäftigen. Nicht nur das Solar- udn Windstrom immer noch weit teurer in der Erzeugung sind, als der Strom aus Kohle, Kernkraft oder Gas, nein zu diesen Kosten muss bei Sonne und Wind auch der Aufwand für die Versrogungssicherheit gezählt werden. Die Nebelbomben des Herrn Teske werden nicht reichen. Ich bin jedenfalls gespannt, ob die Damen und Herren das Thema Energie wirklich noch bis zur Bundestagswahl verschleppen können, oder ob die ökonomischen und physikalischen Realitäten sie noch davor dazu zwingen, die Wende von der Wende hinzulegen. Jedenfalls sind die Rechenkünste des Herrn Teske ein wunderbares Beispiel dafür, wie sich Ideolgien verbiegen müssen, wenn sie es mit der Realität zu tun bekommen.

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