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07.11.2015

14:37 Uhr

Erste freie Wahlen

Myanmar zwischen Militär und Messias

Fünf Jahre nach dem Ende der Militärdiktatur gibt es in Myanmar erstmals freie Parlamentswahlen. Freiheitsikone Suu Kyi sieht ihre Stunde gekommen. Dabei kann sie auf die messianische Verehrung ihrer Unterstützer setzen.

Myanmars Oppositionschefin Aung San Suu Kyi: Messianische Verehrung. ap

Aung San Suu Kyi

Myanmars Oppositionschefin Aung San Suu Kyi: Messianische Verehrung.

NaypyidawMit einer historischen Parlamentswahl will Myanmar die Fesseln der einstige Militärdiktatur endgültig abwerfen und einen Meilenstein in Richtung Demokratie gehen. Zum ersten Mal seit 25 Jahren gibt es an diesem Sonntag freie Wahlen.

Nach der Abstimmung von 1990 ignorierte die Militärjunta das Ergebnis. Die Wahl 2010 war nach gängigen Standards weder frei noch fair. Die Nationalliga für Demokratie (NDL) von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi trat damals nicht an.

Freiheitsikone Suu Kyi setzt diesmal auf einen Sieg ihrer lange unterdrückten Partei. Die heute 70-Jährige stand wegen ihres Widerstands gegen die Militärgewalt fast 15 Jahre lang unter Hausarrest. „Wir bringen echten Wandel!“, versprach Suu Kyi im Wahlkampf.

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Nobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi kämpft für den Machtwechsel bei Myanmars ersten freien Wahlen seit Jahrzehnten. Fast Food und Smartphones erobern das Land. Die Armee behält jedoch nach wie vor die Kontrolle.

„Es geht praktisch nicht um politische Inhalte“, sagt Kyaw San Wai, Politologe am RSIS-Institut der Nanyang-Universität in Singapur. „NLD-Anhänger verehren Suu Kyi mit messianischer Bewunderung.“

Bis 2011 wurde Myanmar fast ein halbes Jahrhundert lang von einer Junta regiert. Sie gründete die Partei USDP und organisierte 2010 Wahlen, bei denen Ex-Generäle gewannen. Präsident Thein Sein hat zahlreiche Reformen in Gang gesetzt. Es gibt inzwischen Handys und Internet und durch Auslandsinvestitionen mehr Arbeitsplätze.

„Für die USDP wird es schwer“, sagt Kyaw San Wai. „Sie wird nicht aufgrund der letzten fünf Jahre beurteilt, sondern nach den Ereignissen seit 1962, als das Militär die Macht übernahm.“ Mehrere Aufstände wurden blutig niedergeschlagen, darunter 1988 und 2007.

Suu Kyi kann nicht Präsidentin werden, weil ihre Söhne ausländische Pässe haben. So schreibt es die von der Junta diktierte Verfassung vor. Sie will trotzdem bei einem Sieg regieren. „Ich stehe über dem Präsidenten“, sagte sie.

„Wir haben an beide Seiten appelliert, die Erwartungen nicht in den Himmel wachsen zu lassen“, warnt Alexander Graf Lambsdorff. Der FDP-Politiker ist Vizepräsident des Europäischen Parlaments und leitet die EU-Wahlbeobachtermission mit mehr als 150 Spezialisten.

Suu Kyi äußerte Sorge, dass USDP-Anhänger das Ergebnis manipulieren könnten. Es gibt Probleme mit den Wählerlisten. Amnesty International prangert an, dass Studenten nach friedlichen Protesten festgenommen wurden. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon geißelte Hass- und Hetzreden, die vor allem von buddhistischen Mönche gegen die muslimische Minderheit kommen. Wahlumfragen gibt es Myanmar nicht.

Von

dpa

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