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19.01.2013

17:12 Uhr

Erneute Fahnenflucht

Syrischer Pilot greift eigene Truppen an

In Syrien sind bereits mehrere Luftwaffenpiloten mit ihren Maschinen desertiert. Nun kam es erneut zur Fahnenflucht: Ein Pilot verweigerte den Befehl zur Bombardierung und griff dann die eigenen Regierungstruppen an.

Syrischer Kampfjet: Erneut ist ein Pilot der syrischen Armee desertiert. Reuters

Syrischer Kampfjet: Erneut ist ein Pilot der syrischen Armee desertiert.

Istanbul/BeirutFahnenflucht mit Luftangriff: Im Syrienkonflikt ist nach Angaben von Aktivisten ein Luftwaffenpilot während eines Einsatzes desertiert. Danach soll er Regierungstruppen angegriffen haben. Wie Oppositionelle berichteten, hatte der Pilot zunächst den Befehl verweigert, Unruheregionen im Großraum Damaskus zu bombardieren. Dann habe er sich gegen das syrische Militär gewandt. Landesweit dauerten derweil die Kämpfe an.

In der nördlichen Provinz Idlib attackierten Rebellen nach Oppositionsangaben Militärstützpunkte des Regimes, um ihren Einflussbereich auszuweiten. Nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wollten sie die Versorgungsrouten für die Stützpunkte Wadi al-Daif und Hamdijeh abschneiden. Berichte aus Syrien sind wegen der Medienblockade des Regimes von Baschar al-Assad von unabhängiger Seite nur schwer zu überprüfen.

Eine Delegation der Vereinten Nationen ist derzeit in Syrien unterwegs, um sich ein Bild von der Lage der Flüchtlinge zu machen. Nach Uno-Einschätzung sind derzeit landesweit rund vier Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Arabische Liga und Vereinte Nationen wollen am 30. Januar bei einer internationalen Geberkonferenz in Kuwait Hilfsgelder sammeln.

Das Büro des UN-Kinderhilfswerks (Unicef) für den Nahen Osten und Nordafrika kritisierte, dass insbesondere Kinder einen hohen Preis für den Dauerkonflikt zahlten. So würden selbst sie bei Angriffen und Massakern nicht verschont, hieß es. Aktivisten zufolge wurden allein in der vergangenen Woche rund 60 Kinder in Unruheregionen wie Homs, Aleppo und im Großraum Damaskus getötet.

Syriens Außenministerium wandte sich unterdessen gegen die Forderung zahlreicher Staaten, dass der Konflikt Damaskus vor den Internationalen Strafgerichtshof gebracht wird. In einem Brief an den Uno-Sicherheitsrat erklärte das Regime, dass diejenigen, die das forderten, die Verpflichtung der syrischen Regierung ignorierten, das Volk vor „Terroristen“ zu schützen. Mehr als 50 Staaten - darunter auch Deutschland - hatten sich zuvor einer von der Schweiz initiierten Petition mit demselben Anliegen angeschlossen.

Seit Beginn des Aufstands gegen Assad im März 2011 hat der Konflikt den Angaben nach mindestens 60.000 Menschen das Leben gekostet.

Von

dpa

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