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12.08.2012

17:45 Uhr

Erneute Gefechte

Armee tötet Extremisten auf dem Sinai

Die ägyptischen Streitkräfte setzen den Dschihadisten zu. Diese greifen inzwischen sogar die internationale Friedenstruppe an. Kairo stimmt seine Militärschläge eng mit Israel ab. Wieder starben auf dem Sinai Menschen.

Ägyptische Soldaten patrouillieren im Norden der Sinai-Halbinsel. dpa

Ägyptische Soldaten patrouillieren im Norden der Sinai-Halbinsel.

Kairo/Al-ArischAuf der Halbinsel Sinai bleibt es unruhig. Eine Woche, nachdem Extremisten 16 ägyptische Soldaten getötet und die Grenze zu Israel durchbrochen hatten, kam es am Sonntag erneut zu Schießereien und Gefechten. Bewaffnete Islamisten beschossen das Lager der internationalen Friedenstruppe MFO in Um Schihan, wie von Sicherheitskreisen in der Provinzhauptstadt Al-Arisch zu erfahren war. Verletzt wurde dabei niemand. Bei weiteren Gefechten auf der Sinai-Halbinsel tötete das ägyptische Militär bei einer Kommandoaktion fünf Extremisten. Die Soldaten hätten die Kämpfer in einem Unterschlupf in der Nähe der Grenze zu Israel aufgespürt, hieß es in Sicherheitskreisen und von Augenzeugen.

Die internationale Friedenstruppe Multinational Force & Observers (MFO) wacht seit 1982 über den militärischen Frieden auf dem Sinai. Sie basiert auf dem Friedensvertrag zwischen Israel und Ägypten von Camp David aus dem Jahr 1979. Doch in den letzten Monaten hatten sich militante Islamisten das Sicherheitsvakuum zunutze gemacht, das nach dem Sturz des Langzeitherrschers Husni Mubarak im Februar 2011 auf dem Sinai entstanden war. Das unwegsame Gebirgsgelände der Halbinsel Sinai begünstigt die Bewegungen der Islamisten.

Die ägyptischen Sicherheitskräfte gehen seit dem Vorfall vor einer Woche massiv gegen die neuen Dschihadisten (Religionskrieger) vor. Zum ersten Mal seit dem Camp-David-Frieden kreisen Kampfjets und Hubschrauber über Gebieten unmittelbar an der Grenze zu Israel. Auch Panzer und Geschütze kommen gegen die vermuteten Verstecke der Extremisten zum Einsatz. In Kairo ist es ein offenes Geheimnis, dass das ägyptische Militär diese Aktionen eng mit der Führung in Jerusalem abstimmt. Israel gibt den ägyptischen Militäreinsätzen die Zustimmung. Ohne dieses Einvernehmen würden die Aktionen die Bestimmungen des Friedensabkommens verletzen. Israel befürchtet, dass sich der Sinai zum Rückzugsgebiet für Islamisten entwickelt, die von dort aus gemeinsam mit Extremisten aus dem Gazastreifen Anschläge auf den jüdischen Staat verüben.

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Am Sonntag griffen die Dschihadisten auch zwei ägyptische Militärkontrollpunkte in Scheich Suwaid nahe der Grenze zum palästinensischen Gazastreifen an, wie es auf der Webseite der Tageszeitung „Al-Ahram“ hieß. In beiden Fällen kam es zu Schusswechseln zwischen den Angreifern und den Soldaten. Über Opfer wurde nichts bekannt. In Al-Charbua nahm das Militär drei mutmaßliche Terroristen fest und stellte ein Waffenlager sicher.

Die Herkunft der Extremisten ist in Ägypten strittig. So macht das Militär palästinensische Extremisten für den Angriff mit 16 Toten verantwortlich. Angehörige der sogenannten Dschaldschala-Armee aus dem Gazastreifen hätten sich schon seit längerem darauf vorbereitet, das ägyptische Militär anzugreifen, um auf dem Sinai ein „islamistisches Emirat“ zu errichten, schrieb die regierungsnahe Kairoer Tageszeitung „Al-Ahram“ am Samstag.

Unabhängige Experten und Sozialarbeiter auf dem Sinai halten hingegen die jüngste Gewaltwelle für hausgemacht. Junge Beduinen, aber auch Ägypter aus dem verarmten Süden oder den Slums der Großstädte würden ihr Heil in einem extremistischen Islam suchen. Die Beduinen auf dem Sinai gelten als Staatsbürger zweiter Klasse, oft sogar ohne staatliche Dokumente. Vom boomenden Fremdenverkehr im Süden der Halbinsel haben sie nichts.

Die Behörden erhoben unterdessen Anklage gegen fünf mutmaßliche Extremisten. Ihnen wird nach Angaben eines Sicherheitsberaters die Ausbildung von Dschihadisten vorgeworfen. Demnach sollen einige der Angeklagten auch an früheren Angriffen auf Polizeiwachen sowie an Menschen- und Waffenhandel zwischen Ägypten, dem Gazastreifen und Israel beteiligt gewesen sein. Die fünf Angeklagten gehören zu den ersten, die nach dem Überraschungsangriff auf den Grenzübergang Rafah verhaftet worden waren. Bei dem Überfall vom Sonntag vergangener Woche wurden 16 ägyptische Soldaten getötet.

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