Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.10.2013

07:29 Uhr

Erste Frau an der Spitze der Fed

Janet Yellen tritt Bernankes Erbe an

VonAxel Postinett

US-Präsident Barack Obama setzt auf Kontinuität: Er hat sich entschieden, die aktuelle Nummer zwei in der US-Notenbank an die Spitze zu berufen. Janet Yellen steht geldpolitisch für eine Fortsetzung des lockeren Kurses.

Ab Ende Januar des nächsten Jahres soll sie übernehmen: Janet Yellen, die jetzige Nummer zwei nach Ben Bernanke in der US-Notenbank. ap

Ab Ende Januar des nächsten Jahres soll sie übernehmen: Janet Yellen, die jetzige Nummer zwei nach Ben Bernanke in der US-Notenbank.

Washington/San FranciscoSie ist am Ziel: Janet Yellen wird die mächtigste Frau in der politischen Geschichte Amerikas. Sie soll nach dem Willen von Präsident Barack Obama ab Februar die US-Notenbank leiten. Es wäre die erste Frau in der fast 100-jährigen Geschichte der Bank, die die Geschicke der Weltwirtschaft maßgeblich beeinflusst. Heute um 15 Uhr New Yorker Zeit wird die Kandidatur offiziell, teilte das Präsidialamt am Dienstag in Washington mit. Neben Präsident Obama wird auch der scheidende Zentralbank-Chef Ben Bernanke bei der Ankündigung anwesend sein, hieß es. Er wird das Amt Ende Januar 2014 nach acht Jahren Amtszeit übergeben. Bevor Yellen an die Spitze der Fed aufsteigt, muss der Senat der Nominierung noch zustimmen.

Mit der studierten Ökonomin und ausgewiesenen Arbeitsmarktexpertin Yellen geht Obama kein Risiko ein und setzt ein Signal: Die heutige Vize-Chefin der Fed genießt breite Unterstützung in seiner Partei und gilt als strikte Befürworterin der lockeren Finanzpolitik, mit der die Fed die Märkte mit billigem Geld überschwemmt. So sollen die Wirtschaft stimuliert und die Arbeitslosigkeit gesenkt werden. Das Überangebot an billigem Geld treibt zudem die Aktienmärkte.

Biographisches über Janet Yellen

Alter

Janet Yellen ist 67 Jahre alt, geboren wurde sie am 3. August 1946.

Geburtsort

Yellen stammt aus Brooklyn, New York.

Ausbildung

Bachelor-Abschluss in Wirtschaftswissenschaften von der Brown University (US-Staat Rhode Island, 1967); Doktor in Wirtschaftswissenschaften von der Yale University (US-Staat Connecticut, 1971)

Erfahrung

Seit 2010 stellvertretende Präsidentin der Fed; von 2004 bis 2010 Präsidentin der Federal Reserve Bank of San Francisco; von 1997 bis 1999 Vorsitzende des Rats der Wirtschaftsberater des Weißen Hauses (Council of Economic Advisers); von 1994 bis 1997 Mitglied des Federal Reserve Board of Governors; von 1980 bis 1994 Lehrkraft an der University of California, Berkeley; von 1978 bis 1980 Dozentin an der London School of Economics and Political Science; von 1977 bis 1978 Ökonomin bei der Federal Reserve; von 1971 bis 1976 Assistenzprofessorin an der Harvard University.

Familie

Verheiratet mit George A. Akerlof, Wirtschaftsnobelpreisträger und Professor an der kalifornischen Berkeley-Universität; ein Sohn: Robert Akerlof

„Die Arbeitslosigkeit reduzieren, das muss im Zentrum stehen“, hat Yellen in den vergangenen Jahren stets gepredigt. Jobs zu schaffen ist ihr wichtiger als der Kampf gegen die Inflation – damit gilt sie im Offenmarktausschuss der Fed, zuständig für die Geld- und Währungspolitik der USA, als „Taube“. Seit den Krisenzeiten im Jahr 2008 kurbelt die Zentralbank die Konjunktur mit billigem Geld an. Der Leitzins verharrt bei praktisch null Prozent, über den Aufkauf von Staatsanleihen und Hypothekenpapieren pumpt die Fed Milliardensummen in den Wirtschaftskreislauf.

