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17.09.2014

12:50 Uhr

Erneute Provokation

IS-Terrormiliz droht USA mit Widerstand

Die Extremisten des IS warnen die USA in einem neuen Internetvideo: „Der Kampf hat erst begonnen“. US-Generalstabschef Dempsey schließt einen Einsatz von Kampftruppen im Irak nicht mehr aus.

Kämpfer der Extremistengruppe Islamischer Staat: Gegen die USA zeigt man sich kämpferisch. ap

Kämpfer der Extremistengruppe Islamischer Staat: Gegen die USA zeigt man sich kämpferisch.

Istanbul/WashingtonIn einem neuen Video droht die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) den USA unverhohlen mit Widerstand im Irak. Der im Internet verbreitete Film trägt den Titel „Flammen des Krieges“ und zeigt unter anderem US-Soldaten. Das 52 Sekunden lange Video endet mit der Einblendung „Der Kampf hat erst begonnen“. US-Außenminister John Kerry wird den Mitgliedern des Auswärtigen Ausschusses des Senats am Mittwoch (20.30 Uhr MESZ) die Strategie für den Kampf gegen die Dschihadisten erläutern.

In dem IS-Internetvideo sind Bilder von Extremisten zu sehen, die Panzer beschießen und zerstören. Der Film zeigt zudem US-Soldaten, unter anderem wie sie einen Verwundeten wegtragen. Auch US-Präsident Barack Obama wird eingeblendet. Er sagt in einem Ausschnitt, US-Kampftruppen würden nicht in den Irak zurückkehren. Das Video wird als „Trailer“ bezeichnet - mit solchen Kurzfilmen wird normalerweise Werbung für neue Kinofilme gemacht.

Die Terrorgruppe Islamischer Staat

Ziel

Die Organisation Islamischer Staat (IS), früher Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) genannt, gehört zu den radikalsten islamistischen Gruppen im Nahen Osten. Sie kämpft für einen sunnitischen Gottesstaat im arabischen Raum.

Ursprung

Der IS ging aus dem irakischen Widerstand der 2003 gegründeten Gruppe „Tawhid und Dschihad“ hervor, die sich gegen die US-Invasion im Irak wandte. Erster Anführer war der für seine Grausamkeit berüchtigte Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi. Seit 2013 leitet der Iraker Abu Bakr al-Baghdadi den IS.

Aktivitäten

Die Gruppe griff Im Irak nicht nur US-Soldaten an, sondern verübte auch Selbstmordanschläge auf Schiiten und Christen im Land. Al-Sarkawi wurde 2006 von der US-Armee getötet. Seither führen Iraker die Organisation. Deren zweiter früherer Name „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ verdeutlicht den Anspruch, einen sunnitischen Großstaat zwischen Mittelmeer und Euphrat zu errichten.

Entwicklung

An Macht gewann der IS, als sie sich im Frühjahr 2013 in den syrischen Bürgerkrieg einmischte. Dort überwarf sie sich mit der aus syrischen Salafisten bestehenden Al-Nusra-Front, obwohl beide Gruppen damals dem Terrornetzwerk al-Qaida nahestanden.

Standorte

Vor allem im Nordosten Syriens greift der IS syrisch-kurdische Städte an und massakriert die Zivilbevölkerung. Im Irak profitiert die Miliz vom Streit der von Schiiten dominierten irakischen Regierung mit den sunnitischen Parteien des Landes. Am 29. Juni rief der IS das Kalifat in den von im kontrollierten Gebieten aus – mit al-Baghdadi als Kalif.

Finanzierung

Der IS finanzierte sich anfangs vor allem durch Spenden aus den Golfstaaten Katar und Saudi-Arabien, aber auch durch Wegzölle entlang der Grenzen zwischen Irak und Syrien. Mit den Landgewinnen nahmen die Gewinne aus illegalen Ölverkäufen der kontrollierten Felder zu.

Söldner

In den Reihen der Gruppe kämpfen internationale Brigaden, darunter Muslime aus Nordafrika und den arabischen Golfstaaten sowie Konvertiten aus Europa und Nordamerika.

US-Generalstabschef Martin Dempsey hatte am Dienstag bei einer Anhörung im Streitkräfteausschuss des Senats die Entsendung von Kampftruppen in den Irak nicht mehr ausgeschlossen. US-Präsident Barack Obama hat sich dagegen wiederholt kategorisch gegen einen solchen Einsatz ausgesprochen. Mehr als acht Jahre nach dem Einmarsch hatte er Ende 2011 die letzten Kampftruppen aus dem Irak abgezogen.

Im Irak sind derzeit rund 1500 US-Soldaten stationiert. Darunter sind etwa 750, die für die Sicherheit diplomatischer Einrichtungen in der Hauptstadt Bagdad zuständig sind. Zahlreiche weitere beraten das irakische Militär. Die Soldaten gelten nicht als Kampftruppen.

Dempsey sagte am Dienstag, wenn die Strategie versage, der irakischen Armee mit Luftangriffen oder Geheimdienstinformationen zu helfen, dann würde er dem Präsidenten „den Einsatz von US-Kampftruppen am Boden“ empfehlen. Derzeit sei das aber nicht nötig. Dempseys Sprecher teilte später mit, der Generalstabschef sehe nicht die Erfordernis, dass sich die in den Irak entsandten US-Soldaten am Vorgehen der irakischen Truppen gegen IS-Kämpfer beteiligten. Die gegenwärtige Strategie der US-Regierung halte Dempsey für richtig, dies habe er auch bei der Anhörung deutlich gemacht.

Bei der Anhörung des US-Chefdiplomaten Kerry am Mittwoch dürften vor allem dessen Bemühungen zur Sprache kommen, eine breite internationale Front gegen die Extremisten zu formen. Am Montag hatten sich mehr als 20 Staaten bei einer Konferenz in Paris auf ein gemeinsames Vorgehen gegen die IS-Terrormiliz geeinigt.

Zu den US-Verbündeten zählen auch zehn arabische Länder. Die überregionale arabische Tageszeitung „Al-Sharq al-Awsat“ berichtete am Dienstag, mehrere arabische Staaten hätten angeboten, sich an Luftangriffen gegen die Extremisten zu beteiligen. Das Blatt zitiert dabei einen hohen Verantwortlichen aus dem US-Außenministerium.

Die sunnitische Terrormiliz Islamischer Staat kontrolliert im Norden und Westen des Iraks riesige Gebiete. Auch im Nachbarland Syrien beherrscht sie große Regionen. In beiden Ländern geht sie brutal gegen Gegner und Andersgläubige vor. Für den IS kämpfen nach Schätzungen des US-Geheimdienstes zwischen 20 000 und 31 500 Menschen. Obama will die Organisation zerstören.

Von

dpa

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