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25.01.2012

18:40 Uhr

Eröffnungsrede

Die Kanzlerin spendet keinen Trost, sondern sucht Rat

VonTorsten Riecke

Führerschaft erwartet sich die Finanz- und Unternehmenswelt von Angela Merkel. Doch bei ihrer Eröffnungsrede wiederholt sie Bekanntes. Neue Ideen bringt sie nicht, sondern bittet die Davoser Gemeinschaft um Hilfe.

Angela Merkel vor ihrer Eröffnungsrede in Davos. AFP

Angela Merkel vor ihrer Eröffnungsrede in Davos.

DavosDie große Halle des Kongresszentrums in Davos ist bis auf den letzten Platz gefüllt. „Ich muss jetzt zu Merkel“, sagt der Chef einer großen, weltweit tätigen Consultingfirma und eilt davon. Die deutsche Kanzlerin ist beim Weltwirtschaftsforum in den Schweizer Bergen in aller Munde. Von ihr erwartet man „Leadership“, um Europa aus der Krise zu führen und den Rest der Welt vor einem globalen Abschwung zu bewahren.

Nicht Barack Obama, der sich gerade mit seiner Rede zur Lage der Nation an die Amerikaner gewandt hat. Nicht Nicolas Sarkozy, der hyperaktive Präsident Frankreichs, der um seine Wiederwahl kämpft. Nein, es ist die Pastorentochter aus Ostdeutschland, die jetzt die Welt retten soll.

Der Applaus ist verhalten, als Angela Merkel die Bühne betritt. Der WEF-Gründer Klaus Schwab erinnert in seiner Begrüßung daran, dass die Kanzlerin im vergangenen Jahr ein Bekenntnis zu Europa und zum Euro abgelegt hat. „2012 könnte für Europa zu einem entscheidenden Jahr werden“, sagte Schwab mit Pathos in der Stimme. Er lobt Merkel als „Fels in der Brandung“ und wünscht sich von ihr eine „neue Vision“ für Europa. Dann überlässt Schwab der eisernen Kanzlerin das Feld.

Merkel, gekleidet in einem dunklen Hosenanzug und mit ernstem Gesicht, beginnt gewohnt analytisch: „Welche Lektionen haben wir gelernt aus der Finanzkrise?“, fragt sie rhetorisch. um dann festzustellen, dass die bisherigen Bemühungen nicht ausreichen: Weder sei die Welthandelsrunde zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht worden, noch seien die Banken aus dem Gröbsten heraus.

Merkel lässt von Anfang an keinen Zweifel aufkommen: „Europa ist ein erfolgreiches Projekt, das wir auf jeden Fall weiterführen wollen.“ Dann kommen die Probleme, die dieses Projekt gefährden .Nach der Lesart von Merkel sind das vor allem die Schulden, aber eben nicht nur. „Europa muss auch seine Wettbewerbsfähigkeit verbessern“, sagt sie. Das gehe nur über Strukturreformen und die bräuchten eben Zeit. Also: Kein kurzfristiges Ende, geschweige denn ein Befreiungsschlag in Sicht.

Kommentare (27)

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Logos21

25.01.2012, 18:58 Uhr

@merkel : "Ich würde einem jungen Studenten sagen, dass man in 20 Jahren überall in Europa arbeiten und leben kann, ohne dabei seine sozialen Ansprüche zu verlieren,“ antwortet Merkel.

Und was sagen Sie Frau Merkel, zu all jenen , die in den nächsten 20 Jahren ihre Rente sichern müssen"?

Und wann arbeiten unsere Politiker endlich mal an EU-Gesetzen (anstatt in Davos Promi zu spielen ) oder soll das die nächsten 5 Jahre weiterhin so ein Fiasko bleiben?

forenfux

25.01.2012, 19:09 Uhr

Leider hat die Geschichte nicht so ein schönes Geschenk für Sie bereitgehalten, wie damals die Wiedervereingung für Herrn Kohl. Vielmehr dürfte die aktuelle Legislaturperiode für Sie ein ziemlicher Alptraum sein; das ist ausgesprochenes Pech.

Frau Kanzlerin, wagen Sie endlich den Mut zum "Risiko" und sprengen Sie die Eurofesseln bzw. -Zone. Man wird sie dafür hassen; zumindest außerhalb Deutschlands, aber wahrscheinlich auch bei uns.

Aber in 10 Jahren spätestens werden wir Ihnen ein Denkmal setzen für diesen Mut, das ist sicher.

Tun Sie Nichts, wählen sie den abschüssigen Weg in ein langes Siechtum der EU - und nicht mal Deutschland wird davon profitieren.

azaziel

25.01.2012, 19:23 Uhr

Meine Vision von Europa: Mehr Wettbewerb. Wettbewerb ist nicht, wenn man den Deutschen verordnet, mit ihren Loehnen hochzugehen. Mehr Eigenverantwortung. Das gilt fuer Individuen wie auch fuer Staaten. Mehr Eigenverantwortung heisst insbesondere Dezentralisierung von Haushaltsverantwortung. Haushaltsverantwortung heisst, dass ein Haushalt insolvent werden kann, wenn er sich ueber Gebuehr verschuldet hat und seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann. Mehr Verantwortung fuer Unternehmen, insbesondere fuer Banken. Wenn eine Bank zu hohe Risiken eingegangen ist, muss sie ihren Einsatz verlieren koennen. Mehr Verantwortung fuer Aktionaere. Wer seinen Managern erlaubt, ihre eigenen Boni festzulegen und bei der Maximierung dieser Boni einen Teil des Bankvermoegens verspielen, soll der Aktionaer dafuer gefaelligst bluten, nicht der Steuerzahler. Mehr Marktwirtschaft. Wer importiert, muss auch bezahlen koennen. Wer nicht bezahlt, kann nicht importieren. Dadurch regelt sich das Handelsbilanzdefizit des importierenden Staates, ohne dass man dem exportierenden Staat unsinnigerweise vorschreibt, seine Exporte zu reduzieren.

Und, und, und, und ......

Kennen Sie Janosch? Der Hase Baldrian haette eine bessere Rede gehalten als Frau Merkel.

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