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13.02.2013

11:43 Uhr

Erster Auftritt nach Rücktritt

„Betet für mich - und für den künftigen Papst“

Papst Benedikt XVI. hat sich für die Anteilnahme „in diesen für mich schwierigen Tagen“ bedankt. Seine Entscheidung sei „in voller Freiheit“ zum Wohle der Kirche gefallen. Tausende Gläubige begrüßten ihn mit Beifall.

Papst Benedikt XVI am Mittwoch nach der Ankündigung seines Rücktritts. ap

Papst Benedikt XVI am Mittwoch nach der Ankündigung seines Rücktritts.

Rom Zwei Tage nach seiner Rücktrittsankündigung hat sich Papst Benedikt XVI. bei den Gläubigen für die Gebete und die große Anteilnahme „in diesen für mich schwierigen Tagen“ bedankt. „Betet weiterhin für mich, für die Kirche und für den künftigen Papst“, sagte das scheidende Kirchenoberhaupt am Mittwoch bei der Generalaudienz in Rom. Es war sein erster öffentlicher Auftritt nach seiner historischen Rücktrittsankündigung.

Benedikt erklärte nochmals die Gründe, die zu seiner Entscheidung geführt hätten. Sie sei „in voller Freiheit“ zum Wohle der Kirche gefallen, betonte der 85-Jährige. Er sei sich bewusst geworden, dass er das Pontifikat nicht mehr mit der dafür notwendigen Kraft fortführen könne. Am Montag hatte der seit 2005 amtierende deutsche Papst seinen Rücktritt für den 28. Februar angekündigt.

Die möglichen Papst-Kandidaten

Joao Braz de Aviz, Brasilien, 65 Jahre

Er brachte frischen Wind in den Vatikan, als er 2011 zum Präfekten der Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens gewählt wurde. Er befürwortet die Hinwendung zu den Armen, wie sie die lateinamerikanische Befreiungstheologie anstrebt, tendiert aber nicht zu den extremeren Ausprägungen dieser Lehre. Ein Nachteil für ihn dürfte sein, dass er relativ unbekannt ist.

Timothy Dolan, USA, 62 Jahre

Er ist die Stimme der US-amerikanischen Katholiken, seit er 2009 zum Erzbischof von New York ernannt wurde. Sein Humor und sein Schwung haben den Vatikan beeindruckt, dem es häufig an beidem mangelt. Die Kardinäle stehen einem Papst aus einer Supermacht jedoch skeptisch gegenüber, außerdem könnte seine kumpelhafte Art für einige zu amerikanisch sein.

Marc Ouellet, Kanada, 68 Jahre

Als Leiter der Bischofskongregation ist er so etwas wie der Personalchef im Vatikan. Er sagte einmal, Papst zu werden "wäre ein Alptraum". Obwohl er innerhalb der Kurie gut vernetzt ist, könnte der weitverbreitete Säkularismus in seiner Heimatprovinz Quebec gegen ihn sprechen.

Gianfranco Ravasi, Italien, 70 Jahre

Er ist seit 2007 der Kulturminister des Vatikan und vertritt die Kirche in der Welt der Kunst, der Wissenschaft, der Kultur und gegenüber Atheisten. Dieser Lebenslauf könnte ihm schaden, falls die Kardinäle beschließen, dass sie einen erfahrenen Seelsorger als Papst wollen und nicht schon wieder einen Professor.

Leonardo Sandri, Argentinien, 69 Jahre

Er kam als Kind italienischer Eltern in Buenos Aires zur Welt und ist damit ein echter transatlantischer Brückenbauer. Von 2000 bis 2007 hatte er den dritthöchsten Posten der Kirche als Stabschef des Vatikan inne. Er besitzt allerdings keine seelsorgerische Erfahrung und als Aufseher der Kirchen im Osten hat er nicht viel Macht in Rom.

Odilo Pedro Scherer, Brasilien, 63 Jahre

Er gilt als stärkster Kandidat aus Lateinamerika. Der Erzbischof von Sao Paolo, der größten Diözese im größten südamerikanischen Land, zählt in seiner Heimat zu den Konservativen, würde andernorts aber als gemäßigt durchgehen. Das rasante Wachstum der protestantischen Kirchen in Brasilien könnte gegen ihn sprechen.

Christoph Schönenborn, Österreich, 67 Jahre

Er ist ein früherer Student von Papst Benedikt, aber stärker als dieser von der Seelsorge geprägt. Der Erzbischof von Wien gilt als Anwärter auf das Amt des Papstes, seit er in den 90er Jahren den Katechismus herausgegeben hat. Er ist allerdings bei einigen Priestern in Österreich sehr unbeliebt.

Angelo Scola, Italien, 71 Jahre

Sein Posten als Erzbischof von Mailand gilt als Sprungbrett für das Amt des Papstes. Viele Italiener setzen auf den Bioethik-Experten. Als Chef der Stiftung zur Förderung des Verständnisses zwischen Muslimen und Christen kennt er auch den Islam. Er ist allerdings nicht sonderlich beredt, was ihm schaden dürfte, falls die Kardinäle einen Charismatiker an der Spitze der Kirche sehen wollen.

Luis Tagle, Philippinen, 55 Jahre

Sein Charisma wird oft mit der Ausstrahlung von Papst Johannes Paul verglichen. Er gilt auch als Vertrauter Benedikt, nachdem er mit ihm in der Internationalen Theologenkommission zusammengearbeitet hat. Er verfügt über viele Anhänger, wurde aber erst 2012 zum Kardinal ernannt - und jüngeren Kandidaten steht das Konklave meist skeptisch gegenüber.

Peter Turkson, Ghana, 64 Jahre

Er gilt als aussichtsreichster Kandidat aus Afrika. Als Leiter des vatikanischen Büros für Frieden und Gerechtigkeit ist er das soziale Gewissen der Kirche und plädiert für eine globale Finanzreform. Bei einer vatikanischen Synode zeigte er ein muslimkritisches Video und erregte damit Zweifel daran, wie er zum Islam steht.

Benedikt betrat unter großem Jubel tausender Gläubiger die Audienzhalle am Petersdom - langsamen Schrittes ging er zu seinem Sessel. Als Benedikt die Besucher begrüßte, brandete lauter Beifall auf. Er begann die Audienz mit einem Lächeln und lächete auch zum Abschluss.

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Kommentare (15)

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kraehendienst

13.02.2013, 12:32 Uhr

Wer seinen Glauben an die Kirche abgibt, hat den Glauben an sich selbst selbstredend verloren und das ist der größte Verlust, den man im Leben, besonders in einer Zeit präsenter Individualität begehen kann.

Account gelöscht!

13.02.2013, 12:41 Uhr

„Betet für mich - und für den künftigen Papst“
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Ich bezweifle, dass die katholische Kirche und geschweige denn der (noch) amtierende Papst jemals für die Opfer der sexuellen Übergriffe pädophiler Geistlicher, die von katholischen Krankenhäusern abgewiesenen vergewaltigten Frauen, die AIDS-Kranken, die aufgrund des Kondom-Verbotes leiden müssen oder die Homosexuellen gebetet hat ... falls doch, dann sicherlich nur, um ihnen die ewige Verdammnis zu wünschen.

Apostel

13.02.2013, 12:52 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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