Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.09.2011

09:10 Uhr

Erpressungsaffäre

Aufregung um weitere Berlusconi-Äußerungen

Silvio Berlusconi soll dem in die Erpressungsaffäre verwickelten Herausgeber einer Online-Zeitung, Valter Lavitola, geraten haben, im Ausland zu bleiben und sich nicht der Justiz zu stellen.

„Bleib, wo Du bist“, sagte Berlusconi dem in die Affäre verwickelten Herausgeber einer Online-Zeitung, Valter Lavitola. dpa

„Bleib, wo Du bist“, sagte Berlusconi dem in die Affäre verwickelten Herausgeber einer Online-Zeitung, Valter Lavitola.

RomErneut haben Äußerungen des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi im Rahmen einer Erpressungsaffäre für Aufregung gesorgt. In einem abgehörten Telefonat soll Berlusconi dem in die Affäre verwickelten Herausgeber einer Online-Zeitung, Valter Lavitola, geraten haben, im Ausland zu bleiben und sich nicht der Justiz zu stellen. „Bleib, wo Du bist“, sagte Berlusconi laut einem Mitschnitt des Telefonats vom 24. August, aus dem die Zeitung „L'Espresso“ am Freitag zitierte. Lavitola hielt sich zu dem Zeitpunkt in Bulgarien auf.

Die italienische Justiz ermittelt gegen Lavitola wegen des Verdachts, Berlusconi gemeinsam mit dem Unternehmer Giampaolo Tarantini erpresst zu haben. Tarantini und seine Frau Angela Devenuto wurden Anfang September von der Polizei verhaftet, gegen Lavitola wurde Haftbefehl erlassen. Bis heute hält sich der Journalist im Ausland auf.

Laut den Ermittlern soll Tarantini hohe Summen von Berlusconi erhalten haben, damit er ihnen erzählte, der Ministerpräsident habe nicht gewusst, dass eine Reihe von weiblichen Gästen seiner rauschenden Feste zwischen September 2008 und Januar 2009 bezahlte Callgirls waren. Die Staatsanwaltschaft von Neapel will den Ministerpräsidenten am Dienstag in der Affäre vernehmen. Sie sieht ihn in dem Fall als das Opfer an. Der bald 75-Jährige dagegen bestreitet die Erpressungen. Er versichert, er habe lediglich Freunden finanziell ausgeholfen. Berlusconi, der ein Macho-Image kultiviert, hat wiederholt beteuert, niemals für Sex bezahlt zu haben.

Die Opposition sieht in Berlusconis Rat an Lavitola einen Versuch des Regierungschefs, sich vor weiteren peinlichen Enthüllungen zu schützen. Berlusconis Anwalt Niccolo Ghedini wies darauf hin, dass zu dem Zeitpunkt des Telefonats noch gar kein Haftbefehl gegen den Journalisten vorlag. Berlusconi selbst klagte am Freitagabend vor der Jugendorganisation seiner Partei, dass ein „Land ohne Privatleben, wo Telefongespräche abgehört und an Zeitungen weitergegeben werden, kein völlig freies Land“ sei. In einem vorherigen im Rahmen der Ermittlungen abgehörten Telefonat mit Lavitola soll Berlusconi Italien als „Scheißland“ bezeichnet haben.

Von

afp

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×