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22.08.2014

10:24 Uhr

Erpresser-Mail an Foleys Eltern

Wie IS tickt

Vor der Ermordung des US-Journalisten James Foley haben sich die Terroristen der IS per E-Mail an seine Eltern gewandt. Lösegeld wollte die Regierung Obama nicht zahlen – die Eltern baten in einer Antwort um Gnade.

Enthauptung eines Journalisten

Bilder des ermordeten Journalisten aufgetaucht

Enthauptung eines Journalisten: Bilder des ermordeten Journalisten aufgetaucht

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DüsseldorfDas grausame Youtube-Video schockierte in dieser Woche die Welt. Kurz nach der Ermordung des US-Journalisten James Foley durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) wird jetzt eine E-Mail der Extremisten an die Eltern des Getöteten öffentlich. Gerichtet ist sie an die US-Regierung und an ihre Bürger, die der Regierung wie „Schafe“ folgen.

„Wir haben euch mehrere Gelegenheiten gegeben, über die Freilassung eurer Leute durch Geldtransaktionen zu verhandeln, so wie andere Regierungen es akzeptiert haben“, heißt es darin. Der Veröffentlichung der E-Mail in der „Global Post“ stimmten die Eltern des Journalisten laut dem US-Nachrichtenmagazin zu. In der Mail ist von „Vergeltung“ die Rede und dem Preis, die die USA zu zahlen hätten.

Vor Foleys Hinrichtung hatte IS monatelang versucht, die Eltern zur Zahlung eines Lösegelds zu bewegen. Als sie mit ihren Forderungen nicht durchdrangen, informierten die Dschihadisten die Eltern knapp eine Woche vor der grausamen Tat, dass ihr Sohn nun getötet werde. Als Begründung führten die IS-Kämpfer die US-Luftschläge im Nordirak an.

In der Nacht vom 13. August - sechs Tage vor Veröffentlichung des Enthauptungsvideos auf Youtube - erhielten Foleys Eltern die kurze Nachricht, dass ihr Sohn hingerichtet werden solle. Die Familie habe die Ankündigung an die US-Behörden weitergeleitet, berichtet der Chef des Online-Nachrichtendiensts der „Global Post“, Phil Balboni.

Gewaltsame Befreiung von Geiseln

Algerien, Januar 2013

Mit der Erstürmung des Gasfelds In Amenas beendet die algerische Armee eine Terroraktion islamistischer Terroristen. Mindestens 80 Menschen sterben während der Geiselnahme und der Befreiung. Rund 700 algerische Beschäftigte und mehr als 100 ausländische Mitarbeiter können sich während des mehrtägigen Dramas selbst retten oder werden befreit.

Somalia, Januar 2013

Bei der versuchten Befreiung eines seit 2009 von der Islamistenmiliz Al-Shabaab festgehaltenen französischen Geheimagenten sterben die Geisel und mindestens ein französischer Soldat. Bei dem Militäreinsatz nahe Mogadischu werden nach Angaben von Anwohnern auch fünf Zivilisten und mehrere Islamisten getötet.

Nigeria, März 2012

Bei einer missglückten Befreiungsaktion kommen eine britische und eine italienische Geisel ums Leben. Die Männer hatten für eine italienische Baufirma gearbeitet und waren seit zehn Monaten in der Gewalt nigerianischer Terroristen.

Irak, März 2011:

Extremisten überfallen das Provinzparlament in der Stadt Tikrit und nehmen dort tagende Abgeordnete als Geiseln. Irakische Sicherheitskräfte stürmen wenige Stunden später das Gebäude, um sie zu befreien. Insgesamt sterben 65 Menschen.

IRAK, Oktober 2010

Mitglieder des irakischen Al-Kaida-Ablegers besetzen eine katholische Kirche und verschanzen sich dort mit zahlreichen Geiseln. Als die irakische Polizei die Kirche stürmt, kommen mindestens 50 Geiseln und fünf Geiselnehmer ums Leben.

Kolumbien, Juli 2008

Die frühere kolumbianische Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt, drei US-Amerikaner und weitere Geiseln werden aus der Gewalt von Farc-Rebellen befreit. Soldaten hatten sich als Vertreter einer regierungsunabhängigen Organisation ausgegeben und waren in einem Hubschrauber zu einem vermeintlichen Treffen mit einer internationalen Kommission geflogen. In der Luft wurden mitfliegende Rebellen überwältigt und die Geiseln waren frei.

Afghanistan, August 2007

Eine in Kabul entführte deutsche Mitarbeiterin der Hilfsorganisation ora international wird von afghanischen Sicherheitskräften befreit.

Russland, September 2008

Mehr als 30 Bewaffnete überfallen eine Schule in Beslan in der russischen Kaukasusregion Nordossetien und nehmen über 1100 Kinder, Eltern und Lehrer 52 Stunden lang als Geiseln. Bei Erstürmung der durch russische Sicherheitskräfte werden 331 Menschen getötet. Unter den 318 getöteten Geiseln sind 186 Kinder.

Russland, Oktober 2002:

41 tschetschenische Terroristen überfallen ein Moskauer Musicaltheater und nehmen mehr als 800 Geiseln. Nach drei Tagen stürmt die Polizei das Gebäude. 129 Geiseln und alle Terroristen sterben, die meisten durch von Sicherheitskräften eingesetztes Gas.

Das FBI half den Eltern, ein Antwortschreiben aufzusetzen. „Es war eine Bitte um Gnade“, sagt Foleys Chef. Sie hätten versucht zu erklären, dass James ein unschuldiger Journalist gewesen sei, der das syrische Volk respektiert habe. Nachdem weder US-Präsident Barack Obama noch Foleys Eltern auf die Forderungen eingegangen waren, wurde James Foley ermordet – die Hinrichtung wurde aufgezeichnet und bei Youtube veröffentlicht.

Kommentare (14)

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Account gelöscht!

22.08.2014, 10:36 Uhr

Die IS tickt genauso wie jede Gruppierung von Menschen, die nach Macht und Einfluss giert. Egal ob jetzt China, USA, Russland oder andere Großmächte alle haben das gleiche Ziel wie die IS Macht und Einfluss zu erlangen und damit ihre jeweilige Weltanschauung für die unterer ihrer Kontrolle gestellten Gebiete zu verbreiten. Religion und Glaube spielt hier eine zentrale Rolle bei der Durchsetzung ihrer Ziele. Diese Religion und Glaube wird mal mehr und mal weniger brutal mit Waffengewalt unterstützt.
Auch die Kurden wollen schon lange einen eigenen Staat auf dem Gebiet von Irak-Türkei-Syrien. Und die Bundesregierung und andere westliche Länder schrecken auch nicht davor zurück diesen Kurden Waffen zu liefern. Auf das das Morden und Kämpfen für die eigene Religion und Glauben für ein eigenes Land weiter gehen kann.

Herr Micky Aus

22.08.2014, 10:55 Uhr

Dazu: Fotheringay(Sandy Denny) - John the Gun auf YT

real .ist

22.08.2014, 11:06 Uhr

Herrje, wir werden wieder in etwas hineingezogen, was der Amerikaner begonnen hat.

Die sollen sich selbst um ihre hausgemachten Probleme kümmern.



Wir sind zu gar nichts verpflichtet. Das Unglück wird auch noch in unser Land kommen. Alternativlos, natürlich.

Diese US Hörigkeit und Selbstgeißelung wäre Vorbild für jedes SM Studio.

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