Yellen gehörte schon immer zum engeren Kreis der Anwärter auf die Nachfolge Bernankes. Als Obamas bevorzugter Kandidat galt jedoch Larry Summers, einst US-Finanzminister und Professor an der Eliteuni Harvard. Gegen Summers regte sich aber in den Reihen von Obamas Demokraten Widerstand, eine Bestätigung durch den Senat schien nicht sicher. Mitte September erklärte Summers seinen Verzicht.

Experten zur Berufung von Yellen zur Fed-Chefin

Holger Sande (Chefanalyst für Nordea):

„Das ist eine gute Entscheidung. Yellen ist für den Job besser geeignet als Lawrence Summers. Man weiß bei ihr, was man kriegt. Bei Summers wäre das nicht so klar gewesen – außer, dass er einen kontroversen Führungsstil pflegt. Ihre größte Herausforderung: Sie muss herausfinden, wie lange die amerikanische Wirtschaft noch die Unterstützung der Notenbank braucht. Sie muss rechtzeitig den Fuß vom Gas nehmen, um Blasen auf den Märkten zu verhindern.“

Christian Schulz (Ökonom der Berenberg Bank):

„Mit ihr wird es keine Revolution in der Geldpolitik geben. Sie ist eine Architektin des ultralockeren Kurses der Fed. Ich würde sie noch stärker in der Tauben-Fraktion verorten als den aktuellen Chef Bernanke. Das heißt, dass die Fed eher noch vorsichtiger den Ausstieg aus ihren Sondermaßnahmen betreiben wird. Hier ist Kontinuität gewählt worden. Das sollte für die Märkte die Sicherheit bringen, dass der Ausstieg aus der extrem lockeren Geldpolitik nicht verfrüht kommt.“

Tohru Sasaki (JPMorgan):

„Die Nominierung von Yellen ist keine Überraschung, nachdem sich Summers aus dem Rennen zurückgezogen hat. Aus Sicht der Märkte ist Yellen die beste Kandidatin.“

Brad Delong (Professor an der University of California, Berkeley):

„Kein Kandidat ist jemals besser auf diesen Job vorbereitet gewesen als Janet Yellen. Es ist gut, dass sie dafür gerüstet ist. Das ist eine Nachricht, die mich ruhiger schlafen lässt.“

Der aktuelle geldpolitische Kurs der Fed wird derzeit durch den US-Etatstreit befeuert. Während Kritiker angesichts der wirtschaftlichen Erholung in den USA eine schnelles Ende der Geldschwemme fordern, erklärte Fed-Chef Ben Bernanke im September, er werde unter Umständen bis ins kommende Jahr an den Maßnahmen festhalten. Die Chancen dafür wachsen mit jedem Tag, den die Haushaltskrise anhält. Seit am vergangenen Dienstag die Verhandlungen über einen neuen Haushalt gescheitert waren, befindet sich die USA im Sparmodus. Die politischen Fronten sind weiter verhärtet und ein schnelles Ende des Haushaltsstreits ist derzeit nicht in Sicht.

Sollte die erste Haushaltssperre seit 16 Jahren noch über Wochen anhalten, rechnen Ökonomen mit einer spürbaren negativen Auswirkung auf die US-Wirtschaft. Obama braucht dann jemanden an der Spitze der weitgehend unabhängig agierenden Notenbank, der seinen Vorstellungen nahekommt. Yellen wird die schwierige Aufgabe zufallen, zum richtigen Zeitpunkt die exzessiven Stützungsmaßnahmen auslaufen zu lassen.

Kommentare (11)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

general

09.10.2013, 02:19 Uhr

Wieso "Geldpolitikerin"? Da sollte doch wohl "Währungshüterin" stehen.

tulip

09.10.2013, 02:23 Uhr

Geldpolitikerin war vlt bewußt so gewählt...

Account gelöscht!

09.10.2013, 03:52 Uhr

Yellen wird noch fleissiger "drucken" als Bernanke, nochmal bissl Gas geben bevor die Klippe wirklich unausweichlich vor denen erscheint.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×